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Güte

Alles hängt vom Menschen und von seiner Einstellung zu sich selbst ab. Ist er mit sich selbst nicht „im Reinen“, wird es ihm kaum möglich sein, über seinen Schatten zu springen und die äußeren gesellschaftlichen Attribute von Marktmacht, medialer Öffentlichkeit sowie Frust und Kleinmut zu überwinden.

Diejenigen, die aus ihrer Integrität heraus handeln, Vertrauen schaffen und damit ideell wie auch wirtschaftlich erfolgreich sind, werden niemals die absolute große Macht für sich an­streben, weil sie wissen, dass ihre Aura kaum verletzbar ist.

Diejenigen, die aufgehört haben, Ansprüche zu stellen, und stattdessen geben, werden im Überfluss des ihnen selbst Dargebrachten alles einsetzen, um den­jenigen zu helfen, die es nötig haben. In einer Gesellschaft, in der jeder gibt, was er hat und mit anderen teilt, was er vermag, mutig und kühn seine Felder bespielt, werden andere ermutigt, mitzumachen; diese erfahren durch das Beispiel die Chance der eigenen Möglichkeit und so weiter.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Die Würde jedes einzel­nen Menschen wird nicht nur vom Staat geschützt, sondern gibt jedem Menschen das Recht, sich in dieser Gewissheit stolz und wohl zu fühlen, seine Fähigkeit zu entwickeln und nutzbringend für unsere Gesellschaft einzusetzen.

Die Menschen eines Landes, die mit sich selbst im Reinen sind, würden sich einander vertraut und sehr erfolgreich werden und dabei konziliant gegenüber anderen sein.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Beschäftigung

Junge Menschen haben häufig ein distanziertes Verhältnis zur Ausbildung. Dies beruht zum einen auf einer zu langen Ausbildungsdauer, zum anderen auf dem Misstrauen gegenüber der Richtigkeit und Verlässlichkeit von Ausbildungsinhalten. Kinder und Jugendliche sind im Zuge ihrer Entwicklung einer steten Veränderung unterworfen. Ihr Lebensumfeld entwickelt sich jedoch nicht oder nur schwerfällig.

Die Modelle bleiben die alten. Sie passen sich den jungen Menschen nicht an. Junge Menschen sind flexibel und digital aufgerüstet. Der Unterschied von Umfeld und eigener Erwartungshaltung führt zur Frustration, denn für den jungen Menschen ist es immer Zeit für den Aufbruch. Jugendliche wollen sich bewähren, ihre Kräfte messen.

Damit sind nicht nur die körperlichen Kräfte, sondern auch ihre emotionalen und geistigen Kräfte gemeint. Es ist oft zu beobachten, dass sogenannte bildungsfeindliche und scheinbar aggressiv ablehnende Kinder und Jugendliche sofort zur „Sache“ gehen, wenn es ein Problem gibt, welches sie lösen können. Sie wollen gerne etwas tun, aber die Reaktion der Erwachsenen ist häufig: „Das kannst Du noch nicht, dafür bist Du noch viel zu jung und unerfahren.“

Mit solchen Reaktionen machen wir generationenübergreifend Fehler. Wir können unsere Kinder und Jugendliche nicht für uns gewinnen, wenn wir ihnen keine Beschäftigung geben, sondern glauben, ihr Kopf müsse mit Lehrstoff vollgestopft werden, dann kämen sie nicht auf dumme Gedanken. Aber dann schlagen sie doch plötzlich aufeinander ein, quälen einander, verprügeln Lehrer, rauchen und trinken, schneiden sich tiefe Wunden ins Fleisch und brüllen Parolen.

Das haben weder die Gesellschaft noch die Eltern gewollt. Darauf kommt es aber überhaupt nicht an. Die Jugendlichen gestalten ihren Raum oft deshalb nicht, weil wir glauben, ihnen diesen zuweisen zu müssen. Für sie ist dieser durch uns vorgeschriebene Raum aber oft eng, lieblos und ohne Ideale. Wir aber müssen unseren Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten eröffnen, sich selbst auszuprobieren und zu beweisen. Nur damit erkennen sie ihre eigenen Fähigkeiten. Auf etwas stolz zu sein und Anerkennung zu erfahren, ist für alle Menschen wichtig, besonders aber für Kinder und Jugendliche, weil Selbstzweifel oft in Aggressionen umschlägt. Dies mit verheerenden Folgen für den Jugendlichen selbst, seine Familie und die ganze Gesellschaft.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Zu geben ist gerecht

Zu geben sei besser als zu nehmen, so heißt es gemeinhin im Volksmund. Das ist wohl eine Erziehungsparole, vielleicht auch eine Selbstorientierung aber vor allem an die Adresse anderer Menschen gerichtet.

Was ist nun gerecht? Anspruch, Erwartung oder Zuwendung? Wie kann es gerecht zugehen in einer Welt, die von Habsucht, Neid, Missgunst und Eifersucht geprägt ist? Sicher Klischees! Den Menschen zeichnet auch Empathie und Mitgefühl aus, das Mitleiden und Helfenwollen. Wir Menschen leugnen die raffgierige Seite unseres Wesens nicht aber, statt Scham zu empfinden, verteidigen wir unsere Interessen. Wir freuen uns auch über jeden kläglichen Sieg, den wir davongetragen haben und halten die Schäden, die wir anrichten, nicht für die Rede wert und übertrieben. Denn wie gesagt, es sind nicht alle Menschen so, also kann man die Selbstsüchtigen verkraften.

Als selbstsüchtig bezeichnen wir gemeinhin den, der im Leben weitergekommen ist, Geld hat und sich durchzusetzen vermag. Das ist nicht gerecht, finden diejenigen, die sich zu kurz gekommen fühlen. Das Zu-kurz-gekommen-sein drückt sich aus in einem Anspruchsverhalten, d. h. ich verlange, dass der, der mehr hat als ich, alles – zumindest einen Teil davon – mir gibt. Das halte ich für gerecht. Derjenige, der alles hat, hält auch dies für gerecht, denn der andere oder die Generationen vor ihm hätten sich ja auch bereits um entsprechenden Wohlstand kümmern können. Keiner will den Schalter umlegen, weder bei der Besitzstandswahrung noch im eigenen Anspruchsverhalten. Eine entwicklungsfähige Gesellschaft muss auf Ausgleich bedacht sein. Diejenigen, die über entsprechenden Wohlstand verfügen, glauben gerecht zu sein, weil sie Stiftungen gründen und Not lindern.

Das machen einige und in der Tat, dies ist großartig, reicht aber nicht. Erforderlich ist ein Geben als gesellschaftlicher Prozess, der Entschluss damit aufzuhören, sich auf Kosten anderer zu bereichern, gemeinsam ein interessenorientiertes Miteinander mit anderen zu pflegen, das auf Verständnis, Rücksicht und Teilhaberschaft gegründet ist. In diesem Prozess des Gebens und Nehmens muss aber auch der Nehmende sich anstrengen, die Erwartungen des Gebenden zu befriedigen, mitzumachen am gesellschaftlichen Entwicklungsprozess, anstatt darüber zu jammern, dass es einem nicht selbst so gut ginge, wie anderen. Selbstbewusstsein, Stolz und Rücksichtnahme sind drei zu benennende Eigenschaften, die dazu beitragen könnten, nicht das Nehmen, sondern das Geben als gerecht zu empfinden.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Stolz

Kaum ein Amerikaner hätte ein Problem damit zu bekennen, dass er stolz auf sein Land sei. I´m proud to be an american. Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein? Wie klingt das anders, fremd? Stolz ist weitgehend aus unserem Sprachschatz verbannt. Stolz scheint anzuknüpfen an eine schlimme Vergangenheit Deutschlands, scheint verbunden zu sein mit Überheblichkeit und Ei­gennutz. Im unter­schiedlichen Sprachgebrauch schwingt dies sicherlich auch mit. Stolz hat die Aura des Triumphalen, signalisiert Macht. Wer stolz ist, kann sich dies leisten. Ist damit Stolz das Privileg der Arrivierten? Im Englischen klingt dies anders. Gerade derjenige, der am Rande der amerikani­schen Gesellschaft steht, verkündet so seinen Stolz. Der Stolz ist das, was noch bleibt, wenn der Mensch abgewirtschaftet hat. Der Arme verkündet seinen Stolz. Wenigstens also. Wer hier bekennt, stolz auf sein Land zu sein und nicht der politischen Meinungsfüh­rerschaft Deutschlands angehört, muss dagegen fürchten, für einen verkappten Nazi gehalten zu wer­den. Stolz geht allenfalls im kleinen privaten Raum, zum Beispiel stolz auf seine Kinder zu sein, die das Abitur bestanden haben oder eine Lehr­stelle bekamen. Stolz darauf, Vater zu werden, stolz auf ein Lob oder einen Preis, aber mehr Stolz ist nicht drin. Kann man aber so dem Stolz gerecht werden? Ist wirklich nicht mehr drin oder verstehen wir einfach nicht, stolz zu sein? Woher kommt Stolz? Was sind seine Bestandteile? Bei der Bewusstwerdung geht es nicht um eine etymologi­sche Ableitung, sondern darum, welche Signale Stolz setzt. Stolz ist derjenige, der etwas er­reicht hat. Eine Leistung ist vollbracht, und zwar zunächst eine eigene. Zunächst also ist Stolz sehr per­sönlich, festgemacht an der Fähigkeit, zufrieden mit den eigenen Umständen oder einer Leis­tung zu sein. Dies wiederum hat mit der generellen Selbst­wahrnehmung eines Menschen zu tun. Ich bin es mir selbst wert, dass ich stolz sein kann. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Damit wird auch gleichzeitig signalisiert, dass der würdige Mensch bereit ist, stolz zu sein auf sein eigenes Verhalten, seine Leistungen und das, was er für an­dere tut. Stolz und Würde sind Geschwisterpaare der selben Eltern. Die Würde des Menschen erlaubt diesen Stolz. Der Stolz muss aber nicht persönlich bleiben, sondern aus der Summe des Stolzes jedes einzelnen Menschen formt sich das ganze, und zwar das stolze Wir-Gefühl, abge­leitet von der Erkenntnis, dass nicht nur ich alleine, sondern jeder andere Mensch in einer Gesell­schaft eben­falls viel dazu beiträgt, dass das Werk gelingt, der Gemeinde, den Staat, Europa und Menschen überhaupt die Hilfe zuteil wird, die sie benötigen, aber oft nicht selbst organisieren können. Stolz ist die Bekräftigung des Willens, im Erreichten nicht stehenzubleiben, sondern sich weiter zu engagieren, im persönlichen, privaten Bereich genauso wie in der Gesellschaft. Stolz ist so gese­hen ein wichtiger Beweger der Bürgergesellschaft. Im bin stolz, dieser anzugehören.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski