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Rosemarie Bronikowski

Zu Deinem Geburtstag am 02.05.1922
(Ersterscheinung am 14.06.2016)

Nein, ich verschweige natürlich nicht, dass du meine Mutter bist. Aber in aller Öffentlichkeit wirst du als kraftvolle Lyrikerin und Schriftstellerin wahrgenommen, die mit der ihr anvertrauten Sprache sorgsam und bildscharf umgeht. Du führst deine Leser nicht in die Irre, verabreichst auch keine Wahrheiten, sondern tischst Nachdenklichkeit auf. Wäre ich ein Gourmetkritiker und deine Gedichte Menüs, so würde ich behaupten, du forderst deine Leser auf, unverbildet zu schmecken, zu sehen und zu riechen, was du ihnen anbietest.

Mögen auch die Grundnahrungsmittel wohl bekannt sein, so verschaffst du ihnen Geltung durch die Zubereitung und Verfeinerung mit Witz und eine Prise Ironie. Dies als notwendige Zutat, damit der Leser die gesamte Opulenz des Werkes zu schmecken vermag. Aus deinem dichterischen Gesamtwerk eine Kostprobe aus „Von der Hand gesprungen“.

Das Leben hat´s in sich
es hat seine Festtage
seine Fröhlichkeiten
auch seine Traurigkeiten
aber meistens fließt´s nur dahin
genau das ist uns nicht geheuer
wenn eine runde Zahl erscheint und die nächste
schon am Horizont aufflimmt.
Das Lachhafte am Leben ist seine Kürze
die vorher wie Länge aussah.
Der fliegende Wahnsinn der Jahre
bewegt sich ohne unser Zutun ins Absurde
und ist nur mit Sinn für Komik zu ertragen.

Noch mehr von den literarischen Angeboten unter www.rosemarie-bronikowski.de.

Auch, wenn du 5 Sterne verdienst, Ehrungen sind und waren dir nicht wichtig, aber dass die Gäste sich an deinem Tisch stets wohlfühlen und bleibende Erinnerungen an das Mahl behalten, das erfüllt dich mit Genugtuung und Freude.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

 

Von der Hand gesprungen

Tod, wo ist Dein Stachel, heißt es beim ersten Korinther 15, Vers 15. Tod, wo ist Dein Sieg heißt es weiter. Egal. Tod ist Ende, aus. Rien ne va plus. Stillstand. Kein Herzschlag mehr, keine Hirnaktivitäten, keine Transaktionen sind mehr möglich; alles ist vorbei, nachwirkend nur Gefühle, Gedanken von Mitmenschen und Testamente.

Das Leben ist von der Hand gesprungen, wie die Schriftstellerin Rosemarie Bronikowski meint. Alle Lebensaufregungen haben zu einem Ende gefunden, aber waren sie vergeblich? Keineswegs. Bei Psalm 90, Vers 12 steht: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Wir müssen das Leben mehr vom Ende her denken, begreifen, dass die Ausbildung, die wir im Leben erfahren, wichtig dafür ist, dass wir am Schluss loslassen können.

Ein in der Selbstausbildung noch unvollendeter Mensch stirbt und hinterlässt meist eine Unordnung, die vergiftend nachwirken kann. Nicht Erbschaftsteuer und Verteilungsgerechtigkeit beim Nachlass erhält das Andenken an den Verstorbenen und den Sinn seines Lebens aufrecht, sondern seine Fähigkeit beizeiten, das Materielle von dem Immateriellen zu trennen und seinen nächsten Angehörigen und der Welt etwas zu hinterlassen, was das Leben wirklich ausmacht: Liebe, Schönheit und Demut.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Tod

Herr, lehre uns Bedenken, dass wir sterben müssen, so heißt es in der Bibel, Psalm 90, Vers 12; 1. Korinther 15 Vers 55 hält dagegen unter Protest „Tod, wo ist dein Stachel?“ John Donne bezeugt in seinem Gedicht „Death be not proud“ den Tod für überwindbar. Wie immer wir versuchen, damit umzugehen, der Tod kommt. Jeder Mensch ist sterblich.

In Ihrem Gedichtband „Von der Hand gesprungen“ hat Rosemarie Bronikowski im Gedicht „Das Leben hat´s in sich“ hinzugefügt: „Das Lachhafte am Leben ist seine Kürze, die vorher wie Länge aussah“. Sich dessen bewusst seiend, dürfte der Appell, den wir an uns selbst richten, nicht vergeblich sein: „Mensch, werde wesentlich“. Was kann uns dieser Satz sagen?

Derjenige, der sich angesprochen fühlt, könnte zum Beispiel darüber nachdenken und Konsequenzen daraus ziehen, dass es angesichts der Endlichkeit sinnvoller ist, sich zu versöhnen, als sich zu entzweien. Im Volksmund ist es natürlich nur dahingesagt: „Das letzte Hemd hat keine Taschen“. In Wahrheit versucht jeder in seiner Tasche bis zum letzten Tage so viel zu belassen, wie möglich ist, um dann die Taschen an die nächste Generation weiterzugeben. Dann beginnt alles wieder aufs Neue.

Da Geld auch geronnene Arbeit ist, bestünde die Möglichkeit, die Üppigkeit unseres Verdienstes mit anderen zu Lebzeiten zu teilen. Da gibt es viele Möglichkeiten, die nicht mit Verzicht, sondern mit Fortsetzung des Reichtums auf andere Weise zu tun hat. Eingedenk der Endlichkeit unseres Lebens geht es um die persönlichen und wirtschaftlichen Beiträge, die wir gegenüber der Familie und der Gesellschaft erbringen, und zwar auch dann, wenn wir den Erfolg unseres Wirkens möglicherweise selbst gar nicht mehr erleben. Der Mensch, der über sich selbst hinaus zu denken und zu handeln vermag, der hat den Tod wahrhaft überwunden.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Rosemarie Bronikowski

Nein, ich verschweige natürlich nicht, dass du meine Mutter bist. Aber in aller Öffentlichkeit wirst du als kraftvolle Lyrikerin und Schriftstellerin wahrgenommen, die mit der ihr anvertrauten Sprache sorgsam und bildscharf umgeht. Du führst deine Leser nicht in die Irre, verabreichst auch keine Wahrheiten, sondern tischst Nachdenklichkeit auf.

Wäre ich ein Gourmetkritiker und deine Gedichte Menüs, so würde ich behaupten, du forderst deine Leser auf, unverbildet zu schmecken, zu sehen und zu riechen, was du ihnen anbietest. Mögen auch die Grundnahrungsmittel wohl bekannt sein, so verschaffst du ihnen Geltung durch die Zubereitung und Verfeinerung mit Witz und eine Prise Ironie. Dies als notwendige Zutat, damit der Leser die gesamte Opulenz des Werkes zu schmecken vermag. Aus deinem dichterischen Gesamtwerk eine Kostprobe aus „Von der Hand gesprungen“.

Das Leben hat´s in sich
es hat seine Festtage
seine Fröhlichkeiten
auch seine Traurigkeiten
aber meistens fließt´s nur dahin
genau das ist uns nicht geheuer
wenn eine runde Zahl erscheint und die nächste
schon am Horizont aufflimmt.
Das Lachhafte am Leben ist seine Kürze
die vorher wie Länge aussah.
Der fliegende Wahnsinn der Jahre
bewegt sich ohne unser Zutun ins Absurde
und ist nur mit Sinn für Komik zu ertragen.

Noch mehr von den literarischen Angeboten unter www.rosemarie-bronikowski.de.

Auch, wenn du 5 Sterne verdienst, Ehrungen sind und waren dir nicht wichtig, aber dass die Gäste sich an deinem Tisch stets wohlfühlen und bleibende Erinnerungen an das Mahl behalten, das erfüllt dich mit Genugtuung und Freude.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski