Wie wäre es damit, dass wir einmal ganz anders denken. Dies könnte so geschehen, dass nicht wir ein Geschäftsmodell haben, welches wir umsetzen wollen, um daraus für uns Profite zu ziehen, sondern das Modell von denjenigen bestimmt wird, die es angeht: den Mietern, den Pflegebedürftigen, den Verbrauchern und Erholungssuchenden, um nur einen Teil des potentiellen Klientels zu benennen.
Es geht mit anderen Worten um Stakeholder Value „first“, Shareholder Value „second“. Es geht darum, den Akteuren nicht nur ein ausgeformtes Duldungsrecht zu gewähren, sondern sie in das Zentrum des Handelns zu stellen. Wohnen, Essen, Trinken, Arbeiten und Kommunikation sind Primärrechte eines jeden Menschen, die er einfordern kann. Zurückzuweichen haben dabei sämtliche Profitinteressen derjenigen, die in der Lage sind, entsprechende Vorsorgen zu gestalten.
Im Shareholder-Kontext des Kapitalismus sind die Bedürfnisse der Menschen der Impuls für ein Geschäftsmodell, das in erster Linie nicht darauf gerichtet ist, diese Bedürfnisse zu befriedigen, sondern dies der Bedürfnisbefriedigung Gewinne zu erzielen. Viele halten ein solches Modell für alternativlos, weil sie glauben, dass nur dann Menschen bereit sind, etwas zu tun, wenn sie den Eigennutzen, den sie daraus ziehen, vorab kalkulieren können. Dabei schränken sie aufgrund Kurzsichtigkeit die Möglichkeit umfassendere Gewinne zu erzielen, erheblich ein.
Die vorbeschriebene Art der Gewinnerzielung geht oft einher mit Misstrauen, Argwohn und Konfrontation. In einer Verantwortungsgemeinschaft von Stakeholdern dagegen ist es durchaus denkbar, dass die Gewährung von Leistungen rekompensiert wird mit Anerkennung, Verlässlichkeit, Respekt und Ehrlichkeit, um nur einige Aspekte zu nennen. Die Vorteile liegen auf der Hand.
Von den Leistungserwartungen der Stakeholder aus gedacht, verringern sich die Reibungsverluste und werden im konkreten Fall zum Beispiel Abfall vermieden, Wohnraum erhalten, überhaupt eine sozialverträgliche Umwelt gestaltet. Hier wurde bisher wenig erprobt, und zwar deshalb, weil viele immer noch glauben, dass nur die Erwerbssucht der Menschen und das Versprechen eines lebseitigen monetären Zugewinns motivierend sein kann.
Dabei könnte ein Umdenken unerwartete Potentiale freisetzen, Abgrenzungen öffnen und zu einem Miteinander führen, das wir dringend benötigen, um Zukunftsaufgaben zu lösen, für die der jetzige Kapitalismus nicht geschaffen ist.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski