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Erfolgstraining

Dem „kleinen goldenen Buch“ des Dale Carnegie Erfolgstrainingsunternehmens entnahm ich folgende Empfehlungen aus dem Werk des Dale Carnegie „Wie man Freunde gewinnt“.

„Gewinnender Auftreten“

  1. Kritisieren, verurteilen und klagen Sie nicht.
  2. Wecken Sie in Anderen lebhafte Wünsche.
  3. Lächeln Sie.

„Führen Sie“

  1. Beginnen Sie mit Lob und aufrichtiger Anerkennung.

„Ein guter Weg, Sorgen und Ängste zu überwinden“

  1. Beten Sie.

Die Liste der guten Regeln ließe sich fortsetzen. Keine der in diesem Büchlein ausgesproche­nen Empfehlungen habe ich als esoterisch überzogen eingeordnet. Vielmehr vermitteln die Empfehlungen Binsenweisheiten, die den Umgang mit anderen Menschen sympathischer und erfolgversprechender gestalten. Eigentlich bedürfte es weder dieses Büchleins, noch kosten­intensiver Trainingsprogramme, um ein „Lächeln“ wieder auf die Gesichter anderer Menschen zu zaubern oder mir selbst ein „Danke“ zu entlocken.

Aber es ist offenbar so, dass das Selbstverständliche in unse­rer Gesellschaft nicht selbstverständlich ist, sondern Bestätigungen und Ermutigungen eingeübt werden müssen, um berufliche und private Erfolge herbeizuführen. Was bedeutet das nun für uns Menschen? Benötigen wir ein taktisches Training, um andere anzulächeln? Ist Beten die taktische Ultima Ratio auf dem guten Weg, Sorgen und Ängste zu überwinden?

Wer kein gläubiger Mensch ist, dem dürfte das Beten auch nicht helfen. Derjenige, der anderen Men­schen nicht gutgesonnen ist, scheitert zumindest innerlich am Verständnis für andere Men­schen. Ist die Identität zwischen dem eigenen Verhalten und der inneren Einstellung nicht gewahrt, dürfte die Erfolgsausbildung scheitern, ja sogar das Misstrauen daran genährt werden, dass das Training nur einem einzigen Ziel dient, Erfolg zu haben, d. h. sich gegen­über anderen mit seinen eigenen Interessen durchzusetzen. Gelingt das wirklich?

Ich habe da meine Zweifel, verstehe aber auch sehr gut, dass die Trainingsprogramme zumindest für die Zeit der Ausbildung das wohlige Gefühl vermitteln, alles sei einfach und erreichbar, wenn man nur will und sich an die wohlmeinenden Empfehlungen hält. So gehört die Ausbildung in den Trainings­zentren selbst zu den schönsten und bleibendsten Erlebnissen der Teilnehmer, schafft Verbin­dungen, vielleicht sogar Freundschaften. Da draußen in der Welt der Selbstverwirklichung, von Ansprüchen und Gier sieht dann schnell die teuerste Empfehlung oft sehr alt aus.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Beschäftigung

Junge Menschen haben häufig ein distanziertes Verhältnis zur Ausbildung. Dies beruht zum einen auf einer zu langen Ausbildungsdauer, zum anderen auf dem Misstrauen gegenüber der Richtigkeit und Verlässlichkeit von Ausbildungsinhalten. Kinder und Jugendliche sind im Zuge ihrer Entwicklung einer steten Veränderung unterworfen. Ihr Lebensumfeld entwickelt sich jedoch nicht oder nur schwerfällig.

Die Modelle bleiben die alten. Sie passen sich den jungen Menschen nicht an. Junge Menschen sind flexibel und digital aufgerüstet. Der Unterschied von Umfeld und eigener Erwartungshaltung führt zur Frustration, denn für den jungen Menschen ist es immer Zeit für den Aufbruch. Jugendliche wollen sich bewähren, ihre Kräfte messen.

Damit sind nicht nur die körperlichen Kräfte, sondern auch ihre emotionalen und geistigen Kräfte gemeint. Es ist oft zu beobachten, dass sogenannte bildungsfeindliche und scheinbar aggressiv ablehnende Kinder und Jugendliche sofort zur „Sache“ gehen, wenn es ein Problem gibt, welches sie lösen können. Sie wollen gerne etwas tun, aber die Reaktion der Erwachsenen ist häufig: „Das kannst Du noch nicht, dafür bist Du noch viel zu jung und unerfahren.“

Mit solchen Reaktionen machen wir generationenübergreifend Fehler. Wir können unsere Kinder und Jugendliche nicht für uns gewinnen, wenn wir ihnen keine Beschäftigung geben, sondern glauben, ihr Kopf müsse mit Lehrstoff vollgestopft werden, dann kämen sie nicht auf dumme Gedanken. Aber dann schlagen sie doch plötzlich aufeinander ein, quälen einander, verprügeln Lehrer, rauchen und trinken, schneiden sich tiefe Wunden ins Fleisch und brüllen Parolen.

Das haben weder die Gesellschaft noch die Eltern gewollt. Darauf kommt es aber überhaupt nicht an. Die Jugendlichen gestalten ihren Raum oft deshalb nicht, weil wir glauben, ihnen diesen zuweisen zu müssen. Für sie ist dieser durch uns vorgeschriebene Raum aber oft eng, lieblos und ohne Ideale. Wir aber müssen unseren Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten eröffnen, sich selbst auszuprobieren und zu beweisen. Nur damit erkennen sie ihre eigenen Fähigkeiten. Auf etwas stolz zu sein und Anerkennung zu erfahren, ist für alle Menschen wichtig, besonders aber für Kinder und Jugendliche, weil Selbstzweifel oft in Aggressionen umschlägt. Dies mit verheerenden Folgen für den Jugendlichen selbst, seine Familie und die ganze Gesellschaft.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Dienst an der Gemeinschaft

Wer erinnert sich noch an das Haushaltsjahr, welches für junge Frauen in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts verpflichtend war? Erinnert sich auch noch jemand daran, dass die Teilnahme am Grundwehrdienst oder Ersatzdienst für junge Männer ebenfalls verpflichtend war? Als der damalige Verteidigungsminister von Guttenberg für die Abschaffung dieser Dienste sorgte, waren viele damit einverstanden. Der Staat hatte weniger Ausgaben und junge Männer früher die Möglichkeit, sich beruflich zu bewähren oder weiter zu qualifizieren, Familie zu gründen, überhaupt ein freieres Leben zu führen.

Doch was ist daraus geworden? Junge Menschen haben mehr Zeit für sich, lernen aber nicht, dass auch die Gemeinschaft sie beanspruchen darf. Eine Gemeinschaft räumt zwar Rechte ein, mutet aber auch Pflichten zu, die jeder lernen muss, ihr gegenüber zu erbringen. Wenn aber der organisierte Anstoß fehlt, wie sollte dies gelingen? Die Menschen dieser Gemeinschaft, also auch unsere Kinder, werden älter und sind auf Hilfe angewiesen. Wer soll, wenn junge Menschen keine Möglichkeit hatten, diese zu erproben, jemals eine solche Aufgabe übernehmen?

Die Aufnahme von Menschen in eine Gemeinschaft hat immer auch mit Ausbildung zu tun. Ist diese unterblieben, kann der Mensch in der Gemeinschaft nicht ankommen. Eine Gemeinschaft, die alle Belastungen des Einzelnen entsorgt, stellt letztlich ihre eigenen Regelungen in Frage. Wir müssen uns dann nicht wundern, wenn die Gemeinschaft insgesamt zur Disposition steht. Gemeinschaftsaufgaben zu erfüllen, war und ist – zudem für junge Menschen eine gute Möglichkeit sich zu beschäftigen, ohne dass dabei ein bestimmtes Berufsziel verwirklicht werden muss.

Retten, pflegen und schützen. Alles Bereiche, die für die Verfassung einer Gemeinschaft unabdingbar sind. Es gilt diejenigen, die Verantwortung für unsere Gemeinschaft in leitender Funktion tragen, daran zu erinnern, dass auch sie verantwortlich sind für das im Zuge falsch verstandener Individualisierung und Abbau von Gemeinschaftsaufgaben schwindende Bewusstsein vieler Menschen, füreinander einstehen zu müssen. Mit Elterngeld und anderen wohlmeinenden Zuwendungen des Staates ist dies nicht getan. Nur durch die Strukturierung und Vermittlung gemeinschaftlicher Aufgaben können wir unseren den Gesetz und Regeln innwohnenden Werten eine bleibende Bedeutung sichern.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Alter (Teil 2)

Der junge Mensch empfindet seine Ausbildung zuweilen als Qual. Leidet unter Eifersucht genauso wie unter dem ersten Rendezvous. Er leidet darunter, dass ihm sein Lebenspartner wegläuft. Er leidet unter der Einsamkeit, unter der Zweisamkeit, unter seinen Kindern, unter seinem Job. Der jüngere Mensch ist ein Leidensmensch.

Aber, so triumphiert er: Ich bin jung, ich sterbe nicht so schnell. Er verlacht die Alten wegen ihrer Falten, den hängenden Brüsten und dem vorstehenden Bauch. Er verweist auf seinen Knackarsch. Ich will es mir nicht einfach machen und rufen: Nun warte einmal ab! Ich sage nur: Ist das so wichtig beziehungsweise anders? Ist die weiche Haut einer älteren Frau nicht schöner als die Pickel einer 17-Jährigen? Ist die Ruhe und Sanftheit eines älteren Mannes nicht aufregender als die Emphase eines 22-Jährigen? Sicher fordert die Fortpflanzung das Techtelmechtel zwischen jungen Menschen, wenn es aber um Genuss und Erotik geht, ist da nicht die späte Feier besonders schön?

Weder das Leben noch der Tod erschrecken den älteren Menschen mehr als den Jüngeren. Der jüngere Mensch stirbt sogar möglicherweise schneller als der ältere Mensch. Der ältere Mensch kann sich, nachdem er die Jugend überwunden hat, genüsslich Zeit lassen mit dem Ende. Er nimmt sich Zeit für alles: die Erfahrung, die Liebe, die Natur und vor allem seine Ausbildung.

Doch lasst uns im Triumph des Alters die Jugend nicht vergessen. Denn: wir müssen sie erst überwinden, um alt zu werden.
Ab und an wären wir auch gerne wieder jung. Stimmt’s?

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski