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Zweifel

Ist es, was es ist? Oder doch etwas anderes?

Oft zweifeln wir an der Stimmigkeit einer Einschätzung, einer Botschaft, an den Fähigkeiten anderer Menschen, an der Berechtigung unserer Skepsis und Beurteilung. Ob in Nachrichten oder in persönlichen Gesprächen, überall begegnen uns ständig Zweifel, wobei das Leben aber Eindeutigkeit benötigt, damit es bewältigt werden kann. Da Zweifel nicht zu überwinden sind, passen wir Menschen die Wirklichkeit unseren Zweifeln an. Wir nehmen es persönlich, nur unser Blick, unsere Sicht sollen authentisch sein, selbst dann, wenn es unserer Wahrnehmung widerspricht.

Wir begegnen den möglichen Zweifeln an unserer Festlegung mit der Behauptung derer Gewissheit und versuchen dadurch, Zweifel zu eliminieren, wohlwissend, dass sie weiter schwelen und uns veranlassen, mit der Behauptung der Gewissheit eigene Zweifel zu unterdrücken. Doch nagt der Zweifel weiter an unserer Sicherheit, macht uns trotzig, wütend, schuldbewusst und aggressiv. Wir können zwar versuchen, Zweifel zu zerstreuen, auszublenden, gar zu unterdrücken, er meldet sich aber bei jeder Achsenverschiebung unseres Blickwinkels zurück, beansprucht wieder die Deutungshoheit: „Hab ich doch schon immer gesagt!“

Da unsere eigene Erkenntnisfähigkeit nur fragmentarisch sein kann, begegnen wir ahnungslos, allenfalls ahnend, was sich nach unserer Vorstellung hinter dem Zweifel verbirgt. Mangels Erkenntnis spielen wir eine Rolle, die uns Selbstbewusstsein verleiht, uns ermöglicht, den im Zweifel und in der Skepsis immanent vorhandenen Widerstand gegen unsere Wahrnehmung und unser Handeln zu überwinden und eine Manifestation des Wissens, Wollens und Handelns erlaubt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Aggregatzustand

Alles ist flüchtig. Diese Behauptung provoziert Widerstand. Wer kennt sich denn mit der Flüchtigkeit der Steine aus? Aber doch, sie könnten zu Sand zerrieben werden. Ganze Kontinente sind auf der Flucht. Nichts bleibt, wie es ist, aber es lässt sich aufhalten, nicht endgültig.

Der Wasserdampf steigt auf und fällt als Regen zurück auf die Erde. CO2 verflüchtigt sich, aber trägt gleichwohl zur Verwundbarkeit unseres Planeten bei. Unser Leben ist flüchtig. Auch wir lösen uns auf und doch bleibt etwas von uns auf ewig. Das heißt, wir lösen uns nicht ganz auf. Auch wenn der Körper zerfällt, bringen wir uns ein in die Natur.

Unsere Gedanken und Gefühle haben einen bleibenden Beitrag in unserer Gesellschaft geleistet. Unsere flüchtige Existenz kann heilvoll aber auch unheilvoll sein, aber bleibend in dem von uns erwarteten Sinn ist nichts. Für den Moment können wir die Welt in Angst und Schrecken versetzen, für den Moment sie beglücken mit einer Erfindung oder unerwarteten Zuwendung. Auf Dauer können wir nicht planen.

Achtung, Achtung! Das ist ein Experiment mit meinen Gedanken, die kommen und gehen. Es bleiben weder Erinnerung noch Bedeutung. Sie schaffen auch keine Veränderung. Aber irgendwie tragen meine Gedanken trotz aller Flüchtigkeit zu etwas bei. Sie regen für einen Moment meine Leser an, fordern Widerspruch heraus oder erlauben kurzfristige Übereinstimmung. Vielleicht.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski