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Andris Nelsons

Als die Musik beschloss, einen körperlichen Ausdruck zu finden, fiel ihre Wahl auf Andris Nelsons. Bei der Bekanntgabe dieser Wahl will ich keineswegs seine solide Ausbildung, seine internationalen Erfolge, sein Renommee übergehen, mich aber ganz auf den Menschen Andris Nelsons und seine Musik konzentrieren. Diese entspringt seiner Natürlichkeit, die sich bei Begegnungen mit ihm schon darin äußert, dass nicht ein weltberühmter Dirigent einem fast den Atem nimmt, sondern ein Mensch mit mir den Raum für eine Zeit teilt, der offen und empfangsbereit für sein Gegenüber ist.

Es mag schon sein, dass er beim Dirigieren, insbesondere dann, wenn der Orchestergraben dem Publikum die Einsicht verdeckt, auf den bloßen Füßen stehend, sein Orchester führt. Mit beiden Beinen auf dem Boden erledigt er dann die Arbeit. Dabei wechseln Anspannung und Entspannung, opulente Freude am Spiel mit spitzfindiger Genauigkeit. Er streichelt die Streicher, lockt die Flöten und organisiert die Prallheit des gesamten Klangkörpers. Jede Nuance des Spiels macht er bildhaft und sichtbar für sein Publikum. Was ist er? Ein Transmitter, ein Übersetzer, vielleicht ein Medium der Musik, aber eigenwillig zugleich und keineswegs gefügig dem Komponisten oder dem Orchester. Er ist Entdecker aller Möglichkeiten und kongenialer Vollender des Werkes des komponistischen Schöpfers. Er führt kenntnisreich und mit Zuneigung. Es ist eine Freude, ihm beim Dirigieren zuzuschauen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski