Ist es, was es ist? Oder doch etwas anderes?
Oft zweifeln wir an der Stimmigkeit einer Einschätzung, einer Botschaft, an den Fähigkeiten anderer Menschen, an der Berechtigung unserer Skepsis und Beurteilung. Ob in Nachrichten oder in persönlichen Gesprächen, überall begegnen uns ständig Zweifel, wobei das Leben aber Eindeutigkeit benötigt, damit es bewältigt werden kann. Da Zweifel nicht zu überwinden sind, passen wir Menschen die Wirklichkeit unseren Zweifeln an. Wir nehmen es persönlich, nur unser Blick, unsere Sicht sollen authentisch sein, selbst dann, wenn es unserer Wahrnehmung widerspricht.
Wir begegnen den möglichen Zweifeln an unserer Festlegung mit der Behauptung derer Gewissheit und versuchen dadurch, Zweifel zu eliminieren, wohlwissend, dass sie weiter schwelen und uns veranlassen, mit der Behauptung der Gewissheit eigene Zweifel zu unterdrücken. Doch nagt der Zweifel weiter an unserer Sicherheit, macht uns trotzig, wütend, schuldbewusst und aggressiv. Wir können zwar versuchen, Zweifel zu zerstreuen, auszublenden, gar zu unterdrücken, er meldet sich aber bei jeder Achsenverschiebung unseres Blickwinkels zurück, beansprucht wieder die Deutungshoheit: „Hab ich doch schon immer gesagt!“
Da unsere eigene Erkenntnisfähigkeit nur fragmentarisch sein kann, begegnen wir ahnungslos, allenfalls ahnend, was sich nach unserer Vorstellung hinter dem Zweifel verbirgt. Mangels Erkenntnis spielen wir eine Rolle, die uns Selbstbewusstsein verleiht, uns ermöglicht, den im Zweifel und in der Skepsis immanent vorhandenen Widerstand gegen unsere Wahrnehmung und unser Handeln zu überwinden und eine Manifestation des Wissens, Wollens und Handelns erlaubt.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski