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Wohlstandsverdruss

Deutschland in Feierlaune! Nach pandemischen Jahren und trotz des Krieges in der Ukraine und wissend um die auf uns zukommenden Einschränkungen aufgrund Energieverknappung und zwingenden Umweltschutzmaßnahmen, die Biergärten und Straßenlokale sind voll besetzt, Events boomen und wer noch nicht gefeiert hat, der feiert jetzt!

Und doch scheint etwas nicht zu stimmen. Die Szene mutet zwanghaft an, trotziges Feiern, gibt es das? Ich glaube ja. Nichts ist mehr, wie vor der Pandemie und dem Krieg in Ukraine. Davor erschien alles so selbstverständlich. Klimaschutz, naja, aber so schlimm wird es nicht werden und wir schaffen das!

Das waren Merkel-Jahre und wir blieben gelassen. Da hat sich etwas geändert. An 2019 können wir nicht anknüpfen, die Merkel-Jahre sind vorbei, die Zuversicht ist verloren. Den Mundschutz sind wir vorübergehend los, aber wir bleiben gezeichnet durch die Jahre der Pandemie. Wir sind misstrauisch geworden. Verwundert und hartnäckig, an alte Rituale uns erinnernd, klammern wir uns an alle möglichen Festivitäten, als seien sie Strohhalme, die uns das Überleben sichern.

Wir wollen festhalten an gewohnten Besitzständen, sind aber unsicher, wie lange uns die Gnade des Wohlergehens noch gewährt wird. Der uns so vertraute Wohlstand wird durch Kriege, Bedrohungen, Zinserhöhungen, Lieferkettenprobleme und schließlich auch durch gravierende Energie- und klimabedingte Einschränkungen belastet.

Noch wäre es falsch, dies offen zu bekennen, aber gerade der Wohlstand hat uns diese Misere eingebrockt. Es ist viel leichter, das Licht einzuschalten, als es auszuschalten, auf ein paar Bequemlichkeiten verzichten zu müssen, als in der Erwartung zu leben, sich erheblich einschränken zu müssen. Einschränkungen, die wir erfahren, begreifen wir als politisches Versagen und Eingriff in unsere Persönlichkeitsrechte. Wir sind es gewohnt, Ansprüche zu formulieren und nun werden wir mit einem Pflichtenheft konfrontiert? Ist vielleicht daran der Wohlstand schuld? Nachdem wir uns der Antworten aller übrigen „Verdächtigen“ vergegenwärtigt haben, fangen wir an, den Wohlstand selbst als einen möglichen Auslöser unserer Misere zu begreifen.

Verbesserungen der Lebensbedingungen, Fortschritt und Wohlstand, all dies schien sich zu bedingen, jeden Tag waren wir in Feierlaune. Nun wird uns aber bewusst, wie trügerisch dieser Wohlstand ist, dass er nicht zu halten bereit ist, was er verspricht und unsere Feiern eher denjenigen auf einem Vulkan ähneln, als dem Siegesfest nach einer überstandenen Pandemie.

Es gibt Menschen und die scheinen nicht wenige zu sein, die sind diesen Wohlstand satt und wünschen sich eher ein verlässliches, auskömmliches, verantwortbares und solidarisches Menschenleben für ihre Kinder und sich selbst. Auch dies kann Wohlstand sein, auch wenn er nicht tage- und nächtelang auf Straßen und Plätzen gefeiert wird.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Wahlrecht

Wessen Zukunft wird gerade verhandelt? Es ist – wie immer – die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder. Welches Gestaltungsrecht räumen wir dieser kommenden Generation ein? Keine bemerkenswerte, sieht man einmal von einer gewissen medialen Aufmerksamkeit bei Fridays for future und anderen Plattformen ab. Es sind aber die Kinder und Jugendlichen, die für uns den Kopf hinhalten, wenn es um Demokratie, Klima und auch künftigen Wohlstand geht.

Mit „altem“ Geld und „alten“ Rezepten sind die an unsere Kinder gestellten Herausforderungen nicht zu meistern. Wir haben Kinder in die Welt gesetzt und gegen unsere Enkelkinder nicht protestiert. Das war unverantwortlich, wenn wir glauben sollten, sie hätten kein Mitentscheidungsrecht daran, wie sie künftig leben. Wir wissen alle um die enormen Herausforderungen, die auf die nächsten Generationen zukommen, ob dies unsere Alterssicherung anbetrifft, den Klimaschutz, den Umbau der Wirtschaft, die Mobilität, den Bevölkerungszuwachs und die Migration, um nur einige Felder zu nennen.

Dank Internet sind die Jugendlichen heute schon früh über das Weltgeschehen informiert, zu sagen haben sie allerdings in der Realität nichts, was dazu führt, dass sie ihre Auseinandersetzungen mit unserer Welt im Internet austragen. Dabei bekommen viele Jugendliche ein falsches Bild von unserem demokratisch, gesellschaftlichen Partizipationsmodell.

Ich halte Jugendliche daher ab dem Alter von 15 bis 16 Jahren für geeignet und interessiert genug, an Wahlen teilzunehmen und damit eine verantwortliche Stimme zu erheben. Aber auch ein Kinderwahlrecht schließe ich nicht aus, meine allerdings, dass dieses im Interesse ihrer Kinder von Eltern wahrgenommen werden sollte. Es ist mir durchaus bewusst, dass dabei auch einiges mangels Qualifikation der Eltern schiefgehen kann. Allerdings erfährt gerade ein solches Wahlrecht eine verlässliche Bestätigung dadurch, dass die meisten Eltern im Interesse und zum Wohle ihrer Kinder wählen und deren Anliegen sorgfältig dadurch bestätigen würden.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Terror

Was sich täglich in den Köpfen der Menschen und auf der Straße terroristisch entwickelt, ist weit entgrenzt. Dem verbalen Terror in Medien und auf der Straße kann nicht mehr mit Polizeimaßnahmen und Justiz begegnet werden. Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Verachtung anderer Menschen bis hin zur blanken Zerstörungswut haben Besitz nicht nur von einzelnen Menschen, sondern auch Gruppen gewonnen und erobern sich zunehmend Deutungshoheit.

Dies wird verstärkt durch Klüngel und Parteien. Darauf mit Entsetzen und Abscheu zu reagieren, schafft Terrorismus nicht ab, sondern verstärkt nur dessen Auswirkung durch Selbstbestätigung der Protagonisten. Wer in der Gruppe stolz auf sein Verhalten ist, wird durch Angriffe auf dieses soziale Selbstverständnis in seiner Haltung noch bestärkt, anstatt zur Aufgabe bewogen.

Was könnte dann helfen? Möglicherweise der Ansatz, dass die Medien und wir in der Gesellschaft, auf der Straße und in der Politik davon reden, dass nicht nur unsere deutsche, sondern auch unsere europäische Errungenschaftsgemeinschaft ein Erfolgsmodell aller erster Güte ist. Ich persönlich möchte in keinem anderen Land der Welt leben. 70 Jahre ohne Krieg, ein Land, das liberal, offen und in der Lage ist, die Fehler ihrer Politiker zu verschmerzen, sich entwickelt, Einkommen sichert und jedem Menschen unfassbare Möglichkeiten eröffnet.

Es ist es wert, täglich dafür anerkannt und gelobt zu werden, anstatt es mit Hasstiraden zu überziehen. Mögen manche glauben, sie seien das Volk, aber ein Volk ist keine Momentaufnahme und schon gar nicht eine Gruppe, ein Volk sind alle Menschen, die in einem Gebiet leben und Völker in noch mehr Gebieten. Keiner kann sich anmaßen, mehr Volk als der andere zu sein und schon gar niemand ist berechtigt, dem anderen weißmachen zu wollen, er sei mehr Volk als er.

Wer sein Volk liebt, der freut sich an der Bundesfahne, der Hymne und der Vielfältigkeit der Menschen, die hier leben. Sie tun alle etwas dafür, dass es uns so gut geht, sei es im Osten, sei es im Norden, Süden oder Westen. All das, was für Deutschland gilt, gilt auch für Europa, wir verdanken ihm unsere Einheit, unseren Wohlstand, unser Glück und unsere Lebensperspektive.

Wir sollten uns zu Deutschland bekennen aus Respekt gegenüber unseren Vorfahren und aus Achtung gegenüber unseren Kindern, die dafür sorgen werden, dass es mutvoll und glücklich mit unserem Land weitergeht.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Gemeinwesen

Ja, ich leugne es nicht. Es gab auch eine Zeit, da wollte ich alles haben, Auto, Häuser, Reisen, aber vor allem Geld, um mir meine Wünsche zu erfüllen. Zu den Herausforderungen des Lebens gehört, so glaubte ich damals, dass man vor allem Eigentum und Besitz hat, Wohlstand, der Unabhängigkeit verschafft und Einfluss; Erben und Vererben gehörte nach meiner Vorstellung auch dazu. Davon ist wenig geblieben. Ein neues Auto brauche ich nicht. Ich fahre lieber mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Grund- und Wohneigentum sind eher hinderlich.

Das Leben ist zu kurz, um die hohen Anschaffungskosten zu bestreiten. Mieten ist flexibler und meist günstiger. Die Ausbildung meiner Kinder war mir viel wert. Da habe ich investiert und nicht zu knapp. Aber vererben? Warum? Unsere Kinder sind volljährig, haben gute Berufe und können für sich selbst sorgen. Erbschaften bringen nach meiner Erfahrung meist Streit und verhindern, dass man des Verstorbenen nett gedenkt. Meine Frau ist versorgt, meine Kinder erwarten nichts.

Lieber gebe ich mein Vermögen den Stiftungen, die sinnvoll und nachfrageorientiert Projekte realisieren. Selbstlos bin ich bei weitem nicht. Ich genieße ein selbstbestimmtes und wirtschaftlich unabhängiges Leben. Niemals, so sage ich mir, würde ich auf das Amt gehen und um Hartz IV oder Sozialhilfe nachsuchen. Die Menschen, die dies tun müssen, respektiere und verstehe ich sehr. Ihnen muss geholfen werden, aber nicht auf die Art und Weise, wie dies hierzulande geschieht.

Auch die Altersarmut ist ein großes Problem. Wie wenig ist heute der Satz von Kindern zu hören, dass sie später gerne für ihre Eltern sorgen wollen. Eine solidarische Familie, eine solidarische Gesellschaft kennt das beschämende Verzichten-Müssen nicht. Ich aber darf und kann verzichten, auf Geschenke, Kleider, den Konsum an sich. Wenn ich es recht bedenke, benötige ich sehr wenig, um zufrieden zu sein. Mein Verzicht ist freiwillig und effektiv. Ich spare damit nicht nur Geld, sondern arbeite an meiner Bedürfnislosigkeit, die hoffentlich im Alter noch wachsen wird.

In einer konsumorientierten Gesellschaft ist dies eine problematische Aussage, das weiß ich wohl. Aber vielleicht geht es doch mit ein bisschen weniger Verschwendung und Konzentration auf wesentliche Vorhaben, die ebenso Freude bringen, aber ressourcenschonender, weniger aufwendig und kostspielig sind. Einschränkung und Verzicht könnte ein Bildungsauftrag sein, der uns und den nächsten Generationen zugutekommt.

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Ruhe vor dem Sturm

Liebe Verwandte und Freunde, liebe Mitbürger und sonstige Lebewesen. Wir saufen in weniger als 100 Jahren ab. Alle bisherigen Berechnungsmodelle sind nicht gültig. Die subpolare Eisschmelze in der Antarktis wurde ebenso wenig bedacht wie der Salzrückgang in den Meeren und den damit einhergehenden neuen Wetterverhältnissen. Wir sind höchstwahrscheinlich erledigt. Vielleicht der eine oder andere von uns noch nicht persönlich, aber unsere Kinder und Enkel allemal.

In allen persönlichen Gesprächen, die ich führe, erfahre ich ausschließlich besorgte Zustimmung, doch seitens der Wissenschaft tut sich nichts, weil sie nicht politisch sein will und seitens der Politiker tut sich auch nichts, weil sie von Wissenschaft keine Ahnung haben. Unterschwellig denken wir ohnehin, wie seinerzeit beim angekündigten Baumsterben, so schlimm wird es nicht werden, ist ja immer alles gut gegangen und schließlich muss unser Wohlstand auch gesichert bleiben.

Doch Wohlstand wofür, wenn Hamburg evakuiert werden muss und mit der ersten Flutwelle Inseln und große Teile Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommern verschwinden. Auch Holland und Dänemark gehören wie Polen zu Europa. Versunkene Städte wie ehemals Alexandria in Ägypten. Bis die Städte implodieren, ähneln sie Venedig, das ebenfalls versunken sein würde. Die Überschwemmung, das Desaster trifft nicht sofort jeden, sondern entwickelt sich allmählich. Allerdings wird der von Menschen bewohnbare Raum immer enger bei steigender Bevölkerungszahl.

Die Menschen streben dorthin, wo sie zumindest noch eine Zeit lang zu überleben hoffen. Die Auseinandersetzung zwischen den einheimischen Besitzstandswahrern und den Eindringlingen nimmt zu. Es widerspricht nicht unserer Logik, dass verheerende Seuchen und kriegerische Auseinandersetzungen ungeahnten Ausmaßes für eine Dezimierung des Lebens sorgen werden, damit zumindest Einige noch überleben können. Was ist zu tun?

Wir müssen Wissenschaft und Politiker herausfordern, Pläne für die Zukunft der Menschheit zu entwickeln, statt sich über Handelsabkommen, Stakeholder Value und Rentenversicherungen zu verzanken. Offenbar haben wir nicht begriffen, worauf es in dieser Welt ankommen wird und schenken jedem Fernsehkoch mehr Aufmerksamkeit, als einem ernstmeinenden Wissenschaftler. Wir selbst sind begriffsstutzig und erlauben es daher, einfältigen Politkern, sich um alles zu kümmern, bis auf das: die Rettung der Menschheit, die Rettung unseres Planeten im Interesse künftiger Generationen und aller von uns abhängigen Lebewesen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski