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Geister treiben

Dem Gedichtband „Geister treiben“ der Lyrikerin Rosmarie Bronikowski entnehme ich zum Stichwort

Klimakonferenz

Festliche Untergangsstimmung 

Gletscher veranstalten Wettfahrt

Eisschollen werden prämiert

für die flüssigste Ausdrucksweise

Wohnhäuser stehn als Kulissen

Unwetter verformen den Boden

der Fisch schwimmt im eigenen Öl

Hat noch jemand eine Frage?

Applaus aus der Zuhörerschaft

Langstielig verbeugt sich die Rose.

Alle sind festlich vereint zum Untergang.

Zu guter Letzt verbeugt sich die Rose. Nur eine würdige Geste oder ein Hinweis darauf, dass im Untergang andere die Regie übernommen haben, der Mensch nicht mehr gefragt ist? Und wenn ja, lässt der Applaus darauf schließen, dass es vielleicht doch nicht so schlimm kommt, die Natur das Ruder herumreißt?

Die Erzählung „Erwin, die Seerobbe“, die Hans vom Glück verfasst hat, lässt dies vermuten. Für seinen Einsatz und die Hilfe zuversichtlicher Wesen dieses Planeten erhält Erwin den Nobelpreis für Klima- und Umweltschutz und äußert sich dabei in seiner Dankesrede wie folgt:

„Die Sprache ist der Schlüssel zum Leben. Sie erlaubt die Kommunikation zwischen dem Menschen, aber auch zwischen Menschen und anderen Lebewesen, wenn diese sich auf eine gemeinsame Sprache einlassen. Verdienstvollerweise versucht seit langem schon auch der Mensch unsere Sprache zu verstehen, aber auch wir – die Tiere – sind nicht untätig geblieben und haben den Durchbruch geschafft. Wir sprechen eure Sprache. Dass ihr uns das zutraut, wissen wir schon aus vielen Kinder- und Jugendbüchern, aber, dass wir nun tatsächlich mit euch reden können, sollte uns ermutigen, dieses Wissen aufzunehmen, Schulen einzurichten, in denen unser gemeinsames Anliegen gelehrt und verbreitet wird, um daraus bessere Handlungsmöglichkeiten für ein künftig ausgeglichenes Zusammenleben aller Bewohner unseres Lebensraums zu schaffen. Sicher verkenne ich nicht, dass der eine oder andere Angst davor haben mag, dass wir Tiere nun die Erde übernehmen, weil wir eure Sprache nutzen können. Das halte ich für unwahrscheinlich. Wie auch die Menschen früherer Zeiten, zum Beispiel Inuits oder Maori wollen wir leben, wo und wie wir sind. Wir sind nicht fortschrittsgläubig im menschlichen Sinne, nicht darauf aus, uns die Erde zu unterwerfen, sondern ihr üppiges Angebot in Konkurrenz und friedlichen Miteinander mit allen Lebewesen zu nutzen. Folglich liegt uns die Erhaltung der Welt am Herzen. Lassen Sie uns im Interesse aller Körperlichen und Unkörperlichen, Lebewesen und Nichtlebewesen auf dem Planeten und im ganzen unendlichen Universum diese Aufgabe gemeinsam angehen.“

Daraufhin gab es zunächst nur zögerlichen Applaus, aber dann standen alle auf und feierten gemeinsam den Beginn dieser erwartungsvollen Zusammenarbeit.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski