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Was Spender bewegt

Spender wollen einen Ausgleich schaffen zwischen ihren eigenen Möglichkeiten und den Defiziten bei Anderen. Sie erkennen, wo Schäden eingetreten sind, Gefahren drohen und Abhilfe erforderlich wird, um Ungleichgewichtigkeiten im Leben oder auf dem Planeten insgesamt auszugleichen. Diese Ungleichgewichtigkeiten können menschengemacht, aber auch durch Naturgewalt, durch Wetter und erdbedingte Katastrophen entstanden sein.

Der Spender will immer seinen Beitrag zum Besseren leisten. Er will mithelfen bei der Überwindung einer Situation, die er für problematisch oder gar gefährlich hält. In der Regel erbringt der Spender seine Leistungen in Geld, aber oft auch in Zeit und Arbeitsleistung. Der Spender will, dass seine Spende ankommt und sein Beitrag hilfreich ist, um eine schwierige Situation zu verhindern, Unglücke zu beseitigen oder schon vorhandene günstige Umstände zu verbessern.

Der Spender handelt meist emotional, aber auch sehr überlegt und zweckorientiert. Der Spender will wissen, ob und wie sich sein Engagement auswirkt. Auch wenn ihm bewusst ist, dass andere Kostenaufschläge auf seine Spende machen oder von dieser profitieren, so ist ihm doch sehr daran gelegen, dass seine Spende nicht zur Bereicherung anderer anstiftet. Der Spender will Gutes tun. Dass dies auch steuerlich wirksam erfolgen kann, ist für ihn in der Regel eine willkommene Begleiterscheinung, aber nicht das auslösende Moment für seine Spendenbereitschaft.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Wind of Change

Es ist ein Sturm der Veränderung über unser Land und diese Gesellschaft in den letzten Jahren hinweggefegt. Wer das leugnet, ist ein Ignorant. Es ist auch ignorant, eine situative Anpassungsfähigkeit der Menschen zu fordern, wohlwissen, dass Veränderungen zwar möglich sind, aber nur allmählich als Entwicklungsprozess. Schauen wir genau hin, erkennen wir, dass dem auf Arbeitssicherheit programmierten Menschen zunehmend Zeitjobs angeboten werden.

Wo soziale Sicherheit erwünscht ist, muss er sich ggf. mit Hartz IV begnügen. Die komplett veränderte Arbeitswelt ist vielfach beschrieben, so dass ich mich auf wenige Stichworte konzentrieren kann. Gleiches gilt für die Freizeit. Taubenzucht, Briefmarkensammeln und sonstige genügsame Beschäftigungen vermitteln Freude am Tun, aber auch Kameradschaft und Geborgensein in der Gemeinschaft. Es gibt weiterhin solche Erfahrungen. Das leugne ich nicht, aber es sind nicht viele, die meist auch mit großem Aufwand verbunden sind. Dies können sich aber nur Wenige leisten.

Die Vielzahl der Menschen in unserer Gesellschaft erleben soziale Isolierung und Desinteresse an ihrer beruflichen Leistung als deprimierend. Vielen Menschen fühlen sich nicht nur als nicht anerkannt, sondern sie sind es auch. Die Erkenntnis und der einmal ausgesprochene Satz: „Ich verstehe Euch“, könnte eine Veränderung einleiten, die wieder die Wahrnehmung des Menschen in der Gesellschaft, bei der Arbeit, in der Familie und bei sich selbst im Fokus hat. Der Wert des Menschen in der Gesellschaft kann nicht durch Konsum erkauft werden, sondern nur durch sinnvolle Angebote zum wertschöpfenden Handeln.

Dies wurde schon sehr deutlich in der unerwarteten Bereitschaft vieler Mitbürger, sich bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise einzubringen, aufopfernd Hand mit anzulegen, um die Probleme zu meistern und sich zu freuen an dem dadurch erreichten Erfolg. Auch die von mir benannten frustrierten Menschen verfügen über gleiche Qualitäten, wurden aber nicht mit Möglichkeiten angesprochen, die es ihnen wieder leicht gemacht hätten, einen Gemeinsinn in ihrer Existenz zu entdecken.

Diese Menschen einzuladen, mitzumachen an gemeinsamen Projekten mag utopisch klingen, ist aber eine Chance, sie von der Sinnhaftigkeit ihres Lebens zu überzeugen. Nicht mit Einschränkungen oder Verboten, Reglementierungen und Vorschriften ist hier weiterzukommen, sondern mit der Offenheit, Freiräume für ein Tätigkeitwerden dieser Menschen zu öffnen. Der Aufruf zum Mitmachen allein reicht nicht, sondern das positive Handeln muss belohnt werden.

Es muss Spaß machen, sich zu engagieren. Das Maß des Engagements muss sichtbar werden und wieder eine soziale Anerkennung erfahren, die nicht nur in Geld zu bemessen ist. Das Leben ist nicht für Geld und das Geldverdienen da, sondern das Geld ist die Transmission unseres Engagements in eine andere Sphäre, um dann wieder in eine Form der Konkretheit zurückgeführt zu werden.

Soziale Anstrengungen gelingen nur, wenn alle mitmachen, d. h. diejenigen, die sich heute noch allein mit Geld freikaufen wollen, müssen erkennen, dass diese Form der Freiheit in unserer Gesellschaft zunehmend weniger zählt. Jedem muss erklärt werden, dass es einen Platz außerhalb unserer menschlichen Gemeinschaft nicht gibt, dieser Platz aber nicht selbstverständlich ist, sondern verdient werden muss.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Bürokratie

Einmal angenommen, sie haben eine gute Idee und wollen zum Beispiel mit Hilfe ihrer Stiftung den Pflegedienst für ältere Menschen organisieren oder Praktika an jugendliche Immigranten vermitteln. Was immer sie mit großem Enthusiasmus und Einsatz eigener Mittel auf den Weg bringen wollen, sie brauchen sicher einen langen Atem. Regeln, Vorschriften und bürokratische Anordnungen sind die Widerhaken auf dem Weg zum Erfolg. Das ist zwar lästig, teilweise absurd, aber normal, denn mit ihrem Engagement dringen sie ein in einen Raum, den die Bürokratie im Griff behalten will, denn wenn die Zivilgesellschaft wirkungsmächtig werden sollte, verliert diese ihren Einfluss.

Deshalb gibt es Zuwendungen des Staates oft nur in homöopathischen Dosen, und dies zudem nur widerwillig. Der Staat, der seine Bürokratie pflegt, begreift sich in einer Konkurrenzsituation zu seinem Dienstherrn, dem Bürger als Souverän. Diesen Kampf möchte er für sich entscheiden, eigene Vorhaben werden bevorzugt, so unsinnig diese sein mögen. Sie bestätigen dabei die Hilflosigkeit des Bürgers angesichts der Totalität des bürokratischen Apparates.

Dieser ist allerdings nicht nur im Ausgeben erfindungsreich, sondern auch im Vereinnahmen. Von einem kleinen Bespiel des Straßenverkehrs kann jeder berichten, zum Beispiel von kostenpflichtigen Verkehrsüberwachungsmaßnahmen an völlig absurden Stellen kurz vor Aufhebung des Tempolimits auf der Autobahn oder kurzfristig angesetzten unsinnigen Parkbeschränkungen. Jeder Bürger hat Beispiele bürokratischen Handelns aus seinem Alltagsleben parat. Also: Wir lassen uns nicht unterkriegen, auch nicht von unserem Staat und seinen Bürokraten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Was vermögende Menschen wirklich bewegt

Ein Mensch, der zu Lebzeiten ein Vermögen erworben hat, will es in der Regel sichern. Derjenige, der von Todes wegen vermögend geworden ist, sieht sich in der Regel in der Pflicht, dieses ebenfalls zu erhalten und an seine Erben weiterzugeben. Aber auch das Gegenteil kann richtig sein, wenn die Regeln zum Umgang mit Vermögen nicht erlernt wurden. Vermögen, welches durch Spekulationen erworben wird, kann in gleicher Weise zwischen den Fingern verrinnen. Vermögen ist das Ergebnis geronnener Arbeit oder Wagniskapital.

Von der Regel ausgehend, bewegt den vermögenden Menschen, sein Vermögen zu erhalten, Erträge zu erzielen und dieses so zu bewirtschaften, dass er selbst und seine Familie bis zu seinem Lebensende und ggf. darüber hinaus gesichert sind.

Neben der Lebenssicherung durch Vermögen bewegt ihn aber auch die Möglichkeit, das Vermögen zumindest teilweise einzusetzen, um Lebensziele im wirtschaftlichen und philanthropischen Bereich zu verwirklichen. Nebst der Erprobung eigener Fähigkeiten und Umsetzung von Interessen bewegen ihn dabei auch gesamtgesellschaftliche Anliegen, für die er eine Verantwortung übernommen hat. Bleibendes zu schaffen, ist für den vermögenden Menschen schon deshalb wichtig, weil er weiß, dass Vermögen an sich keine Anerkennung bringt und nach dem Tode bedeutungslos geworden ist.

Was zählt, ist, was der vermögende Mensch mit seinem Vermögen bewirkt, sei es durch gemeinnützige Stiftungen, Familienstiftungen oder jede andere Form nachhaltigen Engagements. Sicherung der Familie und der nächsten Generation nebst dem Bewirken von bleibenden Zuwendungen zum Beispiel im Rahmen von Stiftungen verleihen dem Vermögen Sinn.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski