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Gift

Tonnenweise werden derzeit in Belgien Eier vernichtet. Sie sind vergiftet. Können wir noch in Ruhe irgendein Lebensmittel in Deutschland verzehren, das mit Eiern in Berührung gekommen ist?

Nein, wir wissen nicht, in welchen Großbetrieben, Kantinen oder Fabriken die Eier verarbeitet wurden. Sie befinden sich in Kindernahrung, wie Nudeln oder Kuchen. Systematisch werden wir Menschen vergiftet. Durch Pestizide, Diesel und Reinigungsmittel. Ist das normal? Ist das ein Kollateralschaden, den man in einem prosperierenden Land einfach hinnehmen muss?

Wahrscheinlich wird dies jeder verneinen und auch jeder Politiker behaupten, dass man alles unternehmen werde, um der Situation Herr zu werden und die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. Dieses Vorbringen ist natürlich kläglich und soll die Ohnmacht kaschieren, die angesichts der umfassenden Angriffe auf unsere Gesundheit besteht. Was könnte getan werden? Es wird nach repressiven Maßnahmen gerufen. Die Schuldigen müssten bestraft werden und künftig sei der Schutz gegen Vergiftungen und Verseuchungen auszubauchen.

Also, der Staat wird das regeln? Das ist nicht anzunehmen. Es fehlt an einem wichtigen Bindeglied zwischen Staat und Gesellschaft, d. h. es mangelt an einer allgemeinen Überzeugung aller Menschen, dass man dieses oder jenes nicht tut, hier also: andere Menschen zu vergiften. Es wäre an der Zeit, einen Kodex zu schaffen, der Anforderungen eines Menschen enthält, die unabdingbar sind.

Artikel 1 GG enthält zwar schon das Gebot, dass die Würde des Menschen unantastbar sei. Das ist aber zu wenig. Es müssen Regeln geschaffen werden, die die Verabredung beinhalten, andere nicht zu schädigen, zu vergiften, zu übervorteilen etc. Mit Strafgesetzen allein ist dies nicht getan. Religionen haben früher einen Ordnungsrahmen für menschliches Verhalten gesetzt. Der Einfluss der Religion ist geschwunden, ohne dass zwischenzeitlich Alternativen kodifiziert worden wären. Stets werden in Sonntagsreden die Werte unserer Gesellschaft angemahnt, ohne dabei genau zu bekennen, worin diese Werte tatsächlich bestehen sollten. Werte sind belanglos, wenn sie nicht erreicht werden oder sie gar nicht erkannt werden können.

Es kommt daher weniger auf die Werteansicht als vielmehr auf das Verhalten jedes einzelnen Menschen in der Gruppe an. Alles wird von Menschen für Menschen geschaffen. Wir müssen verinnerlichen, dass es uns wert ist, für uns selbst und für künftige Generationen die Welt als unsere gesunde Lebensgrundlage zu erhalten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Wir schaffen das!

In stark vereinfachter Sicht haben wir die nachfolgenden Herausforderungen, wobei ich sie der Einfachheit halber beziehungslos nebeneinandergestellt habe: Flüchtlinge, Krieg in Afrika und im Nahen Osten, Auseinandersetzung auch mit kampfbereiten religiösen Gruppierungen, Bevölkerungszuwachs, Klimaveränderung, Armut, Digitalisierung, Sklaverei, wirtschaftliche Verwerfungen, Schaffung von fairen Handlungsbeziehungen, Pflegeaufwand für ältere Menschen, Beschäftigungsmöglichkeit für jüngere Menschen, Bildungs- und Sozialgefälle.

Über Details lässt sich da trefflich streiten, insbesondere darüber, ob diese Liste nicht nur ansatzweise die Herausforderungen an Staat und Gesellschaft benennt oder nicht schon jetzt in großem Umfange fortgeschrieben werden müsste, weil jeder Mensch, jede Gesellschaft, jeder Staat, jede Religion und jede Gemeinschaft eine Fülle von Problemen und Herausforderungen bezeichnen kann, die über kurz oder lang auch einer Lösung zugeführt werden müssen. Die Zeit arbeitet für die Problemlösung, da jede Herausforderung auf einen Höhepunkt zusteuert und dann wieder nach Überschreitung des Zenits verglüht und aus der allgemeinen Wahrnehmung verschwindet, um weiteren Herausforderungen und Problemen Platz zu machen.

Weder können wir sämtliche Probleme zu einem Zeitpunkt erfassen noch sie zur gleichen Zeit lösen. Wir leben von unseren Problemen. Sie gehören zu uns und sorgen für tägliche Aktivitäten, verbürgen auch für die Zukunft genügend Arbeitsmaterial für unsere Zuwendung. Diese besteht in der Erstellung einer To-Do-Liste, in der wir die Maßnahmen festhalten, die ergriffen werden müssten oder sollten, um das Problem zu erkennen, zu bearbeiten und ggf. sogar zu lösen. Diese To-Do-Liste setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen, zum einen aus einem Gedankensturm vielfältigster Möglichkeiten, so ferne liegend sie auch erscheinen mögen. Erst diese Stoffsammlung gestattet dann, die wichtigsten Maßnahmen heraus zu destillieren und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten, die geeignet sein könnten, die Ursache des Problems zu sehen und dieses zu beseitigen.

Die Verursacher von Problemen werden oft bekämpft und etwaige Lösungen, die vor allem unter ihrer Mitwirkung möglich wären, außer Betracht gestellt, weil es unwahrscheinlich anmutet, dass der Verursacher eines Problems auch für dessen Beseitigung eintreten könnte. Das halte ich für falsch. Es geht nicht um moralische Bewertungen und Rechthaberei, sondern darum, dass Verursacher und Betroffene am ehesten in der Lage sind, eine Lösung zu finden, ggf. durch Mediation.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski