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Zweifel

Ist es, was es ist? Oder doch etwas anderes?

Oft zweifeln wir an der Stimmigkeit einer Einschätzung, einer Botschaft, an den Fähigkeiten anderer Menschen, an der Berechtigung unserer Skepsis und Beurteilung. Ob in Nachrichten oder in persönlichen Gesprächen, überall begegnen uns ständig Zweifel, wobei das Leben aber Eindeutigkeit benötigt, damit es bewältigt werden kann. Da Zweifel nicht zu überwinden sind, passen wir Menschen die Wirklichkeit unseren Zweifeln an. Wir nehmen es persönlich, nur unser Blick, unsere Sicht sollen authentisch sein, selbst dann, wenn es unserer Wahrnehmung widerspricht.

Wir begegnen den möglichen Zweifeln an unserer Festlegung mit der Behauptung derer Gewissheit und versuchen dadurch, Zweifel zu eliminieren, wohlwissend, dass sie weiter schwelen und uns veranlassen, mit der Behauptung der Gewissheit eigene Zweifel zu unterdrücken. Doch nagt der Zweifel weiter an unserer Sicherheit, macht uns trotzig, wütend, schuldbewusst und aggressiv. Wir können zwar versuchen, Zweifel zu zerstreuen, auszublenden, gar zu unterdrücken, er meldet sich aber bei jeder Achsenverschiebung unseres Blickwinkels zurück, beansprucht wieder die Deutungshoheit: „Hab ich doch schon immer gesagt!“

Da unsere eigene Erkenntnisfähigkeit nur fragmentarisch sein kann, begegnen wir ahnungslos, allenfalls ahnend, was sich nach unserer Vorstellung hinter dem Zweifel verbirgt. Mangels Erkenntnis spielen wir eine Rolle, die uns Selbstbewusstsein verleiht, uns ermöglicht, den im Zweifel und in der Skepsis immanent vorhandenen Widerstand gegen unsere Wahrnehmung und unser Handeln zu überwinden und eine Manifestation des Wissens, Wollens und Handelns erlaubt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Erinnerungen

Erinnerungen bilden das Menschheitsgedächtnis. Sie sind im Besitz jedes einzelnen Menschen, werden von Generation zu Generation weitergegeben und erfahren ihre verbindliche Festlegung sowohl in Gegenständen, als auch in medialen Formaten jeglicher Art.

Erinnerungen werden nicht nur sprachlich und bildlich weitergegeben, sondern auch durch Gefühle und Stimmungen. Erinnerungen prägen unsere Fähigkeiten, zu Erkenntnissen zu gelangen und Entscheidungen zu treffen. Das durch Erinnerungen gefütterte Weltgedächtnis ist unverzichtbar. Es ist deshalb existenziell, dass alle Menschen ihren Beitrag dazu leisten.

Das geschieht bewusst oder unbewusst, durch ein Handeln oder Unterlassen, aber oft nicht mit dem Wissen um die Sinnhaftigkeit des Handelns. Dabei kann jeder, der seinen Kindern aus seinem Leben erzählt, mit ihnen singt oder spielt, erheblich zu einer bleibenden Erinnerung nicht nur für das Kind, sondern für die ganze Familie und schließlich die Menschheit beitragen.

Das Gute, das wir schaffen, bleibt der Erinnerung erhalten, aber auch alles Böse und Schreckliche, ob sich dieses in einem persönlichen Verbrechen oder in einem kollektiven Krieg manifestiert. Deshalb sollten wir die Beiträge, die wir zur Erinnerung abliefern, sehr sorgsam und gewissenhaft gestalten, immer wissend oder ahnend, dass sie relevant sein dürften.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Planlos

Wir stehen kurz vor dem Wahljahr 2017. Die Kanzlerin hat erklärt, dass sie alles reiflich be­dacht hätte und nun doch entschlossen sei, als Kanzlerkandidatin 2017 anzutreten. Sie scheint alternativlos zu sein, aber Freude kommt nicht auf. Unbestritten sind die Verdienste Angela Merkels um Deutschland.

Es ist nicht wichtig, ob ein Politiker alles richtigmacht, wichtig ist allein, dass er bereit ist zu handeln und dies verantwortlich. Ich meine, dass Angela Merkel dies in aller Unaufgeregtheit sehr gut für Deutschland getan hat.  Deutschland hat an Ansehen durch sie gewonnen und blieb wirtschaftlich erstaunlich stabil, trotz aller die Wirtschaft belastenden Entscheidungen, wie beispielsweise den Ausstieg aus der Atomenergie oder internationale Verwerfungen.

Keiner hat Grund, sich aufzuregen, insbesondere nicht darüber, dass sie angeblich Immigranten in unser Sozialsystem geholt habe. Das sind diese Sorten von Lügen, die heute als Wahrheit verpackt eine die Politik lähmende Kraft entfalten könnten. Vielleicht ist es so gewollt und die mehrheitlich sich Ereifernden können vielleicht noch Verstärkung aus den USA erhalten. Von den USA zu lernen, kommt anscheinend wieder in Mode, wer hätte das gedacht.

Würde ich jetzt „keiner“ behaupten, wäre dies falsch. Wir haben das alle so gedacht. Eine Gesellschaft kann gut oder schlecht verwaltet werden. Sie ist sicherungsbedürftig, aber nicht krisenfest. Da könnte ein Problem zu Tage treten: Wir haben keine Pläne. Wir haben keine Pläne, an denen sich eine Regierung orientieren könnte. Wir haben keine Pläne, die Grundlage unseres gesellschaftlichen Handelns insgesamt sein müssten. Es gibt noch nicht einmal Vorschläge für Pläne, die dann diskutiert und in einem Contrat Social mit der Gesellschaft festgeschrieben werden könnten. Wir haben allenfalls liquide Handlungsperspektiven, die je nach Opportunität wieder zur Disposition gestellt werden. Erscheint die dem Chamäleon verwandte Anpassungsfähigkeit der Politiker auch auf den ersten Blick als sehr attraktiv, kann doch nicht übersehen werden, dass bei einer Vervielfachung unterschiedlichster Meinungen und Proteste eine Kakophonie entsteht, die die Gesellschaft insgesamt lähmt. Wir müssen wissen, was wir wollen und dürfen, die Deutungshoheit hier nicht linken und rechten Gruppierungen überlassen, die wohlfeil Pläne vorlegen, deren Realisierung allerdings an der Wirklichkeit scheitern werden.

Der Austritt aus der Nato ist ebenso unsinnig, wie Ausländer wieder vor die Tür zu setzen und schon gar nicht reinzulassen. Eine Gesellschaft, die nur noch gefühlt lebt, aber nicht mehr wirklich, ertrinkt in ihrer Gefühligkeit, anstatt sich selbst durch planvolles Handeln herauszufordern. Geht nicht, gibt es nicht.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski