Sprache

Sprache ist eine Ausdrucksform. Jede Geste ist auch Sprache. Sprache ist an Worte nicht gebunden. Sie erleichtern aber zuweilen die Kommunikation im gleichen Ausdrucksbereich. Kein Sprachausdruck ist eindeutig. Die Sprache ist ein Wahrnehmungsmoment des Sprechenden und des Empfängers. Die Resonanz zwischen Sprechendem und dem Hörenden sind Näherungen, aber keine Übereinstimmungen. Der empfängerorientiere Sprechende hofft, dass dieser ihn verstehen möge.

Den selbstverliebt Sprechenden oder Gestikulierenden entgeht jede Resonanz, zumal dann, wenn der angebliche Empfänger selbst nur Sender ist. Sprache und Gesten können so ihren Sinn verfehlen, zum Austausch beizutragen und ein Ergebnis des Dialogs zu erarbeiten.

Je einfacher die Sprache, desto überschaubarer die Wirkung. Komplexe sprachliche Aussagen schärfen zwar zum einen Aufmerksamkeit, provozieren aber auch Missverständnisse, die dann geklärt werden sollten, um den falschen Eindruck zu korrigieren. Falscher Eindruck? Korrekturmöglichkeiten nach Opportunität und Belieben? Viele von uns wünschen sich dies. Keine Eindeutigkeiten, sich nicht festlegen zu müssen, ist oft gewünscht. Sprache ist bekanntlich nicht nur das Phänomen eines Kulturkreises.

Es ist daher oft versucht worden, das weltweit Verbindliche auch in der Sprache darzustellen. Doch Esperanto ist noch Wunschdenken. Bei den vielen Völkern, die inzwischen zu uns gekommen sind, leiden wir zwar einerseits wechselseitig unter der mangelnden Verständigungsmöglichkeit, andererseits erfahren wir aber eine Ausweitung unseres Sprachvermögens nicht nur begrifflich, sondern als steten Zufluss von Gesten und Verhaltensweisen, die unsere Sprache positiv verändern werden. Das haben andere Sprachen auch getan, das Französische, das Holländische, das Polnische, das Jüdische, das Englische und jetzt die globale sprachliche Herausforderung.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski