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Generation Z

Kürzlich war ich Gast einer Veranstaltung, die sich mit den Chancen und Perspektiven der Ge­neration Z beschäftigte. Generation Z dürften die 16- bis 24jährigen der jetzigen Generation sein. Genau weiß dies allerdings niemand, da Altersabgrenzungen immer problematisch sind. Gespannt dürfen wir natürlich darauf sein, wer nach der Generation Z heranwächst. Vielleicht eine Generation Alpha oder irgendeine Zifferngeneration. Wer kann, wer will das schon wissen.

Eine Generation definiert sich, so will man glauben. Eine Generation wird definiert. Das dürfte näher an der Wahrheit sein. Die Generation Z sei von den digitalen Kommunikationsmitteln geprägt, dadurch gleichzeitig gefordert und überfordert, kooperativ und doch bindungslos. Kurzum: eine Generation in der Wir-Findung, aber kreativ, talentiert, ausgestattet mit hohem Potential. Es sei eine gesellschaftliche Aufgabe, die Talente und Fähigkeiten zu entwickeln, Freiraum zu schaffen und alle kreativen Ansätze dieser Generation zu fördern.

Auch zwei Vertreter der Generation Z waren bei der Veranstaltung, etwas knurrig und selbstbewusst, aber durchaus zufrieden, mit dem, was sie hörten. Sie dachten sich wohl ihren Teil und spekulierten auf den Nutzen der verbalen Angebote für ihre Zwecke. Die Veranstaltung lief in einem etwas breiigen Verständnismodus ab. Wie wir dies auch schon in anderen Diskussionen mit und über Jugendliche erleben durften, geht es immer darum, dass wir sie verstehen, ihre Zukunftsängste begreifen, unser Versagen eingestehen und hoffen, dass die Strafe für uns nicht allzu drastisch ausfällt.

Ein ganz merkwürdiger Ablaufplan für die Entwicklung unserer Generation und der kommenden. Eher beiläufig als zentral ist von Struktur, Ordnung, Verantwortung – auch Selbstverantwortung – und Pflicht die Rede. Dabei schaffen gerade Ordnung und Pflicht diejenigen Organisationen, die geeignet sind, auch junge Menschen dazu zu befähigen, sich unter Zurückhaltung einzubringen in persönliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Prozesse, um ausbaufähige Positionen zu erlangen. Kreativität bis hin zum Talent für eine bestimmte Aufgabe kann sich doch nur dadurch entfalten, dass es einen Plan gibt.

Solange Anspruch und Wirklichkeit beziehungslos durch Bildungsplattformen mit öffentlichen Diskussionen geistern, können sie nichts beitragen zu Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit einer Generation Z, Alpha oder eins. Es sind nicht die alten überkommenen Werte, die Hilfestellung leisten können. Erprobte Vorgaben, Rituale und Verhaltensanforderungen schaffen dem einzelnen Menschen und der Gesellschaft das notwendige Rüstzeug für die Zukunft.

Algorithmen sind keine Erfindungen der Neuzeit oder gar der Generation Z, sondern dem Menschen immanent seit jeher. Wir sollten daher nicht in der Disruption, sondern in der reflektierten Kontinuität Chancen für unsere Kinder und auch für uns sehen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Global Solutions

Vom 28. bis 29. Mai 2018 fand in Berlin der Global Solutions Summit statt. Hierbei handelte es sich um ein Art Denkveranstaltung zum G20-Gipfel, wobei weniger die Politiker zur Sprache kommen, als Wissenschaftler, Wirtschaftsführer und Normalbürger. Parallel dazu wird eine Sommerschule für ausgewählte Jugendliche aus aller Welt bereitgestellt, in welche diese argumentativ ihre Standpunkte austauschen können.

Da der Global Solutions Summit nichts entscheidet, sondern nur die Plattform für einen Ideenaustausch bietet, liegt es nahe, dort nicht nur lösungsorientiert zu diskutieren, sondern Ansätze herauszuarbeiten, die es Politikern, wenn sie die vorgebrachten Überlegungen für weiterführend erachten würden, Gelegenheit böten, aus der politischen Selbstbespiegelung und machbarkeitsorientierten Verhaltensweisen herauszutreten und ggf. neue Wege zu gehen. Für die Teilnehmer war der Gipfel auf jeden Fall gewinnbringend, insbesondere dann, wenn sie nicht nach Bestätigung ihrer Meinung suchten, sondern die Veranstaltung als Reibungsfläche begriffen, auf denen sich neue Überlegungen entfachen ließen.

So bin ich zu der Veranstaltung lernbegierig gekommen und wurde nicht enttäuscht. Ich verzichte, die Namen der hochrangigen Teilnehmer zu benennen, will aber deren Äußerungen wiedergeben, soweit ich diese für erwägenswert hielt, zum Beispiel: „Wir sollen den Umgang mit Unsicherheiten neu und selbstbewusst lernen, weil Unsicherheit zum Leben gehört, insbesondere zur asiatischen Kultur.“

Diese Äußerung fand ich sehr spannend, denn, wenn wir aufgrund unserer europäischen Unsicherheiten Fehler machen, sind wir auf Dauer den Chinesen und Indern nicht gewachsen. Ganz in diesem Sinne müssen wir darauf achten, nicht nur persönlich flexibel zu sein, sondern unsere Systeme flexibel auszubauen, damit sie auch heftige Stöße im kulturellen und ökonomischen Bereich abfangen können. Die Flexibilität geht Hand in Hand mit der Bereitschaft, auch einen Wechsel der Systeme zuzulassen, wenn wir erkennen, dass wir mit unserem System nicht mehr weiterkommen.

Krisen, in die wir geraten, stellen keine Krankheiten dar, sondern sind normal. Krisen sind keine Erfindung der Gegenwart, sondern historisch verbürgt, auch wenn der Multilateralismus unserer Gesellschaften schnellere Reaktionen unumgänglich machen. Die Verkehrswege zu Informationen sind kürzer und wie ein gesellschaftlicher Seismograf nehmen wir in Europa Erschütterungen wahr, ob deren Ursache in Asien oder in Amerika gesetzt wurden. Damit geht einher, dass in einer multilateralen Gesellschaft die Sichtweisen völlig unterschiedlich sein können, zum einen persönlich, aber auch politisch.

Das, was wir durch die europäische Brille gesehen, als vernünftig, politisch und menschlich für richtig erachten, muss sich nicht zwangsläufig in der Anschauung und der Verhaltensweise anderer Gesellschaften wiederspiegeln. Wenn wir allerdings Einfluss nehmen wollen, müssen wir unsere eigene Einstellung ändern, Geschichten erzählen, die andere Menschen und Völker überzeugen, nicht nur auf Vernunft abgestimmt sind, sondern auch Gefühle erwecken, die den eigenen Echoraum verlassen, Mitgefühl erzeugen und Schwarmverhalten zulassen.

Die Narritive sind für Compession im politischen Raum unverzichtbar. In dieser auch digital geschrumpften Welt begegnen uns ständig neue Herausforderungen, die uns zwingen, auch Bewährtes in Frage zu stellen, um neue Antworten zu finden, ob dies die Wirtschaft, Wahlen, Regierungsformen, Steuern, Geldverkehr oder menschliches Leben insgesamt betrifft.

Wenn wir uns frei gemacht haben von den eigenen Gedankenzwängen und leidenschaftlich uns mit anderen Menschen und Völkern austauschen können, dann schaffen wir es, uns immer wieder neu zu erfinden, von Generation zu Generation.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Was vermögende Menschen wirklich bewegt

Ein Mensch, der zu Lebzeiten ein Vermögen erworben hat, will es in der Regel sichern. Derjenige, der von Todes wegen vermögend geworden ist, sieht sich in der Regel in der Pflicht, dieses ebenfalls zu erhalten und an seine Erben weiterzugeben. Aber auch das Gegenteil kann richtig sein, wenn die Regeln zum Umgang mit Vermögen nicht erlernt wurden. Vermögen, welches durch Spekulationen erworben wird, kann in gleicher Weise zwischen den Fingern verrinnen. Vermögen ist das Ergebnis geronnener Arbeit oder Wagniskapital.

Von der Regel ausgehend, bewegt den vermögenden Menschen, sein Vermögen zu erhalten, Erträge zu erzielen und dieses so zu bewirtschaften, dass er selbst und seine Familie bis zu seinem Lebensende und ggf. darüber hinaus gesichert sind.

Neben der Lebenssicherung durch Vermögen bewegt ihn aber auch die Möglichkeit, das Vermögen zumindest teilweise einzusetzen, um Lebensziele im wirtschaftlichen und philanthropischen Bereich zu verwirklichen. Nebst der Erprobung eigener Fähigkeiten und Umsetzung von Interessen bewegen ihn dabei auch gesamtgesellschaftliche Anliegen, für die er eine Verantwortung übernommen hat. Bleibendes zu schaffen, ist für den vermögenden Menschen schon deshalb wichtig, weil er weiß, dass Vermögen an sich keine Anerkennung bringt und nach dem Tode bedeutungslos geworden ist. Was zählt, ist, was der vermögende Mensch mit seinem Vermögen bewirkt, sei es durch gemeinnützige Stiftungen, Familienstiftungen oder jede andere Form nachhaltigen Engagements. Sicherung der Familie und der nächsten Generation nebst dem Bewirken von bleibenden Zuwendungen zum Beispiel im Rahmen von Stiftungen verleihen dem Vermögen Sinn.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski