Schlagwort-Archive: Klimaschutz

Paradigmenwechsel

1961 rief John F. Kennedy seine amerikanischen Landsleute auf, nicht zu fragen, was ihr Land für sie tun könne, sondern zu prüfen, was sie für ihr Land tun können. Der Bundespräsident Roman Herzog forderte in seiner berühmten Adlon-Rede 1997, dass ein Ruck durch Deutschland gehen möge und er erwarte, dass sich sämtliche gesellschaftlichen Kräfte einschließlich der Politik in diese Richtung bewegen.

Diese Zitate haben viele Ansprachen garniert, aber eine gesellschaftliche Verinnerlichung ist bisher nicht erkennbar. Das ist bei einer Vorteilsgesellschaft, die stark davon geprägt ist, Ansprüche zu stellen und auch zu realisieren, um die eigene Existenz zu sichern und auszubauen, auch nicht passend. Es sollte aber bedacht werden, dass sich Gesellschaften weiterentwickeln und bisherige Gesellschaftsmodelle entweder versagen oder ausgedient haben können.

Die gängigen Lebensbewältigungsmethoden enthalten kein Fortschrittsversprechen. Bedenken wir, dass ein weit verbreitetes Anspruchsverhalten immer weitere Ansprüche generiert, die trotz eines hohen Sättigungsgrades an ertrotzten Zuwendungen nicht zur Befriedigung der Anspruchsteller führen wird. Sollten wir in der Lage sein, dies zu erkennen, wäre ein Paradigmenwechsel dahingehend angezeigt, dass wir das „Geben“ statt des „Nehmens“ als gerecht empfinden, und diese Erkenntnis als Rechtsgewährungspflicht ohne Rücksicht auf jegliche Anspruchsstellung ausformulieren.

Da sich im Nehmen, wie im Geben alle Menschen gleich sein könnten, würde die Änderung der Sichtweise viele neue Möglichkeiten eröffnen, die sich nicht in der Reaktion auf Anspruchsstellungen erschöpfen würde. Im privaten Bereich könnten z. B. erbrechtliche Zuwendungen unter dem Blickwinkel der Notwendigkeit einer Absicherung der Nachkommen neu bedacht werden. Früher durchaus geläufige Allmende-Erfahrungen könnten wiederbelebt und strukturell neu genutzt werden. Das Streben nach eigenen Vorteilen könnte einer günstigeren Erfahrung des gemeinsamen Gewinns unter Einsatz aller dazu zur Verfügung stehenden Ressourcen Platz machen.

Die Organisationsformen, seien diese Stiftungen, Genossenschaften oder Gesellschaften mit gebundenem Vermögen, stehen zur Verfügung. Sie könnten nicht nur in einem Land, sondern grenzüberschreitend entwickelt werden und über den kommunalen bis in den persönlichen Bereich hinein wirken. Es könnten die Instrumente für ein generationenübergreifendes Miteinander im Wohnquartierbereich bis hin zur Generationenbank auf eine sehr praktische Art und Weise umgesetzt werden.

Die Vorteile für ein nachhaltiges Wirtschaften im Interesse der Menschen, der Tiere, der Natur allgemein, zur Lebensverbesserung und zum Klimaschutz liegen auf der Hand. Diese Verhaltensweise ist im Gegensatz zu fast allen bekannten bisherigen Lebensverwirklichungsformen nicht mit Ideologien befrachtet, sondern speist ihre Rechtfertigung ausschließlich aus dem gleichberechtigten, pragmatischen Verhalten aller Teilnehmer bzw. Stakeholder. Wir können es uns erlauben, etwas für unser Land, für die Natur und andere Menschen zu tun. Wir haben die Kraft und die Fähigkeit dazu und können schließlich Freude daran haben. Möge der Ruck gelingen!

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Wohlstandsverdruss

Deutschland in Feierlaune! Nach pandemischen Jahren und trotz des Krieges in der Ukraine und wissend um die auf uns zukommenden Einschränkungen aufgrund Energieverknappung und zwingenden Umweltschutzmaßnahmen, die Biergärten und Straßenlokale sind voll besetzt, Events boomen und wer noch nicht gefeiert hat, der feiert jetzt!

Und doch scheint etwas nicht zu stimmen. Die Szene mutet zwanghaft an, trotziges Feiern, gibt es das? Ich glaube ja. Nichts ist mehr, wie vor der Pandemie und dem Krieg in Ukraine. Davor erschien alles so selbstverständlich. Klimaschutz, naja, aber so schlimm wird es nicht werden und wir schaffen das!

Das waren Merkel-Jahre und wir blieben gelassen. Da hat sich etwas geändert. An 2019 können wir nicht anknüpfen, die Merkel-Jahre sind vorbei, die Zuversicht ist verloren. Den Mundschutz sind wir vorübergehend los, aber wir bleiben gezeichnet durch die Jahre der Pandemie. Wir sind misstrauisch geworden. Verwundert und hartnäckig, an alte Rituale uns erinnernd, klammern wir uns an alle möglichen Festivitäten, als seien sie Strohhalme, die uns das Überleben sichern.

Wir wollen festhalten an gewohnten Besitzständen, sind aber unsicher, wie lange uns die Gnade des Wohlergehens noch gewährt wird. Der uns so vertraute Wohlstand wird durch Kriege, Bedrohungen, Zinserhöhungen, Lieferkettenprobleme und schließlich auch durch gravierende Energie- und klimabedingte Einschränkungen belastet.

Noch wäre es falsch, dies offen zu bekennen, aber gerade der Wohlstand hat uns diese Misere eingebrockt. Es ist viel leichter, das Licht einzuschalten, als es auszuschalten, auf ein paar Bequemlichkeiten verzichten zu müssen, als in der Erwartung zu leben, sich erheblich einschränken zu müssen. Einschränkungen, die wir erfahren, begreifen wir als politisches Versagen und Eingriff in unsere Persönlichkeitsrechte. Wir sind es gewohnt, Ansprüche zu formulieren und nun werden wir mit einem Pflichtenheft konfrontiert? Ist vielleicht daran der Wohlstand schuld? Nachdem wir uns der Antworten aller übrigen „Verdächtigen“ vergegenwärtigt haben, fangen wir an, den Wohlstand selbst als einen möglichen Auslöser unserer Misere zu begreifen.

Verbesserungen der Lebensbedingungen, Fortschritt und Wohlstand, all dies schien sich zu bedingen, jeden Tag waren wir in Feierlaune. Nun wird uns aber bewusst, wie trügerisch dieser Wohlstand ist, dass er nicht zu halten bereit ist, was er verspricht und unsere Feiern eher denjenigen auf einem Vulkan ähneln, als dem Siegesfest nach einer überstandenen Pandemie.

Es gibt Menschen und die scheinen nicht wenige zu sein, die sind diesen Wohlstand satt und wünschen sich eher ein verlässliches, auskömmliches, verantwortbares und solidarisches Menschenleben für ihre Kinder und sich selbst. Auch dies kann Wohlstand sein, auch wenn er nicht tage- und nächtelang auf Straßen und Plätzen gefeiert wird.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Prognosen

Faszinierend ist, dass wir uns gerne mit Erwartungen beschäftigen, die außerhalb unserer Beurteilung liegen müssen, weil wir weder die Kompetenz haben, den Gegenstand unserer Erwartungen richtig einschätzen und beurteilen zu können, noch sicher sind, zu leben, wenn künftig Entwicklungen eintreten, die sich auf den Gegenstand unserer Erwartungen beziehen können. Was legitimiert uns dennoch zu der Kühnheit, jenseits unseres Wahrnehmungshorizontes Prognosen abzugeben? Besitzen wir die Fähigkeit, künftige Entwicklungen zu deuten, indem wir uns das vorhandene Wissen erschließen?

Ausgeschlossen ist dies nicht. Schon vor 2.000 Jahren beschrieb Lukrez die „Natur der Dinge“ so verbindlich, dass wir, wenn wir diese aufgeschlossen lesen, das Maß unseres möglichen Verhaltens erkennen und daraus auch künftige Entwicklungen ableiten könnten. Jede Entwicklung im menschlichen Leben geschieht durch Nachahmung, und zwar angefangen vom Kleinkind bis zur Schaffung von Nationen auf allen Ebenen. Wenn man diesen Effekt auf die Probleme des Klimaschutzes und die Erhaltung unserer Umwelt überträgt, bedeutet dies, dass, wenn ein Mensch sich verpflichtet fühlt, andere Menschen durch sein Handeln anzustiften, Sinnvolles zu tun, sich aufgrund des Nachahmeeffekts diese auch veranlasst sehen, selbst dann mitzumachen, wenn damit für sie Einschränkungen und Verhaltensänderungen verbunden sind.

Da Dank Internet und Social Media die Bereitschaft wächst, andere nachzuahmen, geraten Verhaltensweisen, die auf Abgrenzung und Verweigerung beruhen, ins Hintertreffen. Singuläres Verhalten offenbart Hilflosigkeit und verdeutlicht die Einsamkeit desjenigen Menschen, der sich der Gemeinschaft verweigert. Nur in der Interaktion mit anderen Menschen können wir lernen, die Zukunft für kommende Generationen zu gestalten und zu erhalten, indem wir unsere eigene Handlungsmacht nicht von Attributen, wie zum Beispiel Geld und persönlicher Durchsetzungskraft ableiten, sondern von der durch Nachahmung erworbenen Fähigkeit, Sachverhalte neu einzuschätzen, zu bewerten und Prognosen für sinnvolle Veränderungen abzugeben.

Um dies erfolgreich zu bewerkstelligen, müssen wir erkenntnisfähig sein, bereit sein, eigene Fehler zu korrigieren und statt querzudenken, uns um Wissen bemühen, anstatt andere Menschen mit unserer Meinung zu bedrängen, zuzuhören. Wenn wir dies beherzigen, darf eine Zukunft, die wir weder schon kennen, noch möglicherweise altersbedingt kennen lernen werden, für uns schon jetzt erfahrungsoffen sein. Stärken wir nicht nur unser eigenes Bewusstsein, sondern dasjenige der Gesellschaft insgesamt, damit sie sich aufgrund dieser Wahrnehmung mutvoll und entschlossen, aber auch risikobereit und segensreich für die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder engagiert.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Wagnis

Greta Thunbergs vor der UN-Vollversammlung und in Frageform gekleidete Anschuldigung „How dare you?“ wird in die Geschichte eingehen. Sie bekommt dafür viel Zustimmung und kaum jemand vermag sich dem emotionalen Impuls dieses Satzes zu entziehen. Doch stellt sich die Frage, ob diese Anklage gerechtfertigt ist und gegen wen sie sich richtet, sollte sie nicht nur einen allgemeinen Weckruf darstellen, dass sich in Sachen Klimaschutz etwas dringend ändern müsse.

Wenn die Generation angesprochen sein sollte, die derzeit noch das wirtschaftliche und politische Handeln bestimmt, dürfte die rationale Aussagekraft gering sein. Eingriffe in Natur und Umwelt zu deren Lasten und zu Lasten allen Lebens auf unserem Planeten hat es immer schon gegeben und beruht auf dem unerbittlichen Fortschrittswillen der Menschheit, der sich nicht auf eine Generation individualisieren lässt. Es ist Schlimmes passiert und auch Gutes.

In allen Bereichen unseres Lebens hat er Bildung, Wohlstand, Bevölkerungszuwachs und Nahrung für fast 10 Milliarden Menschen ermöglicht. Dieser von Menschen gewollte Transformationsprozess verlangte Opfer und wir waren zumindest bisher bereit, diese zu erbringen. So haben sich die Menschen, die Gesellschaften und alle Stakeholder entsprechend ihren Möglichkeiten einerseits opportunistisch, andererseits aber auch verantwortlich gezeigt.

Wie wird nun die kommende Generation diese Verantwortlichkeit wahrnehmen, wenn sie sich nicht auf Schuldzuweisungen beschränken will? Die Ziele scheinen klar zu sein. Es geht darum, sozusagen im allerletzten Augenblick programmatisch die Weichen für die Erhaltung des Planeten für kommende Generationen und alle Lebewesen auf diesem Planeten zu stellen. Um Antworten dafür zu finden, wie dies geschehen soll, werden die künftig Verantwortlichen nicht umhinkönnen, nicht nur ihre Ziele zu formulieren, sondern auch zu beschreiben, was sie vorhaben und wie das zu erwartende Ergebnis ausfallen wird.

Müssen die Produktionsprozesse zurückgefahren werden? Ist eine Reduktion der Menschen auf diesem Planeten zugunsten anderer Lebewesen erforderlich? Ist eine auf Agrarökonomie basierende Lebensgemeinschaft zukunftsfähig? Bisher war der Konsum der Treiber und zumindest seit Beginn des 19. Jahrhunderts auch der Garant des Fortschritts. Ist Konsum verzichtbar oder zumindest weitgehendst einschränkbar? Was geschieht dann mit Unternehmen? Welche Relevanz werden Gewinnerzielungsabsichten aufweisen oder werden wir Tauschgesellschaften favorisieren? Wer aber stellt die zu tauschenden Produkte her? Und selbst wenn wir alles begreifen, sind wir dann dazu bereit, etwas zu verändern, und zwar so, dass nicht andere, sondern wir selbst für die Konsequenzen einzustehen haben?

Der Fragenkatalog ist nur angerissen, ich darf allerdings zumindest vorläufige Antworten auf diese Zukunftsfragen, und zwar nicht nur im Hinblick auf die kleinen Schritte, sondern als Entwurf eines Zukunftsplanes erwarten, der von uns allen, der ganzen Menschheit verabschiedet werden kann, um unser planetarisches Habitat für kommende Generationen zumindest eine Zeit lang noch zu erhalten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Sharing

Unsere Begriffswelt strotzt vor Anglizismen. Dennoch habe ich nicht das deutsche Wort „teilen“ hier gewählt, sondern Sharing. Sharing ist mehr als Teilen. Es umfasst das gemeinsame Teilen. Unter Sharing-Economy verstehen wir eine Wirtschaftsform, die sich dadurch mitteilt, dass alle am Produktionsprozess beteiligten Menschen ihren Erfolg miteinander teilen. Bei der Sharing-Economy ist der Konsument, wie auch der Produzent gleichermaßen in der Pflicht, etwas zu gestalten, das sinnvoll ist und alle bereichert, den Konsumenten, wie den Produzenten, den Distributer genauso wie den Investor. Es geht um ein gemeinsames Anliegen.

Themen gemeinsamer Anliegen finden sich bei der Müllvermeidung, wie bei der Lebensmittelrettung, dem Klimaschutz und der Mehrfachnutzung von Böden und Gerätschaften. Der Gedanke der Share-Economy ist übertragbar in fast alle Bereiche menschlichen Zusammenlebens, um den größtmöglichen Nutzen für alle aus vorhandenen Ressourcen und deren Handhabung zu schaffen.

Auch, wenn Mehrwerte und Profite entstehen, Leistungsanreize geschaffen werden und Fortschritt willkommen ist, entspricht es der Logik, bisheriges, auch nutzbringendes Verhalten zu überprüfen und dieses neuen Herausforderungen anzupassen. So findet Sharing künftig zum Beispiel auch darin seinen Ausdruck, dass in Restaurants statt prall gefüllter Teller Schüsseln auf den Tisch kommen und die Gäste das, was sie nicht essen können oder wollen, mitnehmen und auf der Straße verteilen. Dies geschieht in vielen Ländern aus religiösen oder sittlichen Gründen, jedoch noch nicht bei uns.

Sharing heißt aber, Verantwortung zu übernehmen für sich selbst, für andere und für die Sache. Zu teilen ist gerecht und ein Zukunftsversprechen für unsere Kinder und Enkelkinder. Deshalb wünschen wir uns das Essen aus Schüsseln und „doggy bags“.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Teile und herrsche – Sharing Economy

Nicht die Welt ist aus den Fugen geraten, sondern unsere Wahrnehmung von Veränderungen im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, klimatischen und politischen Bereich eröffnet uns die Möglichkeit, nicht nur mit den bereits erprobten und daher bekannten Handlungsmodellen auf gegenwärtige und künftige Herausforderungen zu reagieren, sondern vielfältiger, sensibler, komplexen und auch fragiler. Dabei sollten wir allerdings nicht verkennen, dass alle unsere Überlegungen und Handlungsangebote selbst Entwicklungsprozessen ausgesetzt sind, also alle die Endgültigkeit anstrebenden Modelle keine Verwirklichungschance haben.

Es gibt rationale Gründe dafür, aber auch emotionale Überzeugungen, dass der bisherige demokratische Kapitalismus keine Zukunft hat. Bewährtes wird möglicherweise zumindest auf Zeit erhalten bleiben, aber insgesamt werden keine Lösungen mehr möglich sein, die nicht auf permanenten Fragestellungen beruhen. Um der Zersplitterung und Beliebigkeit zu entgehen, ist es dabei erforderlich, gesellschaftliche Nenner aufzutun, die die gesellschaftliche Orientierung für viele komplexe Fragen erlauben, seien diese aus dem Bereich Klimaschutz, Müllvermeidung und Altenpflege, um nur drei wichtige Punkte zu benennen.

Ein gesellschaftliches System, selbst wenn es ausgedient haben sollte, wieder einfach durch ein anderes zu ersetzen, wird künftig keine Handlungsempfehlung mehr sein. Erfahrungen sind wichtig, aber wir sind frei, umfassend neu zu empfinden, zu denken und Möglichkeiten zu erproben. Unsere Gesellschaft hat sich global und partikulär Dank Internet, der Plattformen der Begegnung und sonstiger technischer Möglichkeiten partizipativ entwickelt.

Was liegt daher näher, als dieses Partizipationsmodell als Role-Model zu verwenden und dabei darauf zu achten, dass alle Kräfte freigesetzt und auch gebündelt werden, um gemeinsame Ziele, klimatisch, wirtschaftlich, politisch und sozial zu erreichen. Durch „recoupling“ wird wirtschaftlicher und sozialer Erfolg verbunden, die Wirtschaft der Zukunft ist gemeinwohlorientiert und findet ihren Ausdruck in Sharing Economy, Kreislaufwirtschaft, Co-Working und gemeinsamer Anstrengung, diesen Planeten als lebenswert zu erhalten. Alles von Menschen für Menschen. Wir sind vor neue umfassende Aufgaben gestellt. Das vermag in uns einen Pioniergeist zu entzünden, schafft Lebensbestätigung und Gestaltungsmut.
Packen wir es an!

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Teile und herrsche Sharing Economy

Nicht die Welt ist aus den Fugen geraten, sondern unsere Wahrnehmung von Veränderungen im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, klimatischen und politischen Bereich eröffnet uns die Möglichkeit, nicht nur mit den bereits erprobten und daher bekannten Handlungsmodellen auf gegenwärtige und künftige Herausforderungen zu reagieren, sondern vielfältiger, sensibler, komplexen und auch fragiler.

Dabei sollten wir allerdings nicht verkennen, dass alle unsere Überlegungen und Handlungsangebote selbst Entwicklungsprozessen ausgesetzt sind, also alle die Endgültigkeit anstrebenden Modelle keine Verwirklichungschance haben. Es gibt rationale Gründe dafür, aber auch emotionale Überzeugungen, dass der bisherige demokratische Kapitalismus keine Zukunft hat.

Bewährtes wird möglicherweise zumindest auf Zeit erhalten bleiben, aber insgesamt werden keine Lösungen mehr möglich sein, die nicht auf permanenten Fragestellungen beruhen. Um der Zersplitterung und Beliebigkeit zu entgehen, ist es dabei erforderlich, gesellschaftliche Nenner aufzutun, die die gesellschaftliche Orientierung für viele komplexe Fragen erlauben, seien diese aus dem Bereich Klimaschutz, Müllvermeidung und Altenpflege, um nur drei wichtige Punkte zu benennen.

Ein System wieder durch ein anderes zu ersetzen, selbst, wenn es ausgedient haben sollte, wird künftig keine Handlungsempfehlung mehr sein. Erfahrungen sind wichtig, aber wir sind frei, umfassend neu zu empfinden, zu denken und Möglichkeiten zu erproben. Unsere Gesellschaft hat sich global und partikulär Dank Internet, den Plattformen der Begegnung und sonstiger technischer Möglichkeiten partizipativ entwickelt.

Was liegt daher näher, als dieses Partizipationsmodell als Role-Modell zu verwenden und dabei darauf zu achten, dass alle Kräfte freigesetzt und auch gebündelt werden, um gemeinsame Ziele, klimatisch, wirtschaftlich, politisch und sozial zu erreichen. Durch „recoupling“ wird wirtschaftlicher und sozialer Erfolg verbunden, die Wirtschaft der Zukunft ist gemeinwohlorientiert und findet ihren Ausdruck in Sharing Economy, Kreislaufwirtschaft, Co-Working und gemeinsamer Anstrengung, diesen Planeten als lebenswert zu erhalten. Alles von Menschen für Menschen. Wir sind vor neue umfassende Aufgaben gestellt. Das vermag in uns einen Pioniergeist zu entzünden, schafft Lebensbestätigung und Gestaltungsmut. Packen wir es an!

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Rosige Zukunft (Teil 1)

Die Welt scheint aus den Fugen geraten zu sein. Das Lamento ist allenhalben groß. Kein Mensch kann es dem anderen noch recht machen. Dies schließt Politiker, Verkehrsteilnehmer und Nachbarn mit ein. Es gibt nichts, was bei uns nicht beklagenswert wäre. Ich kann es mir wohl ersparen, all dies aufzuzählen, weil ohnehin jeder Leser weiß, um was es geht und fast alle Menschen etwas zu beklagen haben. Wenn der beklagenswerte Gegenstand der Betrachtung nur weit genug weg ist, also den Klagenden eigentlich nicht berührt, klagt es sich am besten.

Das mag man Klagen auf hohem Niveau nennen. So weit würde ich allerdings nicht gehen. Ich halte das Niveau der meisten Klagen für eher bescheiden. Oft bringt schon eine einfache Frage, was der Klagende denn so beklage, ihn völlig aus dem Konzept: „Ja, weil ….!“ Die selbstverständlich nicht ausgesprochene Antwort ist, dass, wenn alle klagen, keiner am Rande stehen will.

Wenn nun der verständnisoffene Empfänger dieser Klage nach Abwägung aller Umstände meint, dass es doch noch nicht so schlimm sei, denn Ungerechtigkeiten, dumme Po­litiker, Volksverführer, Rassisten, Zerstörer und Migranten habe es schon immer gegeben und man habe doch zumindest in Europa schon erhebliche Fortschritte in der – zum Beispiel –Kriegsvermeidung gemacht, so folgt sofort ein: „ja, aber…“.

Wenn der Empfänger des Klagegesangs auch noch meint, dass wir in Deutschland vielleicht in einem der schönsten, erfolgreichsten und sichersten Plätze der Erde leben, dämmert allmählich das „Aber“ dahin und es folgt die Irritation des Klagenden, wenn der Empfänger der Klage den Spieß umdreht und selbst gedankenvoll auf die Probleme im Klimaschutz, Müllvermeidung und Bevölkerungswachstum hinweist.

Darüber ordentlich und nachhaltig zu klagen, fällt aber schwer, weil diese beklagenswerten Gegenstände komplex sind und sich einfachen Zuordnungen entziehen. Wir sollten eine Verständigung darüber finden, dass wir unsere ganze Hoffnung in unsere Kinder und Enkelkinder setzen, das bereits begonnene Werk der Verbesserung unserer Welt in allen wesentlichen Fragen fortzusetzen, wie dies trotz aller Rückschläge schon immer gewesen ist. In der Erwartung der fortschreitenden Verbesserung unseres Lebens haben wir unsere Kinder in die Welt gesetzt und beabsichtigt, ihnen Aufgaben anzuvertrauen oder etwa nicht?

Sollte es auch im Interesse unserer Kinder darum gehen, unseren Planeten zu erhalten, müssten wir allerdings drastische Maßnahmen ergreifen, obwohl wir uns davor fürchten, dies zu tun. „Es ist ja schon immer gut gegangen ist.“ Wir sind es nicht gewohnt, in größeren Zusammenhängen als den lokalen zu denken. Wenn Deiche brechen, schleppen wir Sandsäcke bis zur Erschöpfung, wenn allerdings sämtliche Deiche brechen und der Klimawandel unaufhaltsam ist, stehen wir im Norden Deutschlands permanent knietief im Wasser, und zwar auf Grundstücken, die wir nicht mehr die unseren nennen dürfen, sondern der Natur zurückgegeben haben werden. Das ist dann reichlich spät für grundsätzliche Überlegungen.

Wir sind dann mit der plötzlichen und permanenten Migration in höher gelegene Regionen, mit Verteilungskämpfen und Überlebensstrategien beschäftigt. Was folgt, ist mutmaßlich der Bürgerkrieg.

Können wir das noch verhindern? Ja! Gibt es einen anderen Weg? Nein!

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Unkenrufe

Trotz aller Unkenrufe, unsere Zukunft ist rosig! Wieso? Ganz einfach! Wir haben die Zukunft vor uns. Wir können sie gestalten. Die Zukunft ist wie eine Leinwand, die darauf wartet, bemalt zu werden oder wie ein grober Stein, der sich auf sein Behauen werden freut oder ein zartes Pflänzchen, das trotz Wind und Wetter zur robusten Pflanze erstarkt. Die Zukunft kann uns nichts anhaben. Sie ist nicht die vorweggenommene Vergangenheit, die wir bereits ausgenutzt oder verwüstet haben.

Aller Anfang ist neu. Wir haben allen Grund, zuversichtlich zu sein. Wären wir dies nicht, wäre es unverantwortlich, Kinder in die Welt zu setzen, zu lieben, zu genießen und sich zu freuen. Es wäre dann besser, alle Aktivitäten einzustellen, das Jetzt zu verbrauchen, zu packen und von dieser Erde zu verschwinden. Wir können ohne Zukunft nicht leben und es gibt keinen Grund, diese schwarz zu malen. Das zu tun, ist vor allem unverantwortlich gegenüber unseren Kindern, denen wir eine rosige Zukunft versprechen müssen, um sie nicht zu entmutigen, denen wir Kraft und Gelegenheit geben müssen, alles ein bisschen besser zu machen, als wir es getan haben, sei es bei Klimaschutz, der digitalen Entwicklung und der Menschlichkeit.

Wenn uns die Zukunft Angst machen sollte, dürfen wir dieses Muster nicht verabsolutieren. Unsere Angst beruht auf unserer Erfahrung, unserer Einschätzung und Vorbehalte. Wer sagt denn, dass unsere Kinder dies genauso sehen müssen? Möglicherweise haben sie Rezepte, die weit besser geeignet sind, mit Schwierigkeiten umzugehen als wir sie haben. Ich vertraue da ganz auf meine Kinder und Enkelkinder und sehe in ihren Augen und Verhaltensweisen eine große Neugier auf eine Welt, die sich ihnen öffnet und auch mir eine Chance gibt, sie bei ihrem Tun zu beobachten. Auf eine rosige Zukunft!

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Also sind wir

Wir wurden geboren. Das entsprach nicht unsere Entscheidung. Wir sterben. Das beruht in der Regel nicht auf unserer Entscheidung. Unser ganzes Leben beruht nicht auf unserer Entscheidung. Das Leben wurde uns nicht geschenkt, sondern angeordnet, aufgezwungen.

Unsere Menschwerdung folgt zwar auch einer wesentlichen Entscheidung unserer Eltern, aber nicht nur. Wir wissen, dass es Menschen im Allgemeinen geben muss, damit das Leben auf diesem Planeten seinen ihm immanenten Sinn hat. Das in die Welt geworfen sein des Menschen hat also Sinn und bedeutet doch Last. Was können wir vermeiden, was sollten wir müssen? Was müssen wir ertragen und was wird von uns erwartet?

Das ist zum einen individuell zu beantworten, je nachdem, in welchen Umständen wir aufwachsen, zum anderen aber auch umfassend gesellschaftlich und menschlich. Wir müssen unserem Leben den Sinn zuordnen und uns dieses Vorgangs stets bewusst sein. Sinn zu erhalten, heißt sich zu vergegenwärtigen, dass unser Leben eine Grundlage hat und uns in Verantwortung nimmt für die Erhaltung der Menschheit auf diesem Planeten und aller seiner Lebewesen, der gesamten Natur.

Diese Verantwortung muss gelehrt werden, und zwar beginnend mit den Eltern als immerwährender Lebensunterricht bis zum Tode. Wird unser Lebenssinn und dessen Erhaltung nur einzelnen Aufpassern überantwortet, so stellt sich allseits eine Überforderung ein, sowohl bei den Wächtern als auch bei uns, die wir den Sinn von diesen getroffenen Maßnahmen in unserer kleinen Welt oft nicht begreifen können und ignorieren.

Das gilt für den Klimaschutz gleichermaßen, wie für nicht recycelbaren Müll, Verschwendung und in Kauf genommene Erkrankung infolge persönlicher Vernachlässigung. Da unser Leben sinnvoll ist, muss es der Verschwendung und Zerstörung widerstehen, sonst sind wir die Opfer einer existenziellen Selbstverleugnung. Die Unterweisung in den Fächern Lebenssinn, Menschenwürde und Erhaltung des Planeten sollte nicht nur auf dem Schulplan stehen, sondern auch in jedem Gespräch mit sinnstiftenden Eltern berücksichtigt werden.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski