Greta Thunbergs vor der UN-Vollversammlung und in Frageform gekleidete Anschuldigung „How dare you?“ wird in die Geschichte eingehen. Sie bekommt dafür viel Zustimmung und kaum jemand vermag sich dem emotionalen Impuls dieses Satzes zu entziehen. Doch stellt sich die Frage, ob diese Anklage gerechtfertigt ist und gegen wen sie sich richtet, sollte sie nicht nur einen allgemeinen Weckruf darstellen, dass sich in Sachen Klimaschutz etwas dringend ändern müsse.
Wenn die Generation angesprochen sein sollte, die derzeit noch das wirtschaftliche und politische Handeln bestimmt, dürfte die rationale Aussagekraft gering sein. Eingriffe in Natur und Umwelt zu deren Lasten und zu Lasten allen Lebens auf unserem Planeten hat es immer schon gegeben und beruht auf dem unerbittlichen Fortschrittswillen der Menschheit, der sich nicht auf eine Generation individualisieren lässt. Es ist Schlimmes passiert und auch Gutes.
In allen Bereichen unseres Lebens hat er Bildung, Wohlstand, Bevölkerungszuwachs und Nahrung für fast 10 Milliarden Menschen ermöglicht. Dieser von Menschen gewollte Transformationsprozess verlangte Opfer und wir waren zumindest bisher bereit, diese zu erbringen. So haben sich die Menschen, die Gesellschaften und alle Stakeholder entsprechend ihren Möglichkeiten einerseits opportunistisch, andererseits aber auch verantwortlich gezeigt.
Wie wird nun die kommende Generation diese Verantwortlichkeit wahrnehmen, wenn sie sich nicht auf Schuldzuweisungen beschränken will? Die Ziele scheinen klar zu sein. Es geht darum, sozusagen im allerletzten Augenblick programmatisch die Weichen für die Erhaltung des Planeten für kommende Generationen und alle Lebewesen auf diesem Planeten zu stellen. Um Antworten dafür zu finden, wie dies geschehen soll, werden die künftig Verantwortlichen nicht umhinkönnen, nicht nur ihre Ziele zu formulieren, sondern auch zu beschreiben, was sie vorhaben und wie das zu erwartende Ergebnis ausfallen wird.
Müssen die Produktionsprozesse zurückgefahren werden? Ist eine Reduktion der Menschen auf diesem Planeten zugunsten anderer Lebewesen erforderlich? Ist eine auf Agrarökonomie basierende Lebensgemeinschaft zukunftsfähig? Bisher war der Konsum der Treiber und zumindest seit Beginn des 19. Jahrhunderts auch der Garant des Fortschritts. Ist Konsum verzichtbar oder zumindest weitgehendst einschränkbar? Was geschieht dann mit Unternehmen? Welche Relevanz werden Gewinnerzielungsabsichten aufweisen oder werden wir Tauschgesellschaften favorisieren? Wer aber stellt die zu tauschenden Produkte her? Und selbst wenn wir alles begreifen, sind wir dann dazu bereit, etwas zu verändern, und zwar so, dass nicht andere, sondern wir selbst für die Konsequenzen einzustehen haben?
Der Fragenkatalog ist nur angerissen, ich darf allerdings zumindest vorläufige Antworten auf diese Zukunftsfragen, und zwar nicht nur im Hinblick auf die kleinen Schritte, sondern als Entwurf eines Zukunftsplanes erwarten, der von uns allen, der ganzen Menschheit verabschiedet werden kann, um unser planetarisches Habitat für kommende Generationen zumindest eine Zeit lang noch zu erhalten.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski