Schlagwort-Archive: Selbstermächtigung

Lebensentwürfe

Ich will Philosophen, Naturwissenschaftlern, Schriftstellern und Politikern – um nur einige zu nennen – in keiner Weise absprechen, dass sie dazu fähig sind, grandiose Lebensentwürfe für die Gesellschaft, für alle Menschen und natürlich auch für mich zu fertigen. Doch wie ist diese Selbstermächtigung legitimiert?

Womöglich dadurch, dass ihre Einschätzungen und Entwürfe mehrheitsfähig sind, Erwartungen des Klientels befriedigt werden, ggf. auch einer politischen Zwangsläufigkeit Rechnung tragen. Ich kann es nicht und vielleicht kann niemand diese Frage schlüssig beantworten. Es hat sich so eingespielt, und solange Gleichgültigkeit herrscht, Vor- und Nachteile sich die Waage halten, nimmt niemand Anstoß an diesem Umstand. Wenn es allerdings knirscht zwischen den unterschiedlichen Perspektiven, dann pocht jeder auf seinen eigenen Entwurf und pfeift auf die schweigende Allgemeinverbindlichkeit einer Haltung. Was wäre dagegen zu tun? Etwa Lebensentwürfe exemplarisch zu sammeln, das Typische an diesen zu erkennen, diese mit anderen zu verhandeln und in einem Contrat Social als Leitentwurf zu verabschieden, der Orientierung erlaubt, aber auch mit Toleranzen für unterschiedliche Entwürfe ausgestattet ist?

Dies könnte zunächst regional und später zusammenfassend zentral erfolgen, um eine größtmögliche Schnittmenge unserer Gesellschaft dabei abzubilden. Zu glauben, Wissenschaftler und Politiker könnten dies alleine, miteinander oder gegeneinander auch schaffen, dürfte sich sehr bald als verhängnisvoller Irrtum erweisen. Spätestens dann, wenn die Kakophonie der Meinungen jeden Konsens in unserer Gesellschaft unmöglich macht, begreifen wir, dass eine Verständigung auf Pluralität, Interessensausgleich und der gemeinsamen Ermittlung von Schnittmengen diverser Lebensentwürfe beruht.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Legitimität

Legal und legitim sind unterschiedliche Schuhe, die nicht jedem Träger gleichzeitig passen. Beide entsprechen allerdings Optionen, die es dem Träger dieser Schuhe gestatten soll, seinen Weg konsequent zu gehen. Ist dieser Weg selbst legal und legitim, kommt der Träger kaum ins Stolpern. Ist der Weg legitim, aber nicht legal, dann bedarf es heftiger Anstrengungen, um sämtliche Hürden und Hindernisse auf diesem Weg zu überwinden.

Ist der Weg schließlich nur legal, aber nicht legitim, dann ist es eine Frage der Zeit, bis der Träger dieses Vorhabens erkennt, dass sein Weg dornig endet. Wir wissen, dass die Legitimität eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen jedes Vorhabens ist und diese Legitimität sich aus der Akzeptanz aller Stakeholder des Vorhabens ableitet. An fehlender Legitimität scheitert jede Herrschaft, und zwar auch dann, wenn Gesetze diese befürwortet.

Selbstermächtigung schafft keine Legitimität, weil sie substanzlos nur auf dem Machterhalt ihres Protagonisten beruht. Lukaschenko, Putin, Erdogan und noch etliche andere Potentaten verfügen über keinerlei Legitimität, und zwar selbst dann nicht, wenn es ihnen gelingt, auf Zeit, Dank der Angst oder des Phlegmas eines wesentlichen Teils der Bevölkerung, legal zu herrschen.

Sie sind illegitim an ihrem Platz, behaupten diesen aber selbst dann, wenn sie erkennen müssten, dass ihre Ermächtigung ausschließlich von missbrauchten Gesetzen und ihrem Machtapparat abhängt. Warum sie das tun, bleibt ein Rätsel.

Franco, Salazar und Hitler, aber auch Napoleon und der Zar. Überall ist statt Legitimität legale Anmaßung zu konstatieren. Aber außer dem Trotz und der Angst, als Verlierer dazustehen, nicht gemocht oder gar bestraft zu werden, bleibt nichts, dass es wert wäre, erinnert zu werden.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Inter-Journey II

Vor Jahrzehnten lernte ich, mich in meinem Körper zu bewegen und Kontakt aufzunehmen mit meinen Organen, insbesondere dann, wenn sie vorübergehend gestört waren. Ich nahm so Schmerzen in den Füßen wahr, begab mich mental dorthin, besprach die Situation und wir, also mein Bewusstsein und das Organ, fanden eine Lösung.

Inter-Journey beruht auf einem Bewusstseinstraining und es kann die Frage erlaubt sein, ob wir die Fähigkeit im Körper mit eigenen Organen Kontakt aufzunehmen nicht auch auf unser Bewusstsein, ggf. auf andere Lebewesen und die Natur insgesamt ausdehnen können. Wir sind in unserem Bewusstsein unbegrenzt und auch in der Natur und mit der Natur ein und dasselbe. Immerzu definieren wir aber unsere Grenzen und unsere Abgrenzungen, damit wir wohlgestaltet unser Leben in endlos erprobten Ritualen bewältigen können.

So wie viele es vermeiden, sich selbst in ihrem Körper zu begegnen und zum Beispiel mit dem Darm Kontakt aufzunehmen, nachdem wir gerade einen Doppelcheeseburger gegessen haben. So vermeiden wir auch, uns in das Tier hinein zu empfinden, was getötet werden musste, damit uns der Burger schmeckt. Es geht mir bei dieser Betrachtung gar nicht darum, für Vegetarier oder Veganer zu werben, sondern generell das Bewusstsein für die Vorgänge allgemein zu fördern und darauf zu drängen, dass wir durch Reisen in unser Inneres durch Wahrnehmung komplexer Zusammenhänge mehr erfahren, als nur einen Schmerz, ein Gefühl der Sättigung oder des Überdrusses. Es gilt, immer wieder etwas zu entdecken, vorzudringen in bisher nicht bedachte Räume, die mit einer entsprechenden Selbstermächtigung zu einer reflektierten Reise eröffnet werden können.

Natürlich erfordert dies Mut, weil auf dieser Expedition ins eigene Bewusstsein auch Unangenehmes zu Tage treten kann, aber insgesamt verschafft die Erweiterung von Erkenntnissen Freude und schließlich auch Glück.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski