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Ethical and Philantropic Solutions (Teil 1)

Unser Grundgesetz manifestiert nicht nur den Abwehranspruch der Bürger gegenüber dem Staat, sondern die Selbstverpflichtung der Bürger, die Gebote des Grundgesetzes in der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Politik auch umzusetzen. Jeder Bürger ist dabei gefordert, sowohl solidarisch, als auch individuell.

Die Gesellschaft, die uns das Grundgesetz vorgibt, ist plural, im Kern achtsam und auf Ausgleich bedacht.

Narzissmus und Selbstsucht sind keine günstigen Merkmale einer Gemeinschaft. Dies genauso wenig wie Habgier und Anspruchsverhalten. Eine Gesellschaft, die die Gemeinschaft fokussiert, findet einfache Antworten auf die Probleme unserer Zeit. Es ist wichtig, der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Politik Denkanstöße zu bieten, und zwar auf bekannten und neuen Handlungsfeldern.

Eine besondere Bedeutung beansprucht dabei die Beschäftigungsmöglichkeit eines Menschen als grundgesetzlich verbürgtes Erhaltungsgebot der menschlichen Würde. Dabei steht das bisher fast ausschließlich kapitalistisch geprägte Beschäftigungsverhältnis auf dem Prüfstand. Dessen Ziel war es, unter Einsatz eigener Arbeitskraft vor allem Geld zu erringen, um dieses zur Deckung von Bedürfnissen einzusetzen. Der Wert der Arbeit drückte sich dabei fast ausschließlich in Geld aus. Ist das weiterhin zielführend und vernünftig? Menschliche Tätigkeit ist weder auf Belohnung noch Entlohnung angewiesen, sondern entspringt dem natürlichen Bedürfnis, etwas zu tun, sich einzubringen in die Gemeinschaft. Geld als Äquivalent für Arbeit ist nach wie vor sinnvoll, aber nicht als Macht- und Anspruchsinstrument. Das Maß des zu Leistenden muss das Bedürfnis eines Menschen sein, sein Leben in Würde zu begehen. Wenn wir dies bedenken, eröffnen sich weitere Betätigungsfelder auch in den Bereichen der „Sharing-Economy“, der Abfallvermeidung, der Ressourcenschonung, der Energie, der Pflege, der Bildung und des Lifestyles, um nur einige Gebiete zu benennen. Es geht dabei auch um die Schaffung einer modernen philanthropischen Industrie, die neue Beschäftigungsformen ermöglicht, Verantwortung von den Menschen einfordert, aber auch vermittelt, dass alles, was wir machen, von Menschen für Menschen gedacht ist.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Dämon

Bei Geld hört die Freundschaft auf. So lautet eine gängige Volksweisheit. Was hat es damit auf sich, warum hat Geld ein so dämonisches Image? Möglicherweise hat es mit der Anonymität des Geldes zu tun, der fehlenden Realität einer konkreten Leistung, die dagegensteht und seiner Flüchtigkeit. Es heißt: Wer Geld hat, der hat auch Macht. Es wird aber auch gesagt, dass diejenigen, die Geld haben, vor allem auch viel Geld, trotzdem nicht sehr glücklich seien. Wie ist das zu erklären?

Ich glaube, dass im Gegensatz zu konkreten und auch ideellen Dingen die Substanzlosigkeit des Geldes die Verlustangst beim Menschen steigert, anstatt diese zu begrenzen. Geld steht in Konkurrenz zur Leistung. Meist wird die Leistung an sich weniger geschätzt, als das Geld, welches die Leistung kompensieren soll. Das ist paradox, weil das Vermögen eines Menschen eigentlich nicht Geld ausmacht, sondern seine Fähigkeit, etwas zu gestalten, zu denken, zu empfinden und uneigennützig zu geben.

Aber, was nichts koste, sei nichts wert, sagt der Volksmund. Also steht jede Leistung im Wettbewerb zum Geld und zieht dabei immer wieder den Kürzeren. Dabei ist es eigentlich leicht einzusehen, dass das Geld wertlos ist, wenn der Leistende nicht mehr bereit ist, sich unter Wert „zu verkaufen“.

Gelänge es uns, den Spieß einmal zu umzudrehen und den Geldverwaltern zu zeigen, dass sie für ihr Geld nur Leistungen bekommen, wenn sie sich darum bemühen, den Leistenden von sich zu überzeugen, dann käme eine Entwicklung in Gang, die Dämonen vertreibt und Leistende wie Geldbesitzer glücklicher macht.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

 

Hey Big Spender

Wer bewundert ihn nicht, den reichen Gönner, der uns an seinem Überfluss teilhaben lässt. Mag er alt und krank und nicht mehr ganz von Sinnen sein, wenn das Geld fließt, der Rubel rollt, die Geldscheine auf den Zockertisch flattern, es Champagner, Kaviar und Mädchen im Überfluss gibt, wer schaut da noch genau hin. Wer schaut da noch genau hin, woher der plötzliche Überfluss, der Reichtum kommt und wie lange das Spiel dauern wird. Katzenjammer?

Jedenfalls dann nicht, wenn das Spiel am Schönsten ist und später ist nun mal später. Hey Big Spender. Natürlich ist hier nicht der legendäre einsame Mann und seine letzte Party gemeint, sondern unsere letzte Party, die Party unseres Staates, denn wir, die Bürger des Staates sind das Volk, der Souverän. Eine ganze Zeit lang wurde ohne uns gefeiert, und zwar als es am Schönsten war.

Jetzt dürfen wir mitmachen, weil das Geld ausgeht. Das ist zwar nicht ganz richtig, denn Geld gibt es noch mehr als zuvor, sozusagen im Überfluss, aber das Spiel funktioniert nicht mehr richtig, denn trotz hoher Einsätze, sind die Chips nichts mehr wert, sogar, dass der Staat seine Bürger verzockt, bleibt ohne Eindruck. In kaum einem Stall finden sich noch Esel, die Gold scheißen und wir können arbeiten so viel wir wollen und kneten auch daraus nicht die Münzen aus Edelmetall, die erforderlich sind, um den Zockermoneten einen Glanz zu verleihen.

Was bleibt? Die Croupiers räumen ab. Das Kasino wird geschlossen und wir fangen von vorne an, kramen zusammen, was wir für Wert halten, bringen es zur Bank und lassen uns versprechen, dass die von uns beauftragten des Staates sorgfältig unsere Schätze prüfen, deren Wert taxieren und damit das Maß unserer Währung bestimmen. Was wir geben, wollen wir zurück mit Zins und Zinseszins. Auf Heller und Pfennig. Oder auf Euro und Cent. Wer auf eigene Rechnung Geld druckt, fliegt raus. Die Zockerbuden bleiben geschlossen und gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Das kann auch einmal Champagner und Kaviar sein, aber nicht dauernd. Das hält kein Mensch aus.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Das Leben ist schön

Der bemerkenswerte Titel des Filmes von Roberto Benigni erinnert uns daran, das Leben trotz aller widriger Umstände mutvoll anzunehmen und uns dadurch zu bewähren. Das ist schnell gesagt, aber schwer getan. Vieles stinkt uns, wir sind genervt vom Wetter, dem Verkehr oder unseren Nachbarn. Wir haben zu wenig Geld, fühlen uns krank, übergangen, überhaupt schlecht behandelt. Die Liste der Befindlichkeiten, zu denen wir fähig sind, ist kaum zu erstellen.

Die meisten Befindlichkeiten sind dabei negativ besetzt. Es geht uns schlecht und das Leben ist überhaupt nicht schön. Wenn das alles so ist, warum leben wir dann und wie leben wir? Wir leben, weil wir geboren wurden. Wir haben uns das nicht ausgesucht. Auch wenn wir heute missmutig sind, so haben sich doch in den allermeisten Fällen bei unserer Geburt unsere Eltern über uns gefreut. Wir haben uns auch gefreut zu leben und dies durch alle zutraulichen Aktivitäten bei Aufnahme der Muttermilch bis zum Nachplappern des Gehörten zum Ausdruck gebracht.

Unsere Kindheit war meist schön, es sei denn, wir wurden systematisch unterdrückt und schlecht behandelt. Was hat dazu geführt, dass wir den Glauben an das Schöne am Leben auf der Strecke lassen? Die äußeren Umstände sind dies zwar auch, vor allem aber unsere eigene Ein­stellung, die routiniert schlechte Vorkommnisse addiert, die guten aber wie selbstverständlich aussondert. Wir sind auf das Unschöne fixiert. Missmut und Kritik kommt uns leicht über die Lippen, weniger aber Anerkennung und freudvolle Zustimmung.

Damit uns das Leben aber nicht nur zeigt, was es versagen kann, ist es erforderlich, dass wir es willkommen heißen, seine Schönheit behaupten, um dann den Beweis als Belohnung für unsere Zuversicht zu erfahren.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Negativzinsen

Nicht mit Verständnis, sondern mit melancholischer Resignation haben die Meisten von uns zur Kenntnis genommen, dass nicht nur die Europäische Zentralbank, sondern inzwischen auch „normale“ Banken für die Verwahrung von Geld Zinsen verlangen, also die sogenannten Negativzinsen.

Die, die wir es gewohnt sind, für „unser“ Geld Zinsen zu bekommen, das heißt Sparzinsen und für gewährte Darlehen Darlehenszinsen, fühlen uns betrogen von der Entwicklung. Geld ist offenbar nichts mehr wert. Der Schein aber trügt. Es funktioniert nur nicht mehr mit dem Geld jetzt und künftig so umzugehen, wie wir es gewohnt sind. Die wundersame Vermehrung von Geld ohne unser Zutun wird künftig ausgeschlossen sein. Trotz der bestehenden restriktiven Bestimmungen und bankaufsichtlichen Maßnahmen kann Geld durchaus etwas wert sein, indem es arbeitet.

Dadurch, dass uns Banken nur noch Negativzinsen für unser Geld anbieten, fordern sie uns heraus, das Geld lieber selbst zu investieren, als es der Bank in der Bequemlichkeit anzubieten mit dem Hintersinn, dass die schon wüssten, was sie damit tun. Dadurch werden wir, die wir Geld haben, selbst zu Entrepreneurs, reichen Darlehen und Venture-Capital-Beteiligungen aus, die uns selbst in die Lage versetzen, den Erfolg unseres Investments zu ernten. Also Schluss mit dem Jammern.

Nehmen wir freudig die Herausforderung an und schauen uns die Produkte und die Unternehmen an, die unsere Investitionen lohnen. Dies sind nicht Fonds und Aktien in erster Linie, sondern Person to Person-Investitionen in unserem unmittelbaren Umfeld. Die Performance unserer benachbarten Unternehmen ist uns leider oft nicht hinlänglich bekannt.

Deshalb ist es erforderlich, eine Bank zu schaffen, die Investitionsmöglichkeiten auflistet, die sich aus unserer Region, in unserem unmittelbaren Umfeld ergeben könnten. Wir sind dann in der Lage, uns selbst ein Bild von den Akteuren und den Möglichkeiten des Investments zu schaffen. Für dieses Investment sind Standardregeln zu entwickeln, die sich niederschlagen in Vereinbarungen und Verträgen, in Organisationsformen und Exit-Regelungen genauso beinhalten, wie Insolvenz- und Ausfallversicherungen. Die Banken sind dabei unverzichtbar, wichtig zum einen als geldnahe Berater, Vermittler, ggf. Co-Finanzierer und Zwischenlagerstätte für unser Geld. In einem völlig neu definierten Rollenspiel wird Geld wieder aufgewertet, attraktiv und manifestiert sich in Sinn.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Tod

Herr, lehre uns Bedenken, dass wir sterben müssen, so heißt es in der Bibel, Psalm 90, Vers 12; 1. Korinther 15 Vers 55 hält dagegen unter Protest „Tod, wo ist dein Stachel?“ John Donne bezeugt in seinem Gedicht „Death be not proud“ den Tod für überwindbar. Wie immer wir versuchen, damit umzugehen, der Tod kommt. Jeder Mensch ist sterblich.

In Ihrem Gedichtband „Von der Hand gesprungen“ hat Rosemarie Bronikowski im Gedicht „Das Leben hat´s in sich“ hinzugefügt: „Das Lachhafte am Leben ist seine Kürze, die vorher wie Länge aussah“. Sich dessen bewusst seiend, dürfte der Appell, den wir an uns selbst richten, nicht vergeblich sein: „Mensch, werde wesentlich“. Was kann uns dieser Satz sagen?

Derjenige, der sich angesprochen fühlt, könnte zum Beispiel darüber nachdenken und Konsequenzen daraus ziehen, dass es angesichts der Endlichkeit sinnvoller ist, sich zu versöhnen, als sich zu entzweien. Im Volksmund ist es natürlich nur dahingesagt: „Das letzte Hemd hat keine Taschen“. In Wahrheit versucht jeder in seiner Tasche bis zum letzten Tage so viel zu belassen, wie möglich ist, um dann die Taschen an die nächste Generation weiterzugeben. Dann beginnt alles wieder aufs Neue.

Da Geld auch geronnene Arbeit ist, bestünde die Möglichkeit, die Üppigkeit unseres Verdienstes mit anderen zu Lebzeiten zu teilen. Da gibt es viele Möglichkeiten, die nicht mit Verzicht, sondern mit Fortsetzung des Reichtums auf andere Weise zu tun hat. Eingedenk der Endlichkeit unseres Lebens geht es um die persönlichen und wirtschaftlichen Beiträge, die wir gegenüber der Familie und der Gesellschaft erbringen, und zwar auch dann, wenn wir den Erfolg unseres Wirkens möglicherweise selbst gar nicht mehr erleben. Der Mensch, der über sich selbst hinaus zu denken und zu handeln vermag, der hat den Tod wahrhaft überwunden.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Helikoptergeld

Die EZB will auf die Menschen Geld herabregnen lassen. Dieser Effekt soll die Inflation in Gang setzen. Durch Investitionen, Preisdruck und Nachfrage soll letztlich Geld wieder Zinsen generieren, nicht im Meta-Raum, sondern in der wirklichen Welt Profite schaffen, zunächst für die Banken, dann für ihre Investoren. Wer sind diese und was haben Sie vor?

Um dies zu verstehen, ist es erforderlich, sich noch einmal des Geldes zu vergewissern. Früher war Geld Münzen in der realen Welt und ersetzten den Tauschhandel. Sie waren wertvoll genug in Gold- und Silbertaler, dass die Nutzer davon überzeugt waren, einen bestimmten Warenwert buchstäblich in den Händen zu haben. Auch die amerikanische Federal Reserve sicherte bis 1971 zunächst ihre Papierwährung durch gehortete Goldschätze ab und vermittelte dadurch, dass für jeden US-Dollar der entsprechende Wert bei ihr hinterlegt sei und bei Bedarf auch ausgezahlt werden könnte.

Die Federal Reserve ist auch ein privates Unternehmen und hat es für sich als tugendhafter begriffen, Papier und Gold voneinander zu entkoppeln. Aber, auch das Papier ist in Wirklichkeit nichts anderes als ein Sinnbild des im Tauschhandel zwischen Menschen hinterlegten Wertes, der Rechtsschein einer tatsächlichen Transaktion. Diese finden nach wie vor statt, aber nicht auf der Ebene, auf der wir sie vermuten.

In unseren Vorstellungen mag es noch Geld geben als Äquivalent für Arbeit, wie es Marx einst beschrieb. Da ist unser Glauben fest, wir beschützen dieses Geld in Konkordanz mit den Profiteuren, die wir befriedigen sollen. Wir wollen deshalb auch nicht einsehen, dass Geld überhaupt keinen Wert hat, denn sonst würden wir vor uns selbst nackt und bloß dastehen.

Das Geld ist auch kein Versprechen und Vertrauen ist fehl am Platz. Geld bezeichnet lediglich die Struktur, die von den Profiteuren genutzt werden kann, um ihren eigenen Einfluss zu Lasten anderer zu erweitern. In diesen Strukturen werden Angebote unterbreitet, die so reizvoll ausgestattet werden, dass Menschen dafür bereit sind, reale Wertschöpfung durch Arbeit zu leisten, um sich einen kleinen Teil des zu erreichenden Erfolges selbst zuzubilligen, den größeren Teil aber den Initiatoren dieser Zauberwelt zukommen zu lassen.

Diese sind wenige und haben dafür gesorgt, dass in einem weltweit inzwischen fein abgestimmtem System der Bezüglichkeiten keiner auf die Idee kommt, ein Streichhölzchen aus dem waghalsigen Gebäude zu ziehen, denn schlimmer noch als der Zusammenbruch des gesamten Währungssystems wäre der Erkenntnisgewinn: Geld ist nichts wert.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Bargeld

Hilfe, man nimmt uns das Geld weg – Geld in der Lohntüte als sichtbares Zeichen geronnener Arbeit. Von Ausnahmen abgesehen, wird Geld aber schon seit langem auf das Konto des Arbeiters oder Angestellten überwiesen. Die Banken sind verpflichtet, für jeden Bürger ein Bankkonto einzurichten, wenn er dies wünscht. Aber noch können wir alle unser Geld von der Bank abheben und die Scheine unter der Matratze verwahren, wenn wir dies bevorzugen. Damit soll es bald vorbei sein.

Kluge Menschen warnen vor dem Verlust der Freiheit und des Vertrauens, das wir uns wechselseitig durch den Geldverkehr bezeugen. Das ist sicher die eine Seite der Medaille. Die andere ist aber die schier unbegrenzte Möglichkeit des Schuldenmachens, die die virtuelle Welt des bargeldlosen Geldverkehrs ermöglicht.

Solange ich eine Transaktionskarte habe, kann ich handeln, wie ich will, kaufen, verkaufen, sparen, verschwenden. Verliere ich eine Karte, ersetze ich sie durch die nächste, denn auf die Höhe der Inanspruchnahme der Karte, das Ausmaß der Kreditierung kommt es künftig überhaupt nicht mehr an, sondern ausschließlich darauf, dass man es mir gestattet, über die Karte zu verfügen.

Dies kann verschiedene Ursachen haben. Zum einen, weil ich arbeite, zum anderen, weil ich spekuliere oder von Algorithmen als wert befunden werde, weiter über eine Karte zu verfügen. Das Maß meiner virtuellen Verschuldung ist dabei nur der Gradmesser für die Möglichkeiten, die den Distributoren von Geldkarten zur Verfügung stehen, um mich zu disziplinieren.

Solange ich jung und arbeitsfähig bin, man mir ein Renditebewusstsein zutraut oder ich über Vermögen verfüge, ist dies völlig problemlos. Aber, wenn ich alt, kinderreich oder widerspenstig bin, dann ist die Karte weg. Unter dem Kopfkissen liegt leider auch kein Bargeld, das ich nehmen könnte, um abzuhauen, mein Glück woanders zu versuchen, eine Existenz neu aufzubauen. Vielleicht bekomme ich wieder eine Karte als Gnadenerweis oder ich begebe mich für den Rest meines Lebens mit leeren Taschen in die Abhängigkeit des Staates.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Must-have

Man muss haben. Klamotten spielen dabei eine herausragende Rolle. Dies wohl vor allem deshalb, weil sie für viele erschwinglich sind. Die Topliste führt dabei sicher die im internati­onalen Einsatz erprobte Strumpfhose für Mädchen an, die Kleid, Jeans und andere persönliche Verhüllungsstoffe überflüssig machen. Ob nackt oder angezogen, das kommt dabei fast aufs Gleiche raus. Ehrlicher als in dieser Kindergartenkluft kann sich kein Mädchen mehr in Zu­kunft präsentieren. Ich bin gespannt, wann es hier auch Männer erwischt.

Unisexstatus hat inzwischen ein weiteres Kleidungsstück erworben. Nur wer quer gestreifte Daunenjacken anzuziehen weiß, gehört dazu. Diese Jacke ist das Maß aller Dinge. Ob jung oder alt, selbst die sogenannte Rentnerweste wird demnächst „down“ gefüttert und quergestreift sein, aber natürlich in ocker!

Zu den Must-Haves gehören nicht nur Kleidungsstücke, sondern IPhones, deren Apps und unendlich viel mehr materielle Dinge. Aber vor allem gehört zu den Must-Haves dieser Welt: Geld. Ohne Geld kann man nicht haben, was andere haben. Ohne Geld gehört man also nicht dazu. Deshalb muss Geld her. Geld zu haben bedeutet nicht Freiheit, sondern Notwendigkeit, um dem Imperativ der Werbung zu folgen. Da es hier kein Entwei­chen gibt und die Entlarvung des Vorgangs allenfalls Trotz hervorruft, müssen wir uns einge­stehen, dass es immer schon so gewesen ist und sich nichts ändern wird. Eine Bewegung, die sich auf ihre Stirn schreiben würde, sie wolle nichts mehr haben und nicht bereit sein, sich zu uniformieren, wäre volkswirtschaftlich und auch auf idealistische Art und Weise gefährlich. Sie wäre schlechter zu kontrollieren. Und das will unser Staat und seine Wirtschaft sicher nicht.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Mehlpfote

Jeder von uns kennt das Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein. Als der Wolf sicher war, dass die besorgte Mutter das Haus verlassen hatte, bestäubte er seine Pfote mit Mehl und behauptete gegenüber den im Haus verschanzten Geißenkin­der, er sei ihre Mutter und fraß sie auf, als sie öffneten.

„We love to entertain you“, so titelt ein großer Privatsender. Nicht nur im Me­dienbereich, sondern überall in der ganzen Warenwelt werden Menschen ähnliche Versprechungen gemacht. Irgendwie tut es uns gut, deren Stimme zu hören. Ein bisschen wollen wir es auch glauben. Jedenfalls erfahren wir durch Werbeankündi­gungen oft Trost, Wärme, Freundlichkeit, Geborgenheit, Schönheit, Abenteuer usw. usw. Das sind die Türöffner. Auch, wenn ein Rest Misstrauen bleibt, so sind wir doch derart besänftigt, dass wir die eigentliche Mechanik dieses Prozesse, d. h. die Botschaft, nicht verstehen bzw. auch nicht verstehen müssen, weil sie nicht so brutal verpackt ist. Die Botschaft lautet: Wir wollen euer Geld, wir wollen euch! Geld ist, so wissen wir, so erfahren wir es täglich, der wichtigste Teil des Menschseins. Wie Marx sagt: „Geld ist geronnene Arbeit.“ Etwas höchst persönli­ches, was ihm gehört, was er geschaffen hat, was er gespart hat, was ihm Möglich­keiten eröffnet. Derjenige, der vorgibt, uns zu unterhalten, will unser Geld. Er will uns verzehren, unsere Kraft, unsere Leistung, unser Vermögen nehmen, um sich zu stärken. Es ist ganz normal, weil es der Natur und dem Menschen entspricht: Er ist auf den Raubzug gegangen, hat seine mit Mehl bestäubte Pfote hingehalten, die Türe wurde geöffnet und der, der sich täuschen ließ, gefressen. Warum tut er das? Er tut es, um selbst stark und kräftig zu werden. Das liegt im System. Würde der Wolf seinen Hunger nicht stillen, müsste er hungern. Er würde sterben, ohne in die ewigen Jagdgründe einzugehen. So sterben Versager. Der Kapitalist will kein Versager sein und kämpft daher mit seinen Mitteln um die Beute. Sie wird ver­zehrt. Bemerkenswert ist, dass auch der Terrorismus auf einem kapitalistischen Prinzip beruht. Auch der Terro­rist gaukelt der Welt vor, es ginge um Befreiung, Gerechtigkeit, Spiritualität etc. So öffnet er Türen und verschlingt seine Opfer, um selbst stark zu werden und in die ewigen Jagdgründe der Seeligkeit einzugehen.

Gibt es Rettung? Der Wolf wird müde, er hat gefressen, er will ausruhen und wird überlistet. Mit Steinen gefüllt und in den Brunnen geworfen. Also: Der Kapitalis­mus überfrisst sich, wird träge und geht daran zugrunde. Der Terrorismus verendet an seiner Selbstbespiegelung. Um im Beispiel zu bleiben; der Wolf will sich im Wasser des Brunnen spiegeln. Aufgrund der Schwere verliert er das Gleichgewicht, stürzt ins Wasser und ertrinkt.

Kapitalismus und Terrorismus können mit ihren eigenen Waffen geschlagen werden. Erfährt der Kapitalist, dass sein System der ständigen Ausbeute nicht funk­tioniert, weil er mehr verliert als er einnimmt, so wird er sich von diesem System schnell verabschieden. Z. B. könnte dem Kapitalisten abverlangt werden, dass er mehr Dividende auszahlt, als er einnimmt. Dann wäre der Kampf um „share holder value“ schnell erledigt. Hätte der Kapitalist keine Kunden mehr, wäre die Einsam­keit der Wölfe auch nicht mehr auszuhalten. Den Kapitalismus mit den eigenen Ködern fassen, hieße, ihn solange zu füttern, bis er platzt. Den Terrorismus mit den eigenen Waffen zu schlagen ist dann möglich, wenn das Opfer vor dem Täter nicht mehr zittert, sondern mit seinem eigenen Glauben erdrückt und dadurch dem Täter die Hoffnung auf das ewige Leben raubt.

Alle Beispiele und Mutmaßungen werden der Herausforderung mit ihrer ganzen Tragweite nicht gerecht. Ich will aber deutlich machen, dass die Fremdheit unterschiedlicher Lebensentwürfe nicht nur zwischen Religionen, sondern auch innerhalb unseres Wertesystems entscheidend dazu beitragen, dass ein Ausgleich zwischen unterschiedlichen Ansprüchen auf Selbstverwirklichung nicht mehr möglich erscheint.

In diesem Sinne bin ich mir in diesem Leben fremd. Ich will etwas bewahren, was ich nicht kenne, will etwas gestalten, was sich mir entzieht. Ich stehe mitten im Leben und bewege mich in der Gesellschaft. Es ist alles in Ordnung aber was ich vermisse ist der Erkenntniswille, der ernsthafte Versuch, selbst integer im Umgang miteinander zu sein und dadurch dem Kapitalisten und dem Terroristen eine Alternative zu bieten.

Wie steht es mit dem Terrorismus?

Auch gilt, dass darüber nachgedacht werden muss, den Terrorismus mit den eige­nen Waffen zu schlagen. Der, der Schrecken verbreitet, erfährt Schrecken, z. B. da­durch, dass er verhöhnt und lächerlich gemacht wird. Der Selbstmordattentäter als Witzfigur. Er wird exkommuniziert bzw. der geistliche Bannfluch gegen ihn ausge­spro­chen. Weiß er, dass er nicht mehr in den Himmel kommt, dann war das Op­fern umsonst. Wenn das Opfer vor dem Täter nicht mehr zittert, sondern ihn mit Glauben erdrückt und ihm dadurch die Hoffnung auf das ewige Leben raubt, dann verliert auch er die Lust zu sterben. Wenn er nicht sterben will, dann will er auch nicht mehr bomben. Welches Mittel letztendlich tauglich ist, kann niemand ohne Weite­res sagen. Wichtig ist allerdings, dass der Weg eingeschlagen wird, der aus dem In­neren des Prozesses führt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski