Leere

Leere wird zuweilen als schöpferisch beschrieben. In der Leere können sich Gedanken entwickeln, die Impulse setzen für wichtige Erkenntnisse. Zuweilen hat Leere aber auch mit Ermattung zu tun, sich leer zu fühlen bedeutet dann, unproduktiv zu sein, leistungsunfähig und unmotiviert. Leere beim Menschen signalisiert aber gelegentlich auch Ratlosigkeit angesichts der prallen Welt voller Versprechungen, die ihrerseits für leer gehalten werden oder sich als solche herausstellen.

Die Leere korrespondiert dann mit der Entfremdung, der Erkenntnis, unter anderen Menschen zu leben, zu reagieren und zu funktionieren, ohne selbst wahrgenommen zu werden und unfähig, den Anderen ebenfalls wahrzunehmen. In dieser Leere funktioniert die Kommunikation trotz aller Gesten und Geschwätzigkeit nicht mehr. Mensch, werde wesentlich. Die Wesentlichkeit eines Menschen vermag die Leere zu füllen, den Platz zu besetzen, der der Leere eingeräumt wurde.

Wenn wir Menschen wieder Durst empfinden nach Inhalten, und zwar nicht nur in Bezug auf die Erklärung unseres Seins, sondern auch nach Gestaltung unseres Seins, dann ist die Leere eine notwendige Voraussetzung, um mit Mut und Veränderungswille jenseits der Selbstbespiegelung Neues zu entdecken.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski