Die Welt ist in Aufruhr, nicht nur in den großen klimatischen, wirtschaftlichen oder politischen Betrachtungen, sondern auch in der Wahrnehmung der kleinsten politischen Einheit, dem tatsächlichen oder virtuellen Stammtisch. Um was geht es dabei zunächst?
Vor allem um das Versagen der Politiker. Diese machen alles falsch, und zwar nicht nur diejenigen, die man nicht gewählt hat, sondern auch diejenigen, die man gewählt hat. So etwa lautet das Präludium: „Es kann doch nicht sein ….“. Wir alle kennen das. Der Stammtisch wird gepflegt, ob bei dem realen Zusammentreffen von Menschen, in den Medien, vor allem in social media. Warum ist das so? Wir könnten doch eigentlich dankbar sein für Politiker, die uns davon entlasten, selbst handeln zu müssen, die ein Stück weit unsere eigene Verantwortung zu der ihren machen? Funktioniert wohl generell nicht.
Auch zum Beispiel beim Fußball machen Trainer wie Mannschaft aus der Sicht der Zuschauer eine Menge falsch und doch wollen wir nicht auf dem Platz stehen, um dem Ball hinterherzulaufen. Wir wollen auch nicht anstelle des Kanzlers und seiner Minister permanent gefordert sein, durch die Gegend fliegen, schwierige Gespräche führen, um dann noch in den Medien ständig Rede und Antwort stehen zu müssen. Ich selbst kann dies jedenfalls für mich ausschließen und ich glaube, dass doch recht wenige Menschen, die Leidensfähigkeit aufbringen, vergleichbare gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Menschen, die Verantwortung übernehmen, entlasten uns aber nicht nur durch ihr Tun, sondern ermöglichen es uns auch, selbst andere Aufgaben zu übernehmen und ein Leben zu führen, dass unseren Neigungen entspricht, das womöglich nicht im selben hohen Maße von der öffentlichen Wahrnehmung bestimmt ist.
Deshalb sollten wir versuchen, die Aufruhr in dieser Welt nicht anderen anzulasten, sondern zu verstehen, dass Gemeinschaft jeden Menschen zum Verständnis und auch zur Zurückhaltung verpflichtet. Das bedeutet nicht Verständnis mit jeder Entscheidung, die andere für uns treffen, aber zur Abwägung unserer Reaktionen selbst dann, wenn wir anderer Meinung sind.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski