Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Hier finden Sie meine Gedanken, Ideen und Anreize zu gegenwärtigen und vergangenen gesellschaftsrelevanten Themen, die mich und meine Umwelt bewegen.

Natur

Unsere Vorstellung, die Natur als Mutter des Lebens zu begreifen, beruht darauf, dass wir ihr diese Verantwortung zuweisen. Unsere Auffassung ist, dass die Natur uns wie eine Mutter geboren hat, uns pflegt, uns umsorgt und uns allgegenwärtig hilfreich durch unser Leben begleitet. Das ist eine eher selbstgefällige und romantische Betrachtung der Natur, eher verharmlosend als begreifend. Erstaunlich ist, dass schon Hölderlin vor 200 Jahren in einem Gedicht Folgendes ausgeführt hat:

So hast du manches gebaut,
Und manches begraben,
Denn es hasst dich, was
Du, vor der Zeit
Allkräftige, zum Lichte gezogen.
Nun kennest, nun lässest du diß;
Denn gerne fühllos ruht,
Bis dass es reift, furchtsamgeschäfftiges drunten.
(Entnommen aus Rüdiger Safranski „Hölderlin. Komm! Ins Offene, Freund!“ Hansa-Verlag, Seite 228)

Bei Hölderlin ist es weiterhin die Natur, die uns hervorgebracht hat, aber in dieser Legitimation ist die Natur auch berechtigt, uns zu erziehen, uns zu mahnen und zu fordern. Es ist eine Natur, die selbst Ansprüche stellt und nicht passiv die ihr zugewiesene Rolle als Mutter allen Lebens erduldet, sondern Forderungen erhebt, selbst handelt. Diese Natur sieht, was ihre Kinder anrichten und ermahnt uns, immer wieder zu vergegenwärtigen, dass sie es ist, die gibt und nimmt.

Diese Mutter Natur behält sich in letzter Konsequenz auch vor, diejenigen zu bestrafen und sogar zu vernichten, die sie nicht achten, sondern sogar glauben, sich ihrer bemächtigen zu können. Sie widersteht so jeder Zuweisung. Sie ist nur Mutter, wenn ihr Einverständnis mit unserem menschlichen Verhalten besteht, wenn nein, ist sie Furie. Das uns Verborgene der Natur entzieht sich unserer auf Hoffnung gegründeten Einschätzung der Friedfertigkeit und lässt eine gewaltige Antwort auf unsere Zumutungen an sie ahnen.

Die Natur hat kein Problem mit der Vergänglichkeit, auch nicht mit unserer Vergänglichkeit des „Stirb und Werde“, sogar der Vergänglichkeit sämtlichen Lebens auf diesem Planeten. Die Natur hat uns hervorgebracht und widerruft diesen Entschluss, wenn wir uns ihm nicht würdig erweisen. Neues entsteht und reift und kein Mensch vermag dies zu deuten. Wieder Menschen? Oder Maschinen? Wer weiß?

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Weihnachten

Wir feiern ein Weihnachten, welches absurder nicht sein könnte. Ein Kind wird geboren, der Heiland, mit dessen Vater er selbst und der heilige Geist eine unauflösliche Einheit darstellen. Am Kreuze verliert er es zwar, bleibt aber dennoch Schöpfer des Lebens. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind alles in einem und auch das Ganze in Allem.

Dieses offenbare Paradoxon ist erstaunlicherweise aber für unsere Existenz sinnstiftend, egal welcher Religion wir als Menschen angehören oder uns gar als Agnostiker bezeichnen. Stets findet eine Rückkopplung in einen Raum jenseits des Offensichtlichen statt. Geschichtlich und gegenwärtig gibt es zwar keine Einheitlichkeit der Benennung dieses Phänomens, aber selbst hochgeachtete Wissenschaftler halten parallele Erfahrungen für möglich und wir alle ahnen, dass es jenseits des Urknalls etwas gibt, das wissenschaftlich gesehen, eigentlich nicht sein kann, wir aber aus Gründen der eigenen Orientierung anerkennen müssen. Es dient der Absicherung unserer Existenz in dieser Welt. Es sollte uns nichts daran hindern, die ganze Schöpfungsgeschichte so wahrnehmungsmöglich, wie wir es zulassen, zu benennen.

Diese Benennung wird natürlich sehr subjektiv ausfallen müssen, da wir sie allenfalls durch deren Andeutungen erfahren, wir diese selbst durch Mutmaßungen ergänzen oder sogar trotzig unsere Festlegungen gerade aus dem Widerspruch zu angeblich gesicherten Erkenntnissen ableiten. Da unsere Ahnungen sich also nicht durch Redeweise verifizieren lassen, verteidigen wir unsere Behauptungen selbst als scheinbar gesicherte Erkenntnisse und schützen uns dadurch selbst vor dem Eingeständnis unserer Ahnungslosigkeit. Diese wühlt uns stetig auf, weil wir doch nicht von dem Versuch ablassen können, mittels Religion, Philosophie, Wissenschaft und Technik in Erklärungssphären vorzudringen, die es uns erlauben könnten, das Menschheitsrätsel zu lösen.

Aber letztlich verschaffen wir uns durch Geburt und Tod doch die Gewissheit unserer Existenz und erfahren durch das Rätsel unseres Seins einen spirituellen ewigen Sinn. Es ist also Weihnachten!

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Sitten und Gebräuche

Den Älteren unter uns sind sie noch vertraut und in der Erinnerung gegenwärtig, die Sitten und Gebräuche. Es gibt so ein Regelwerk, das jeder früher verinnerlicht hatte als einen Teil seines Erziehungsprogramms, dies von Kindesbeinen an. Die Regeln beruhten auf Hören-Sagen und wiesen uns durch den Tag und das Jahr, schafften Sicherheit im Umgang mit anderen. Soweit wir sie befolgten, waren wir auf der sicheren Seite und konnten potentiellen Ärger im Falle der Übertretung einschätzen. Auch wenn die Regeln nirgends kodifiziert waren, wusste jeder, was zu tun war und fühlte sich nicht nur persönlich gut, sondern auch im Einklang mit anderen im Falle ihrer Beachtung.

Sitten und Gebräuche waren der Ordnungsrahmen, der Gemeinschaften schuf, wobei aber jeder auch unerbittlich darauf achtete, dass Übertretungen die Ausnahme und überschaubar blieben. Jeder, der die Regeln beachtete, war gleichzeitig Nutznießer der Ordnung. Jeder fühlte sich selbst verpflichtet, war aber auch derjenige, der das Verhalten anderer kontrollierte und Regelverstöße anprangerte. Damit wird deutlich, dass Sitten und Gebräuche sich in der Regel nicht freiwillig beibehalten lassen, weil ihnen ein von der Sache her geprägter Zwang zukommt. Deshalb stehen Sitten und Gebräuche in einem steten Konkurrenzverhältnis zum menschlichen Freiheitswillen.

Im Gegensatz zur Ungebundenheit ist gleiches oder ähnliches Fühlen, Denken und Handeln der Wesenskern von Sitten und Gebräuchen. Das Regelwerk erwartet das Eins-Werden mit anderen, den gemeinsamen Willen an ihm festzuhalten. Es ist zwar durchaus aufnahmefähig für Impulse, die Veränderungen und Erweiterungen schaffen, aber nur, wenn der Kern des Werks nicht zerstört wird.

Da wir Menschen auf Orientierung in unserem Leben angewiesen sind, könnte es sich anbieten, in der Verbindlichkeit von Sitten und Gebräuchen wieder ein verlässliches Grundkonzept für die Entwicklung überzeugender Regelwerke in unserer Gesellschaft zu sehen, das einer ungezügelten Selbstverwirklichung das Angebot an gemeinschaftlicher Rücksichtnahme und Verantwortung gegenüberstellt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Lebensversprechen

Wir sind unseren Kindern, Enkelkindern und allen künftigen Generationen verpflichtet, denn wir haben ihnen bei ihrer Geburt ein Lebensversprechen gegeben. Dieses besagt, dass wir sie schützen und ihnen nach unserem besten Vermögen eine Entwicklung ermöglichen, die es erlaubt, dass sie ihr eigenes Leben verwirklichen, dies aber in Gemeinschaft mit allen anderen Menschen unter Bewahrung aller bereits vorhandenen Ressourcen und Schaffung nachhaltiger Verhältnisse von Generation zu Generation. Wollten bzw. könnten wir dieses Versprechen nicht abgeben, dann wäre es sicher klug, sich gegen Kinder und überhaupt den Fortbestand der Menschheit auszusprechen. Es mag nun zwar vereinzelt Antinatalisten unter uns geben, aber die meisten Menschen auf dieser Welt befürworten Kinder und sehen ihre Nachkommen als Segen an.

Keine Mutter bringt zudem Kinder zur Welt, damit sie gewaltsam in Kriegen sterben oder von anderen Menschen gequält und verletzt werden. Es wird uns ein Rätsel bleiben, warum dies dennoch geschieht, aber es sollte uns das Lebensversprechen daran erinnern, dass wir einen beständigen Beitrag für gelingendes Leben gemeinsam leisten müssen. Erstaunlicherweise ist dennoch bis heute bei vielen Menschen ein gewisses Standesdenken festzustellen, welches sich in der Besitzstandwahrung, Vererbung, überhaupt im Egoismus ausdrückt.

Tatsächlich kann sich ein Lebensversprechen aber nur dann erfolgreich verwirklichen, wenn wir andere Menschen dafür gewinnen, sich nicht nur für sich selbst und ihre Nachkommen, sondern auch für die Gemeinschaft einzusetzen. So wird der Generationenvertrag beginnend mit der Entscheidung, Leben zu stiften, begründet, und zwar aufgrund keiner singulären, sondern einer gesamtgesellschaftlichen Entscheidung, die verpflichtend dafür sorgt, dass für alle Menschen die Weichen für ihre Bildung, Gesundheit, aber auch die Erhaltung von Ressourcen für künftige Generationen zuverlässig geschaffen werden können.

Es kommt dabei nicht nur auf das Wollen, sondern auf einen alle Menschen verpflichtendes Müssen im Interesse der Erhaltung unsers Menschseins auf diesem Planeten an. Das verlangt uns viel Einsicht und Gestaltungsbereitschaft ab, sollten auch künftige Generationen noch aus voller Überzeugung Lebensversprechen für ihre Kinder abgeben wollen und können.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Schimären

Entwesentlicht treiben sie unser Spiel mit uns, Monster, die uns auflauern bei Tag und Nacht und auf ihre Möglichkeit warten, uns in Furcht und Schrecken zu versetzen, uns zu verunsichern, zumindest aber Unbehagen zu bereiten. Sie haben Gestalt und sind doch gestaltlos, nicht eindeutig zuordenbar, setzen sich in unsere Gedanken fest, schaffen Ambivalenzen, die wir weder steuern noch unterdrücken können. Schimären sind die für uns persönlich geschaffenen Befürchtungen, die nicht nur individuell volle Aufmerksamkeit für sich beanspruchen, sondern zudem genügend Ausstrahlungskraft haben, um Gruppen, Gesellschaften, überhaupt die ganze Menschheit in ihren Bann zu ziehen.

Wir nehmen sie wahr und haben doch keinen Plan zu ihrer Abwehr. Schimären sind hartnäckig, widerstehen unserer Ignoranz, jeder Form der Ablenkung. Wir müssen daher versuchen, sie kognitiv zu zähmen. Ihre Ambivalenz verweigert aber leider jede Eindeutigkeit, schafft ein Gefühl ohne zu wissen, eine unbeholfene Reaktion der Sinne. Das beunruhigte Gefühl verdunkelt unsere Einsicht, schafft Raum für Empörung und deren Umsetzung, nicht ahnend die Gefahr, dass, wenn der Mensch zerstört, er schließlich auch zerstört wird. In der Bibel, Jesaja, Kapitel 33 heißt es: „Wenn du das Ziel deiner Empörung erreicht hast, dann wirst du selbst das Ziel einer Empörung.“

Wir Menschen selbst sind Schimären unserer selbst, zuweilen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Verwandtschaft

Irgendwie sind wir, das heißt alle Menschen, miteinander verwandt. Mit dieser Einschätzung könnte es sein Bewenden haben, ist diese Einschätzung aber auch wirklich sinnvoll? Zweifel sind berechtigt. Alle Menschen bei der Betrachtung verwandtschaftlicher Beziehungen mit einzubeziehen, kommt einer Kapitulation vor der Totalität von circa 10 Mrd. Menschen gleich. Begreifen wir allerdings nur unsere nächsten Angehörigen, als die mit uns verwandten, sind wir sicher auch zu kurz gesprungen.

Es gibt bezüglich der Verwandtschaft etwas zu entdecken, was uns nicht täglich präsent ist. Das sind unsere Vorfahren. Warum? Weil Sie unverzichtbar für unser Dasein sind. Wären sie nicht geboren worden, hätten gelebt, geliebt, gearbeitet und die Frauen Kinder in die Welt gesetzt, dann gäbe es uns nicht. Frauen, wie Männer waren an diesem Leben beteiligt und haben seit ihrem Entstehen einen wesentlichen Beitrag zu unserer genetischen Ausstattung geleistet.

Über Jahre, Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg wurde ergänzt und verändert durch andere Menschen. Aber nichts ist auf diesem Weg verloren gegangen. Wir sind etwas Besonderes, aber auch Teil der Generationen, die sich vor unserem Auftreten entwickelt haben. Allerdings erschöpft sich Verwandtschaft nicht in einer genetischen Betrachtung, sondern wird genährt durch die Umstände, innerhalb derer eine Entwicklung des Menschen stattfindet.

Dazu gehören Plätze, Landschaften und Kontinente. Die Frage nach dem „Ich“ ist stets mit der Frage danach, wo ich herkomme, verknüpft. Unsere Herkunft ist wichtig für unsere Standortbestimmung in dieser Welt. Viele Faktoren sind ausschlaggebend. Neben dem geografischen, auch die Sprache, die Natur oder das städtische Umfeld, die Bildung, der Beruf, körperlicher Konstitution und Klima, um nur einige Aspekte zu nennen.

Über die Vergewisserung unserer Herkunft versichern wir uns der Einmaligkeit unseres Seins und der Bedeutung in dieser Welt. Das erlaubt uns, unser wahrgenommenes Ich im Zusammenhang mit allen uns verwandten Menschen zu reflektieren und so Erkenntnisse über uns selbst, unser Aussehen, unsere Verhaltensweise, unsere Eigenschaften und all das, was unser Leben bestimmt, zu gewinnen.

Durch die Erkenntnis von Verwandtschaft vergewissern wir uns, dass wir nicht allein sind, sondern die Chance wahrnehmen, prägend in die Matrix des Lebens einzugreifen, wie uns dies auch geschieht. Verwandtschaft macht uns zum ewigen Zeugen und Handelnden unserer eigenen Existenz.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Sein

Sein oder nicht sein … das ist eine Menschheitsfrage, vor allem dann, wenn sie nicht theatralisch überhöht gestellt und persönlich ausformuliert wird. Das Sein als persönliche Erfahrung ist jedem Menschen allgegenwärtig.

Weniger geläufig ist jedem Menschen ein Sein, das ihm zugeordnet wird. Hierunter ist sowohl ein gesellschaftliches Sein, als auch ein rechtliches Sein zu sehen. Das gesellschaftliche Sein des Menschen, die Gemeinschaft mit anderen Menschen, aber auch mit Tieren, Pflanzen, Dingen sowie alle sonstigen stofflichen und nichtstofflichen Wahrnehmungen unterscheiden sich vom rechtlichen Sein des Menschen, welches von der Ordnung bestimmt wird.

Das rechtliche Sein des Menschen beginnt mit seiner Erzeugung und macht ihn vom ersten Tag der Befruchtung der Eizelle zu einem Wesen, welchen unter öffentlichem Schutz Rechte verliehen, aber im Prozess der Menschwerdung auch bereits Verbindlichkeiten auferlegt werden, die es mit seiner Geburt ohne eigene emotionale und kognitive Zustimmung bekräftigt.

Das rechtliche Sein des Menschen wird nicht von ihm selbst, sondern von anderen geschaffen. Es modelliert aber Rechte und Pflichten, die ursächlich im Sein liegen, aber keine Selbstbestimmung zulassen. Im Rechtssinne bestimmen weder Gott, noch die Natur das Sein des Menschen, sondern Regeln, die allerdings keine Allgemeinverbindlichkeit aufweisen müssen. So ist es erklärbar, dass das rechtliche Ich seine Ausprägung durch unterschiedliche Ordnungen erfährt, ob diese demokratisch legitimiert sind, auf Gesetzen und Verordnungen beruhen, ist dabei nebensächlich. Der rechtliche Status des Menschseins, natürlich unter Berücksichtigung unterschiedlicher Bedingungen, werden nur zugebilligt und kann vom Menschen selbst nicht geschaffen werden. Der Mensch kann sich selbst nicht als Seiender im Rechtssinne legitimieren.

Dort, wo der Mensch Teil einer Gemeinschaft ist, bestimmt allerdings nicht allein sein Rechtsstatus die Existenz, sondern das Sein berechtigt und verpflichtet den Menschen, auch dort, wo das rechtliche Sein weder hilft, noch schadet, eine Verabredung mit der Gesellschaft einzugehen. Auch, wenn das Recht zum Beispiel mit Artikel 1 des Grundgesetzes, der Würde des Menschen, eine die Rechtsgewährung übersteigende Bedeutung zumisst, kann nicht das Recht, sondern nur die Gesellschaft das dem Menschen Zustehende gewähren. In der Gemeinschaft mit anderen Menschen erfährt der Mensch die Legitimation seines Seins, die ihm weder die Natur, noch das Recht garantieren kann.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Lebensplan

Hat uns der Urknall erschaffen? Welchen Lebensplan hat er uns mitgegeben? Die DNA unseres vegetativen Seins mag entschlüsselt werden, aber erklärt dieses Design und auch die Informationen, die unsere Mikroben zuführen, den ganzen Menschen? Etwas scheint uns voneinander zu unterscheiden, von jeder Pflanze, jedem Tier und auch jedem anderen Menschen.

Die Sinnfrage wird oft gestellt, aber meist raumgreifend in der Erwartung, dass ein Philosoph oder ein Religionsstifter die Antwort bereithält. Die Angebote sind vielfältig und erschöpfen sich in der flehenden Bitte: „Erkenne dich selbst.“ Das Dilemma ist unausweichlich, wie soll Selbsterkenntnis funktionieren, als Erfahrung, Experiment, Eingebung?

Orientieren wir uns an der normativen Behauptung, dass wir schließlich doch jemand sein müssen? Auch auf sich selbst zurückgeworfen, im Zirkelschluss gebannt, erfährt der Mensch sich nicht. Wenn also weder das Eine, noch das Andere sinnstiftend für den Menschen ist, wird dann nicht eine Matrix der Opportunität sichtbar? Vermögen wir nicht durch einen „process reverse“ das wahrzunehmen, was uns seit dem Urknall zum Menschen geformt hat?

Es scheint mir, dass je mehr wir voneinander und unseren Ansichten, Gewohnheiten und Einschätzungen loslassen, wir unserem Lebensplan näherkommen. Vielleicht müssen wir eine Interjourney in uns selbst und in der Zeit zurücklegen, um im Urknall zu erfahren, wer und warum wir sind.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Ruck – Stiftung des Aufbruchs

Die Ruck-Stiftung des Aufbruchs wurde 2007 gegründet, um sich einzusetzen für bürgerliches Engagement und eine Gesellschaft der Selbstverantwortung und Solidarität.

Die Stiftung initiiert vorwiegend eigene Projekte, unterstützt im Einzelfall aber auch andere, die sich einen Ruck geben und durch ihr Handeln zeigen, dass sie sich aktiv einbringen wollen in Prozesse der Umgestaltung.

Die Ruck-Stiftung fokussiert in ihrer Arbeit seit Jahren das Thema Frühkindliche Bildung durch Elternbildung, das in den die Projekten VIVA FAMILIA! sowie SPRACHFÖRDERUNG UND KREATIVPROJEKTE für Flüchtlingsfamilien umgesetzt wird.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Verwaltungsreformgesetz

Es geht voran. Berlin plant eine Reform seiner Verwaltung, und zwar sowohl auf Landes-, als auch auf Bezirksebene. Das Gesetz soll aber nicht Verwaltungsreformgesetz heißen, sondern Landesorganisationsgesetz, womit schon deutlich gemacht wird, dass es in erster Linie darum geht, die Kompetenzen von Land und Bezirken abzugrenzen, so mit Hilfe der Strukturveränderungen eine Konzentration von Aufgaben im Sinne der Bürger zu erreichen und Beschleunigung der Entscheidungsprozesse zu gewährleisten. Transformation, Konnexität und Spezialisierungen gesellen sich zur Digitalisierung, alles instrumentale Begrifflichkeiten, die zu einer neuen Verwaltungskultur beitragen, bei Querschnittsfeldern Klammerwirkungen erzeugen und die Veränderungsresistenz der Verwaltung überwinden helfen sollen. Ein Systemwechsel sei geplant, grundsätzlich seien neue Wege erforderlich. Die Schaffung eines einheitlichen Zuständigkeitskatalogs scheint zudem dafür angetan, dass sich künftig jeder mit dem beschäftigt, was er selbst kompetent auch umsetzen kann.

Die Darstellung der Ziele und Methoden einschließlich der Benennung von Klageverbesserungsrechten, Bezirksamtsschutzbehörden, alles unter Berücksichtigung der Veränderungsresistenz der Verwaltung durch Schaffung betrieblicher Anreicherungen, werden als Bausteine für eine Neuausrichtung der gesamten Verwaltung angesehen.

Kann die Vorstellungswelt der Verantwortlichen damit aber bereits erschöpft sein? Geplant werden strukturelle Reformen offensichtlich nur für die Jetzt-Zeit, wobei naheliegenderweise übersehen wird, dass vor der Reform bereits die nächste Reform mit zu bedenken sein dürfte. Die stete und oft auch hektische Entwicklung im digitalen Bereich, die auch Auswirkungen auf uns Menschen und unser Verhalten hat, zwingt uns doch im Interesse unserer Kinder und Kindeskinder dazu, das „Kommende“ bereits mitzudenken sowie den Versuch zu unternehmen, das Mögliche strukturell aufnahmebereit zu implementieren. In dieser Erwartung sollte eine Struktur- und Verwaltungsreform, wie bei einem PPP-Modell, hier Private Public Partnership, bereits prozessual diejenigen Mechanismen mit implementieren, die geeignet sein könnten, gesellschaftliche sowie technisch künftige digitale Veränderungen sofort in einen kontinuierlichen Prozess der „liquiden Verwaltung“ einfließen zu lassen.

Alle Prozesse der Verwaltung müssten zeitgegenwärtig und reaktionsschnell auf Veränderungen angebotsgerecht flexibel reagieren können. Es liegt auf der Hand, dass zum Beispiel bezogen auf Berlin, die Überhitzung der Stadt, Wasserknappheit, Bebauungsdichte, überhaupt alle Phänomene so mit bedacht werden sollten, dass schnelles Handeln künftig gewährleistet ist.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski