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Zusammenhalt – Bindung

In Gedichten, Liedern und Parolen versichern sich Menschen im privaten, öffentlichen und gesellschaftlichen Bereich des Zusammenhalts, der Bindung und der Unterstützung. Füreinander da zu sein, ist ein beliebter Aufruf und entspricht dem Anspruch durch wechselseitige Versicherungen, gemeinsam Herausforderungen des Lebens in der Zuneigung, Familie, Beruf und auch im öffentlichen Raum zu meistern, Probleme zu lösen, Angriffe abzuwehren und das Leben für alle Beteiligten sicherer und planbarer zu gestalten.

Treiber sind dabei Einsicht, Vernunft und Lebenswille. Inhaltlich wird dieser Anspruch durch einen Kodex, der ein verlässliches Maß an Orientierung im Handeln erlaubt, unterstützt. Sowohl im privaten, als auch im gesellschaftlichen Raum haben sich die Kriterien für Verhaltensweisen herausgebildet, die Menschen veranlassen, so zu sein und zu handeln, dass sie nicht nur mit den Erwartungen anderer Menschen korrespondieren, sondern sich dabei auch ihrer eigenen Integrität versichern können.

Aber nicht nur inhaltlich, sondern auch organisatorisch muss die Verabredung verbindlich sein. Toleranzen innerhalb abgesteckter Erwartungshaltungen sind dabei zwar zuträglich, werden diese allerdings wesentlich überschritten, bleibt ein organisatorisches Eingreifen unvermeidlich, um den Zusammenhalt und die Bindung innerhalb eines gestellten Ordnungsrahmens weiter zu gewährleisten. Wie im persönlichen Bereich, ist dafür auch im gesellschaftlichen Bereich eine Resilienzstrategie, die stets eingreift, wenn der Toleranzrahmen überschritten wird, erforderlich. Es sind Maßnahmen zu ergreifen, die präventiv wirken, d. h. bereits sich anbahnende Störungen des Zusammenhalts und der Bindung begutachten, Lösungen anbieten und ggf. dafür sorgen, dass Verabredungen regelbasiert auch künftig eingehalten werden. 

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Faschist

Faschismus ist zwischenzeitlich ein gängiger Arbeitsbegriff von Potentaten, die damit Menschen in ihrem Sinne beeinflussen wollen. Offenbar ist er noch nicht ganz abgenutzt, obwohl nicht nur Erdogan, sondern auch Putin ihn gerne benutzen. Faschisten sind immer die Anderen und man gehört selbst selbstverständlich zu den Guten. Warum funktioniert das, obwohl die durch den Faschismus-Vergleich Angesprochenen wahrscheinlich die Bedeutung des Begriffes Faschismus überhaupt nicht kennen.

Ich vermute, dass der Begriff deshalb so gut funktioniert, weil sich jeder etwas Anderes darunter vorstellen kann, also gerade deshalb, weil niemand richtig weiß, was Faschismus ist. Emotional setzen die Potentaten auf diesen Effekt und destillieren aus der Ratlosigkeit des Adressaten ihre Unterstützung. Es möchte ja keiner bekennen, dass er nicht wisse, was hier gesagt wird und zudem vertraue er dem Potentaten, der dem Bösen so einen Namen gegeben hat. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich. So einfach könnte es auch gesagt werden, aber nicht so empathisch.

Zudem scheint es legitim, mit in den Chor der Anderen einzustimmen, wenn der Potentat die Melodie vorgegeben hat. Der Einzelne mag doof sein, wenn er dies tut, aber wenn eine Mehrheit in das Lied einstimmt, kann es nicht falsch sein. Zudem ist es von Herzen befreiend, sich nicht grübelnd und abwägend durch das Leben zu bewegen, sondern einmal laut zu brüllen, um dann wieder dem Tagesgeschäft nachzugehen. In einer größeren Gruppe ist das auch einfacher, denn die Anderen machen mit.

Sollte jemand wegen seines Chorbeitrages je zur Rede gestellt werden, so kann er auf die suggestive Kraft der Masse verweisen und sich davonstehlen, wenn es brenzlig werden sollte. Wer zündelt, entfacht ein Feuer. Wer Andere aus Opportunitätsgründen Faschisten nennt, muss sich vergegenwärtigen, dass seine Taten eines Tages aufgeklärt werden.

Wie heißt es? Gottes Mühlen mahlen langsam, aber gerecht. Wir sollten uns nie vor den Wagen eines Potentaten spannen lassen und sein Marschlied singen. Irgendwann bleibt es uns in der Kehle stecken.

Dann Gnade uns Gott!

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Jeder macht Seins

Was will der Mensch? Er will sein Ding machen. Sich selbst traut er das zu. Den anderen nicht. Das entspringt seinem Selbstverständnis. Ist Ausdruck seiner Kreativität. Zweifelt er daran, hält er sich sogar für nicht fähig, etwas alleine zu tun, dann zieht er es vor, überhaupt nichts zu tun. Das ist nicht mein Ding! So ähnlich lauten die Parolen, die Abschottungen gegen andere Ideen. Was ist der Grund? Womöglich das mächtige Gerangel um den besten Futterplatz. Das archaische Prinzip. Wir locken mit unseren Ideen, verführen, tricksen und täuschen und wollen andere in dem Glauben lassen, wir hielten auch ihre Taten für wichtig. Tatsächlich geht es aber um uns, um das Pflegen der Netzwerke mit dem Ziel, unsere Projekte besser zur Geltung zu bringen. Gibt es hier Absagen, gefährdet das unser Projekt, schafft Missmut und Distanz. Jeder macht Seins. Alleine kommen wir aber selten weiter, es sei denn, wir verfügten über so viel Geld, dass andere uns unterstützen, um an unser Geld zu gelangen. Wie können wir den Schalter umlegen? Möglicherweise dadurch, dass wir uns helfend anderen anbieten, überhaupt darauf verzichten, nur das Eigene zu verfolgen, sondern eher das andere Anliegen tatkräftig fördern. Dies natürlich erwartungsfrei, was Belohnungen angeht, aber deutlich in dem Bewusstsein, dass Hilfsbereitschaft auch als Schwäche ausgelegt werden könnte. Die Hilfsbereitschaft muss daher mit dem Signum des Erfolgs versehen werden. Die Unterstützungsleistung selbst genießt den Vorrang vor dem Einzelnen oder dem Projekt, welches unterstützt wird. Dies scheint auf dem ersten Blick anmaßend zu sein, stellte aber den sinnvollen Ausgleich zwischen den Erwartungen des Gebenden und des Empfängers dar. So wird Geben gerecht.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski