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Zukunft

Good-Future-Dialog – was ist eine gute Zukunft – als Zukunftsdenker angesprochen, wurden die Teilnehmer einer vom Veranstalter bunt gemischten Runde ersucht, ihre Impulse für eine gute Zukunft auszutauschen. Das Engagement der Teilnehmer war durchaus beeindruckend und für mich – insoweit wenig überraschend – außerordentlich erfreulich, wenn dabei SDG und ESG, Nachhaltigkeits- und Gemeinschaftssinn mit auf dem Plan stehen. Tun sie das dann aber auch?

Vergegenwärtigen wir uns: Die Welt wird nicht durch das Meinen gestaltet, sondern es wird auf das Handeln ankommen. Dafür ist zunächst der Sinn für die Realitäten zu schärfen. Um Realitäten wahrzunehmen, bedarf es des klaren Blicks auf alles, im Ganzen und im Detail. Da aber vom ungetrübten Blick auf die Realitäten allein noch keine Handlungsempfehlung abzuleiten ist, muss das Wahrzunehmender mit der Vorstellungskraft zum Möglichen und Erwünschten angereichert werden.

Mut, Tatkraft, Vertrauen. All dies sind Wegbegleiter bei einer zukunftsgestaltenden Arbeit, die nachfrageorientiert eingestellt ist und sich nicht ein angeblich bereits vorhandenes Wissen anmaßt, frei nach dem Motto: „Ich weiß, wie Zukunft geht!“

Zukunft ist etwas noch nicht Vorhandenes. Zukunft ist auch nichts Verlässliches, sondern lediglich Erfahrbares, wenn sie sich realisiert. Zukunft zu gestalten als Pflichtaufgabe derjenigen Menschen, die sie erleben wollen, kann sehr reizvoll sein, wenn die Erwartungen, die mit ihr verbunden werden, schon heute eine passende Instrumentalisierung erfahren. Dabei geht es um diejenigen Werkzeuge, die junge Menschen schaffen wollen, um künftigen Herausforderungen auf allen Lebensgebieten persönlicher, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Art gewachsen zu sein. Möglicherweise sind dabei auch ältere Menschen erzählend gefragt, um kühne Zukunftsvisionen mit ihren Lebenserfahrungen in einen Dialog zu bringen, ausgestandene Irrtümer zu benennen, Versäumnisse, wenn dies erwünscht sein sollte, zu korrigieren, um dann gemeinsam Markierungen für eine neue Zeit, also die Zukunft zu setzen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Parallelwelten

Wie soll das gehen, Parallelwelten?

Wir atmen dieselbe Luft, essen, trinken, haben Wohnungen oder leben auf der Straße, bewegen uns in der Regel im gleichen Tagesrhythmus, werden geboren, leben und sterben. Natürlich jeder für sich, aber wir haben strukturell die gleichen Lebenserwartungen. Natürlich leben wir nebeneinander her, jeder für sich, in seiner Familie, Beruf und Freizeit. So lebt halt jeder in seiner Blase. Und wieso sollen dies Parallelwelten begünstigen oder ausdrücken?

Vielleicht deshalb, weil genetisch und sozial, meist bereits vor der Geburt eines Menschen, Voraussetzungen für die lebzeitige Zuweisung von Vorteilen in einer Welt geschaffen wurden, die so konstruiert und konditioniert ist, dass eine Veränderung des eigenen Status erschwert ist bzw. meist ganz ausscheidet. Der systemimmanente Widerspruch zwischen den unterschiedlichen Welten kann zwar negiert, aber nicht beseitigt werden.

Das mag schädlich sein, kann als ungerecht empfunden werden und ist sogar Auslöser vieler Auseinandersetzungen bis hin zu Kriegen. Sie entsprechen aber einer Realität, die weder durch Appelle und Argumente noch durch deren Negieren beseitigt oder verändert werden kann. In der Akzeptanz anderer Welten kann jedoch auch eine Bereicherung für die Entwicklung eigener Möglichkeiten durch Zuwendung, wie auch durch Wettbewerb geschaffen werden.

Wenn dies gefährdungsfrei geschieht, haben alle Bürger der unterschiedlichsten Welten eine Chance, die Zukunft einsichtiger, vielfältiger und damit ertragsreicher zu erleben. Es empfiehlt sich der weite Blick.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Preis

Alles hat seinen Preis! Wer hat diesen unerbittlichen Satz nicht schon öfters vernommen? Und er trifft ins Schwarze. Alles hat seinen Preis. Der Preis schafft ein Gleichgewicht zwischen den Ansprüchen und den Möglichkeiten, diese zu befriedigen.

Hätte die Verwirklichung unserer Ansprüche keinen Preis, wären sie uferlos. Der Preis dämpft unsere Möglichkeiten, spornt aber unsere Kräfte an und schafft denjenigen Vorteile, die sich schließlich den Preis leisten können. Ist das ungerecht?

Eher nicht, denn auch diejenigen, die sich einen höheren Preis als andere leisten können, werden sogar abwägen, ob sie zugreifen, oder vielleicht eher darauf setzen, dass der Preis nachgibt. So erkennen wir, dass der Preis eine Spiegelung unserer eigenen Verhaltensweise ist, unserer Begehrlichkeit, unseres Charakters, unserer Opferbereitschaft, unserer Begierde, unseres Verzichts und sogar unserer Vernunft.

So, wie der Preis damit Ausdruck unserer selbst ist, verleitet er uns, ihn zur Durchsetzung unserer Vorhaben zu nutzen und zu demonstrieren, dass wir größer, leistungsfähiger und sogar mächtiger als andere Menschen sind. Wir setzen die Preise fest. Indem wir den Preis aber instrumentalisieren und zum Maß aller Dinge machen, bewerten wir uns selbst und alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu handeln, zu tauschen, zu horten und umzuschichten.

Der Preis wird so das Gewicht, das die Waage zu bändigen vermag, Zukunft ermöglicht oder einschränkt. Der Preis bestimmt unseren Einsatz, kalkuliert unseren Gewinn oder besiegelt das Ende sämtlicher Möglichkeiten: Der Preis ist zu hoch.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Walther Rathenau – Zukunft. Gegenwart. Vergangenheit

WR. Jemand mit Weitblick. Jung. Modern. Zeitlos. Spricht von den kommenden Dingen. Spricht uns an. Unsere Gegenwart und Zukunft, spricht von Disruption, Digitalisierung, Co-Working, Ethik und Philanthropie. Wirtschaft neu denken, komplex, kybernetisch, kooperativ und ethisch. Er setzt Impulse. Gesellschaft 4.0. Zukunft. Gegenwart. Vergangenheit. One World. WR: His World. Our World. Perspektiven, Weblösungen, Visionen, Realitäten: Sehen. Hören. Handeln. Allein. Gemeinschaftlich. Im Wettbewerb. Save. Preserve. The Planet. Attraction. Idea. Desire. Action. (AIDA) WR wirkt auf allen Gebieten, privat und öffentlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich, interdisziplinär, kohärent, komplex, kybernetisch und integrativ. Er bietet Lösungen und Handlungsempfehlungen auf allen Gebieten des Wirkens in Politik und Gesellschaft an, auch Beiträge bei der Bewältigung künftiger Herausforderungen. WR steht für WQ und IQ, steht für die Integration aller Einflüsse der Wirtschaft, der Kultur des Geistes und der Politik. WR ist aufnahmebereit, neugierig, analytisch, emotional, spirituell und komplex.

WR ist Seismograph der Jetzt-Zeit, erspäht die Zukunft und sichert diese durch die Erfahrungen der Vergangenheit ab. Wir verdanken dem, der von den kommenden Dingen sprach, die Physiologie des Geschäfts entdeckte und im politischen, wie im geschäftlichen Bereich erfolgreich wirkte, die Bestätigung, dass neue Formen des Miteinanders entwickelt werden können, und zwar sowohl im ökonomischen als auch im politischen und zwischenmenschlichen Bereich. „WR“ ist das Branding einer erfahrungserprobten Zukunft. Die Zukunft speist sich aus den Daten der Menschen, deren Verfügbarkeit und deren digitaler Aufbereitung mit Hilfe der Algorithmen in einer neuen Sprache, die aber auch der menschlichen Entwicklung entspricht. Diese ist der Schlüssel für neue Betätigungsformen menschlichen Handelns in der Wirtschaft, der Philanthropie und der Gemeinschaft, wobei dem Handeln keine Grenzen gesetzt sind.

WR sagt: Dass ich ermordet wurde, steht fest. Ich bin tot, aber sehr lebendig. Schaut durch eure 3-D-Brillen, dann seht ihr, dass es kein Anfang und Ende von Geschichte gibt. Ich war, bin und werde sein. Ich bin WR und berichte von den kommenden Dingen:

Der Kapitalismus ist mega out. Streit, Gier und Habsucht sind Geröll der Vergangenheit. Die Zukunft verheißt die Menschenbeschäftigung in komplexen Formen der Ökonomie und der Philanthropie, im gemeinschaftlichen Denken trotz Disruption. Es heißt Abschied nehmen von der Vergangenheit, ohne ihren Sinn zu leugnen. Entwicklungen beruhen auf Erkenntnissen und nicht auf Zerstörung. Design Thinking. Zusammenarbeit und Gemeinsinn werden unser Leben bestimmen und Chancen eröffnen, diesen, unseren Planeten zu retten und dafür zu sorgen, dass wir uns auf die uns gestellten Aufgaben freuen. Let´s do it!

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Tradition

Unserem Zeitverständnis entsprechen die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Deshalb ist es schwer, in bestimmten wesentlichen Fragen des Zusammenlebens auf unserem Planeten eine Übereinstimmung zu finden. Wenn die Zukunft eine geringe oder überhaupt keine Rolle spielt, können Klimakrisen, Naturkatastrophen, überhaupt Szenarien, mit der sich unsere Kinder und Enkelkinder auseinanderzusetzen haben, in keiner Weise aufschrecken.

Das mangelnde Verständnis für die Zukunft führt konsequent zur eingeschränkten Tätigkeit in der Gegenwart. Alle Kulturen fühlen sich zwar aufgerufen, die Gegenwart zu gestalten, aber mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen. Während zukunftsgewandte Kulturen die kommenden Generationen mit bedenken, bedienen sich Kulturen, bei denen nur Vergangenheit und Gegenwart zählen, der überlieferten Erfahrungen als Instrument der Gegenwartsbewältigung.

Die Vergangenheit ist sicher ein guter Lehrmeister, wenn es darum geht, aus Irrtümern und Fehlern Schlüsse zu ziehen und zu lernen, wie alles besser gemacht werden könnte. Wenn allerdings die Vergangenheit nur die Blaupause für die Gegenwart darstellt im Sinne einer Selbstvergewisserung, dass unsere Väter und Mütter schon die richtigen Entscheidungen getroffen hätten und auch alles gut gegangen sei, so verkennt diese Betrachtungsweise, dass sich Gegenwart und Zukunft ohne Rücksicht auf vergangene Gewissheiten entwickeln wird.

Klimakrisen, wie die derzeitige, gab es in der Weltgeschichte zwar auch schon, waren aber von Menschen nicht erlebbar, weil sie noch nicht vorhanden waren. Schon eine agrarisch geprägte Menschengesellschaft entsprach nicht mehr einer Gesellschaft zu Zeiten der industriellen Revolution und diese ist auch nicht mit unserer heutigen vorwiegend digital geprägten Gesellschaft vergleichbar. Wer aus der Tradition nicht das Bemühen um Zukunft abzuleiten vermag, wird vermutlich scheitern.

Darin besteht zudem das heute erkennbare Problem fundamentalistischer Religionen, denn sie verschließen sich der Zukunft. Das Christentum hat offensichtlich ein anderes Zeitverständnis und bedient sich der Tradition als Versicherung der Zukunft der Menschen auf dem Weg zu ihrer Erlösung. Insofern sind christliche Religionen in der Regel zukunftsgewandt und könnten versucht sein, Phänomene, wie die Digitalisierung in den religiösen Vorstellungskodex zu integrieren.

Das Problem dabei ist allerdings, dass Religionen, die generell keine weiteren Götter zulassen, eine große Konkurrenz in gottähnlichen Avataren haben, die sich im Internet entwickeln könnten. Die christliche Religion überzeugt den Menschen davon, dass der Mensch Gottes Werk sei und ihm alle Eigenschaften verliehen sind, die ihn zum Menschen machen einschließlich Sprache, Emotionen und Handlungsweisen.

KI, AI, Chatbots und jedes roboterähnliche Wesen verweisen auf eine Schöpfungsgeschichte, die den Menschen selbst ermächtigt und eine religiöse Vergewisserung unnötig macht. Während christliche Religionen noch hilflos mit dieser ungenauen Zukunft umgehen, haben traditionalistische Religionen sich zur Unterdrückung und Abwehr entschieden. Traditionell haben alle Religionen und Kulturen etwa das gleiche Verständnis vom Menschen, unterscheiden sich aber fundamental in der Gegenwarts- und Zukunftsbetrachtung.

Die Zukunft zu begreifen ist aber unerlässlich, um in der Gegenwart so zu handeln, dass unsere Kinder und Enkelkinder eine Zukunft haben. Trotz allem kulturellen Verständnis ist die Zukunft kein religiöses oder philosophisches Phänomen, sondern sehr real.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Wahlrecht

Wessen Zukunft wird gerade verhandelt? Es ist – wie immer – die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder. Welches Gestaltungsrecht räumen wir dieser kommenden Generation ein? Keine bemerkenswerte, sieht man einmal von einer gewissen medialen Aufmerksamkeit bei Fridays for future und anderen Plattformen ab. Es sind aber die Kinder und Jugendlichen, die für uns den Kopf hinhalten, wenn es um Demokratie, Klima und auch künftigen Wohlstand geht.

Mit „altem“ Geld und „alten“ Rezepten sind die an unsere Kinder gestellten Herausforderungen nicht zu meistern. Wir haben Kinder in die Welt gesetzt und gegen unsere Enkelkinder nicht protestiert. Das war unverantwortlich, wenn wir glauben sollten, sie hätten kein Mitentscheidungsrecht daran, wie sie künftig leben. Wir wissen alle um die enormen Herausforderungen, die auf die nächsten Generationen zukommen, ob dies unsere Alterssicherung anbetrifft, den Klimaschutz, den Umbau der Wirtschaft, die Mobilität, den Bevölkerungszuwachs und die Migration, um nur einige Felder zu nennen.

Dank Internet sind die Jugendlichen heute schon früh über das Weltgeschehen informiert, zu sagen haben sie allerdings in der Realität nichts, was dazu führt, dass sie ihre Auseinandersetzungen mit unserer Welt im Internet austragen. Dabei bekommen viele Jugendliche ein falsches Bild von unserem demokratisch, gesellschaftlichen Partizipationsmodell.

Ich halte Jugendliche daher ab dem Alter von 15 bis 16 Jahren für geeignet und interessiert genug, an Wahlen teilzunehmen und damit eine verantwortliche Stimme zu erheben. Aber auch ein Kinderwahlrecht schließe ich nicht aus, meine allerdings, dass dieses im Interesse ihrer Kinder von Eltern wahrgenommen werden sollte. Es ist mir durchaus bewusst, dass dabei auch einiges mangels Qualifikation der Eltern schiefgehen kann. Allerdings erfährt gerade ein solches Wahlrecht eine verlässliche Bestätigung dadurch, dass die meisten Eltern im Interesse und zum Wohle ihrer Kinder wählen und deren Anliegen sorgfältig dadurch bestätigen würden.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Unkenrufe

Trotz aller Unkenrufe, unsere Zukunft ist rosig! Wieso? Ganz einfach! Wir haben die Zukunft vor uns. Wir können sie gestalten. Die Zukunft ist wie eine Leinwand, die darauf wartet, bemalt zu werden oder wie ein grober Stein, der sich auf sein Behauen werden freut oder ein zartes Pflänzchen, das trotz Wind und Wetter zur robusten Pflanze erstarkt. Die Zukunft kann uns nichts anhaben. Sie ist nicht die vorweggenommene Vergangenheit, die wir bereits ausgenutzt oder verwüstet haben.

Aller Anfang ist neu. Wir haben allen Grund, zuversichtlich zu sein. Wären wir dies nicht, wäre es unverantwortlich, Kinder in die Welt zu setzen, zu lieben, zu genießen und sich zu freuen. Es wäre dann besser, alle Aktivitäten einzustellen, das Jetzt zu verbrauchen, zu packen und von dieser Erde zu verschwinden. Wir können ohne Zukunft nicht leben und es gibt keinen Grund, diese schwarz zu malen. Das zu tun, ist vor allem unverantwortlich gegenüber unseren Kindern, denen wir eine rosige Zukunft versprechen müssen, um sie nicht zu entmutigen, denen wir Kraft und Gelegenheit geben müssen, alles ein bisschen besser zu machen, als wir es getan haben, sei es bei Klimaschutz, der digitalen Entwicklung und der Menschlichkeit.

Wenn uns die Zukunft Angst machen sollte, dürfen wir dieses Muster nicht verabsolutieren. Unsere Angst beruht auf unserer Erfahrung, unserer Einschätzung und Vorbehalte. Wer sagt denn, dass unsere Kinder dies genauso sehen müssen? Möglicherweise haben sie Rezepte, die weit besser geeignet sind, mit Schwierigkeiten umzugehen als wir sie haben. Ich vertraue da ganz auf meine Kinder und Enkelkinder und sehe in ihren Augen und Verhaltensweisen eine große Neugier auf eine Welt, die sich ihnen öffnet und auch mir eine Chance gibt, sie bei ihrem Tun zu beobachten. Auf eine rosige Zukunft!

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Über dem Niveau

Auf Dauer ist das derzeitige Rentenniveau nicht zu halten. Darin sind sich Experten und Politiker einig. Statt die öffentliche Hand sollen Betriebsrenten richten, was der Generationenvertrag nicht mehr zu bieten vermag. Generationenvertrag? Dieses als sinnvolles Instrument der Rentensteuerung einmal erdachte Konstrukt taugt nicht mehr. Tatsächlich leeren sich die Rentenkassen und ein Versprechen in die Zukunft ist nicht mehr zu halten, sondern jeder ist sich selbst auch persönlich der Nächste, die Alten wie die Jungen, gesellschaftlich und privat.

Eine Solidargemeinschaft zu fordern, aber sie dennoch nicht zu bekommen, verschärft die ohnehin dramatische Situation. Worte reichen nicht. Gibt es tatsächlich Alternativen? Vielleicht die Einrichtung einer Generationenbank als Pflichtsparkasse. Das Programm lautet: Du bekommst, was Du zu Lebzeiten eingezahlt hast, sei es an erbrachten Eigenleistungen, sei es an Geld. Du kannst abheben, wenn Du Leistungen benötigst. Zum Beispiel hast Du Leistungen erbracht, die entsprechend bewertet werden und die als Rentenverstärkung nützen, wenn der Pflegeaufwand geringer ist als erwartet.

Ansonsten gilt: Wer Pflegeleistungen erbracht hat, bekommt ebenfalls Pflegeleistungen. Wer gegeben hat, dem wird gegeben. Eine Gesellschaft, die im Übrigen die Aufmerksamkeit wieder für sich entdeckt, wird auch Ehrenleistungen denjenigen nicht versagen, die sich um das Land, die Gesellschaft und ihre Bürger verdient gemacht haben. Dadurch werden Leistungsanreize auch für Menschen geschaffen, die sich mit eigenem Engagement sonst eher zurückgehalten hätten. Je selbstbewusster die Zivilgesellschaft dank der von ihr eingerichteten Generationenbank unter Solidargesichtspunkten selbst für eine würdige Alterssicherung sorgt, desto mehr entlastet dies nicht nur den Staat, sondern kräftigt auch die Bürgergesellschaft.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Vergehende Zukunft

„Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran.“ So hieß in einem Lied der Gruppe „Fehlfarben“. Ja, das ist richtig. Geschichte wird gemacht in einem Gestaltungsprozess derjenigen, die in einer bestimmten Zeit unter bestimmten Umständen leben. Sie tragen die Bürde der Vergangenheit und gestalten eine Zukunft, die ihnen selbst trotz aller Prognosen ungewiss ist. Geschichte erscheint in der Nachschau oft sehr faktisch, überprüf- und ausdeutbar. Aufzeichnungen, Quellen und Dokumente erlauben eine Betrachtung, die das Prozessuale der Geschichte erkennen lassen.

Ordnung wirkt beruhigend und auch neue geschichtliche Erkenntnisse lassen sich bei allen unterschiedlichen Sichtweisen zumindest vorläufig stimmig einordnen. Würden man indes Geschichte ihrer Faktizität entkleiden, würde sich ein Chaos offenbaren, für welches wir keine Begrifflichkeiten finden könnten. An geschichtlichen Prozessen ist alles beteiligt, was Umstände und Bedingungen innerhalb und außerhalb des menschlichen Bereichs individuell und kollektiv ausmacht.

Geschichte ist der Moment der Bejahung und Verneinung, die Gunst des Planeten und widriger Umstände. Alles sublimiert sich in der Aneinanderreihung oder Clusterbildung von Momenten, pulsierend noch auch in entferntester Vergangenheit als auch schon in unvorstellbarer Zukunft. Geschichte ist unausweichlich, folgt der Logik seiner Zeit und wird bestimmt von Faktoren, die selbst nur vorläufig sind. Um die etwas kryptische Umschreibung zu verdeutlichen, meine ich, dass wir Einfluss nehmen sollten, aber nur bedingt Einfluss nehmen können auf den Verlauf der Geschichte.

Wir sollten nicht erschrecken vor Entwicklungen, die wir in vertraute Geschichtsbetrachtungen nicht einordnen können. Der technische Fortschritt, Bevölkerungsexplosionen, Klimaveränderungen und Kommunikation. All dies setzt geschichtliche Impulse frei, die uns als Akteure unerwartet handeln lassen müssen. Geschichtliche Muster der Vergangenheit jedenfalls taugen dazu nicht. Das werden über kurz oder lang auch diejenigen spüren, die noch glauben, alte Ordnungen und Herrschaftssysteme seien zukunftstauglich. Alles hat sich geändert und wird sich ändern. Auch wir.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski